Die Gemeinschaft
- Journal
- Die Gemeinschaft
- Volume
- 1928
- Issue
- 11 (1.4.1928)
- Date
- 1928-04-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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von der Pefcsachfeier in Hause R. Akibas, die von fünf großen l.<-1111-111 gemeinsam begangen wurde. Als morgens die Jünger zum Festgottesdienst kamen, fanden sie zu ihrer Ucbcrraschung die Lehrer noch eifrig diskutierend am Sedertisch. Die Hauada erzählt das keineswegs als Kuriosum. um die Weltfremdheit von Gelehrten zu verspotten, die alles um sich her vergessen, wenn sie über ihre BüAerweisheit mit einander diskutieren. Sie sagt viel mehr und viel Ernsteres. Die Frage drängt sich auf, was wohl diese Weisen in jener Pessachnacht mit einander verhandelt haben. Ks war selbstverständlich nicht nur die biblische Erzählung von dem Auszug aus Aegypten und auch keineswegs bloß staubiger Gelehrten kram, Die Hagada deutet vielmehr zwei Probleme an, die wir uns freilich aus der Form herausschälen müssen, in die der Geschmack jener Zeit sie gekleidet hat. Die Gegenwart und ihre Beziehung zu dein Ereignis, das zur Einsetzung des Festes geführt hat, war der Hauptinhalt, jener Unterredung. Weshalb - das war die eine Frage - ist am Pessachfeste, abweichend von allen anderen, die eigentliche Festfeier in die häusliche Abendfeier verlegt? Im Verlauf der Erörterung wird Ben Sornas Deutung citiert. Er erklärt das Schriftwort im Sinne „die ganzen Tage deines Lebens" und sucht hier den Grund der Abendfeier. Uns mutet die Deutung fremdartig, formalistisch und gezwungen an. Wir sehen vielmehr, % daß aus der alten Opfcrmahlzcit am Pessachabend. die ja doch nur von einem kleinen Teile des Volkes begangen werden konnte, sich sehr frühzeitig die häusliche Abendfeier entwickelt hat. Es war das einzige Opfer, das nicht im Tempel, sondern in den Hausern in Jerusalem dargebracht worden war. Nicht eine biblische Vorschrift, sondern die lebendige schöpferische religiöse Kraft der Volksseele hat daraus bereits zur Zeit des Bestandes des Tempeis die opferlose häusliche Feier entwickelt. Die Deutung Ben Sornas und ihre Anwendung auf die Abendfeier hat aber auch damals die Gelehrten nicht befriedigt. Sie deuteten die Schriftstelle anders, und ihre Deutung führte zur Krörterung des zweiten, wesentlich wichtigeren Problems. Sic faßten das Schriftwort im Sinne von „alle Tage deines Lebens", und ihre Krörterung gipfelte in der Krklärung „auch in messian i sc her Zeit". Sie warfen die Frage auf und suchten sie zu beantworten nach der Bedeutung der ägyptischen Befreiung für ihre Gegenwart und für die kommende Zeit. Das Wesentliche) ist ja nicht die bloße und darum blasse Krinnerung an ein geschichtliches Krcignis der Vergangenheit. Niemals könnten wir mit innerer Anteilnahme ein Fest feiern, wenn sein Inhalt nicht unmittelbare persönliche Beziehung auf uns selbst hat. Diese Frage legten jene Männer sich vor und beantworteten sie dahin, daß, so lange es eine Menschheitsgeschichte gibt, auch dann, wenn die Menschheit das geschichtliche Ziel ihrer Ktilturcntwickclung erreicht haben wird, der Auszug aus Aegypten als der Ausgangspunkt aller sittlichen Kultur festgehalten und gewertet werden muß. Hier ist zum ersten Male die Freiheit als das gottgewollte und gottgegebene Gut hingestellt, hier zum ersten Male die, Frei- 6