Die Gemeinschaft
- Journal
- Die Gemeinschaft
- Volume
- 1928
- Issue
- 11 (1.4.1928)
- Date
- 1928-04-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4889559-5436037-5436063--201-4889720- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Lehrer. Daher führt die Hagada diese alle vor, in Wort und Bild, ihre Schicksale und ihre Taten, ihre Ideen uikI ihre Brauche. Jn der Wundernacht der Wachefeier steigen sie auf aus der Gruft tausendjähriger Vergangenheit und werden wieder lebendig: Mose, der Knecht Gottes, wie er in zarter Jugend aus den Fluten des Nils gerettet wird, wie er hernach Israels Weg bahnt von der Knechtschaft zur Erlösung. Elia, der Prophet, Mahner und Gewissen Israels in der Zeit sittlicher Entartung, der gute Geist und der geheimnisumwobene Helfer und Tröster aller Bedrängten. — Hille! und Gamaliel, die den Grundstein des Sederabends legen, — Akiba und sein Kreis, die am Sedertisch in B'ne b'rak die ganze Nacht hindurch zusammensitzen und sinnen über Gottes Befreiertat von einstmals. In dieser Nacht wird in uns immer wieder aufs neue die Selmsucht nach der Freiheit lebendig, der Glaube an das Wunder der Menschheitserlösung in der Zukunft. Aus solchem Sehnen hat sich der Sinn, den das Ei, das sonderbarste Sedersymbol, trägt, völlig gewandelt. Am Sedertisch ursprünglich nur Erinnerung an das Festopfer und zugleich Zeichen der Trauer über die Zerstörung des Tempels, ward es allmählich zum Symbol der Auferstehung, der Zukunftshoffnung. Schlummert doch in seinem Innern ein geheimnisvoller Kern, der nur der Wärme bedarf, um zu neuem Leben zu erwachen. In der Sedemacht, wenn die Frühlingssonne die Natur zu neuem Leben erweckt, wenn wir das Gedächtnis der' wunderbaren Erlösung der Väter feiern, harren wir de* großen Tages der Zunkunft, da der Vorbote und Künder der messianischen Zeit, der Prophet Elia, über die Erde schreitet, um das Herz der Väter zu den Kindern zurückzuführen und das Herz der Kinder zu den Vätern. Deshalb bereitet ihm die fromme Sitte einen besonderen Platz am Sedertisch und spart ihm einen weingefüllten Kelch auf, daß er ihn genieße und uns Heil und Trost künde. Und Jahr um Jahr harren wir am Sederabend des ersehnten Gastes. Heute dürfen, können wir ihn erwarten, heut, am Sederabend, wenn Eltern und Kinder gemeinsam das Brot der Erinnerung brechen und den Becher der Erlösung trinken, wenn alle Glieder der Familie sich zusammenfinden, um sich in Vergangenheit und Zukunft zu vertiefen. Heut, am Sederabend kann es sein, daß aus den Trümmern des alten irdischen Tempels ein neues, unvergängliches Heiligtum für die Menschheit entsteht und unser Jubellied fortan hinausklingt in eine neu erstehende, sich befreiende Welt. B'ne B'rak. Von Dr. Hermann Vogelttein, BreiUu. \ on den Ortschaften des alten Palastina weifi da« heutig«' Ci"schlc< lit im allgemeinen nicht gar viel. Aber der Name des U« neu Städtchen* B'ne B rak ist bekannt geblieben. Dir PessacJi hagarfa hat ihn für die breiten Schichten festgehalten, Sie erzähli