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Die Gemeinschaft · 1927-06-01 · 8 (1.6.1927) · p. Seite 8

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Journal
Die Gemeinschaft
Volume
1927
Issue
8 (1.6.1927)
Date
1927-06-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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So war c> einst, 80 muß es auch heute sein! Nicht weil Gott im* ein Gesetz gibt, gehorchen wir blindlings; der Cieist, der den Menschen erfüllt hat mit ..Krkenntnis, Einsieht und Vernunft'*, er "kann sich nur befriedigt fühlen, wenn freier Wille, eigenes Verständnis und volle Geberzeugung dem gottlichen Plan und .der heiligen Idee huldigend zustimmen und Treue geloben. Wer also in dieser Gesinnung ein aufrechter Jude sein will, <ler hält das (iesetz. weil er in ihm seine eigene Forderung verwirklich) findet. Kr lehnt den Begriff des oft mittverstandenen Torajoches ab. Die jüdische Lehre macht das Leben nicht schwer; es ist ein grundlegender Irrtum, dergleichen zu glauben und zu verbreiten. Line Gesetzestreue, die nicht nach dem Warum fragt und vorbehaltlos dem starren System unbedingte! .Erfüllung sich verschreibt, endet nicht selten in der Gedankenlosigkeit, verliert sich in maschineller Betätigung. In unserem heiligen Schrifttum, wird ein leitler verloren gegangene--, uraltes Buch erwähnt, das den Titel: ,,Sefer milchamo! adonaj*' trägt. — Das heißt in unserer Muttersprache: „Das Buch der Kriege Gottes". Schon möglich, daß es nur Kämpfe und Schlachten enthalten hat, in denen nach alter Auffassung Gott seinem Volke voranschritt, aber die uns allein erhaltene l ebcrschrift muß für uns. ohne daß wir der heiligen Sprache Gewalt antun. ..Kämpfe mit Gott" lauten. Ringen mit ('■Ott. wie der Stammvater Jakob, der seinen Nachkommen den Namen Israel verliehen hat, das ist unsere Aufgabe und unser Standpunkt gegenüber dem Gesetze. Nur der Freie kann treu sein, der Knecht ist ein Geschöpf der Furcht. Wer wahllos sich bindet, dem kommt sehr bald verspätete Krkenntnis. wer prüft und wählt, der findet Glück und Beseligung. Lud wenn einst unsere weisen Lehrer das Hohe Lied als einen Liebesbund von Gott und Israel gedeutet haben, dann wollen wir bei diesen Schowuausgedanken auch in unserem Festbüchlein Ruth ein Aehnliches sehen: Das .moabitische Weib hangt dem Manne Boas an und wählt ihn frei. Das ist ein vielleicht noch nicht registrierter, aber auch beachtlicher Beleg dal' die Entscheidung de* Gemütes, daß die Stimme des Herzen* für uns M*'ns'hen das Allerheiligste ist. So macht auch der Aufl>li< k zu Gott und seine Bildung nach unserem Gemütc allein empfänglich für den Geist der Religion, und nur durch unseren freien, liebenden W illen wird unser Gebot sein Gebot, Judentum. Von Prediger Dr. K. Roienthai Der verwüstende Indifferentismus gegenüber dem jüdisch'- religiösen Leben unserer Gemeinschaft, der lange Jahrzehnte hindurch das traurige Merkmal des deutschen Judentums war, ist bei einem großen Teile unserer Glaubensbrüder allmählich gewichen In weiten Kreisen regt sich heute das Interesse für 8

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