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Die Gemeinschaft · 1927-09-25 · 9 (25.9.1927) · p. Seite 4

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Journal
Die Gemeinschaft
Volume
1927
Issue
9 (25.9.1927)
Date
1927-09-25
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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lioneti einen geformten Kosmos werden und immer wieder vergehen lassen, so die „ewige Wiederkehr" aller Dinge lehrend. Aber wir stehen hier auf einem Felde, in dem kühlste Nüchtern;- heit und ausschweifende Einbildung in gleicher Weise der Wahrheit fernbleiben. Am unendlich Großen, am unendlich Fernen gemessen, verliert da* Endliche jedes Mali und jeden Sinn. Was uns die Menschen erzählten von dem, wie die Welt geworden, oder wie sie nicht geworden, das sagt uns nichts von der Welt, wohl aber von den Menschen." Und wenn der jüdische Mensch Bich die Welt nur denken kann mit einer Geschichte, mit einem Anfange und einem Ziel, dem sie zustreben soll, so offenbart er nur seine eigene Seele, die, willenskräftig und energisch von Aufgaben und Zwecken erfüllt, auf das Leben hinschaut. Der Geburtstag der Welt wird so zu dem Tage, an dem der Mensch sich Rechenschaft gibt, ob dieses Jahr der Welt ein Gewinn war oder ein Verlust, ob in ihm etwas geschah, um dessentwillen es sich verlohnte, daß das vorige Jahr nicht das letzte war. Die Besinnung auf das Jubiläum der Welt wird so eine Pause der Besinnung auf die Bedeutung der Menschengeschichte, deren Sinn allein die „Weltschöpfung" rechtfertigt. Zu Psalm 130. Von Rabbiner Dr. Gottschalk. Aus tiefster Tiefe klingt dieser Psalm, auf, aus der Tiefe der Inenden und der der Verirrten, aus der Tiefe der Zerquälten und der Reuigen. Und keine bessere Melodie kann man sich zu dem Teil wünschen als die Melodie unseres Kolnidre. Denn aus tiefster Tiefe quillt auch sie, das uralte Judenlied schluchzt hier mit und doch, allmählich weicht dieses Düster, und befreiend und jubelnd klingt das Lied aus. Und also verklingt auch unser Psalm. Im Jubel der Hoffnung tont er aus: Du mußt verzeihen, du mußt ja vergeben, damit du, 0 (Jott, geehrfurchtet werdest! Was aber so von Gott gesagt wird, ist ja nur Sinnbild für uns, die Menschen. Denn was heißt es im Grunde heute für uns: Sünden bereuen und Sünden verzeihen, Sünden büßen und Gnade erbitten? Nichts anderes kann uns das heute besagen, als schwerste innre Arbeit leisten. Ja aus der Tiefe rufen auch wir, ja in der Tiefe spieleta sich Kampfe zwischen misten /«ei Seelen ab, ja in der Tiefe da beichten wir vor unsrem Gewissen, d. h. unsrem Gott, la aus der Tiefe steigen sie auf, die SelbstvorwUrfe, die Selbständigen, ja aus der Tiefe steigt sie herauf, die furchtbare Frage: darfst du noch leben? Und nun ertönt die Antwort des Psalms: „Wenn die Schuld du aufbewahrst— wer konnte dann bestehh?" Gewiß, o Mensch. Rojlsl du beceun, aber gewiß sdllsl du dich auch wieder begnadigen, sollst ihn vernehmen, den Ruf deiner Seele: zu mir, zu dir keine zurück, und dann, i> Mensch, erlöse Ich dich, erlöst du dich selber durch Gottettkraft, sprichst du dich los von d«n ■1

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