Die Gemeinschaft
- Journal
- Die Gemeinschaft
- Volume
- 1927
- Issue
- 8 (1.6.1927)
- Date
- 1927-06-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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neuerer Zeit sorgfähig wieder aufgerichtet, geordnet und für die Nachwelt aufbewahrt. Baum und Strauchgruppen, grüne Rasenflächen mildern die Eintönigkeit der grauen Steine; während der südliche und westliche Teil durch die größere Zahl der in Reihen geordneten (irabmale noch ganz den Kindruck des Friedhofs macht, verleihen die gärtnerischen Anlagen dem übrigen Teil, auf dem die Grabsteine nur sporadisch zu finden sind, fast ganz den Charakter des Parks. Und dieser Park ist schön, wenn die Frühlingssonne ihn durchflutet, und das erste Grün der Birken flimmert, oder wenn an heißen Sommertagen im Schatten der Strauch-, und Baum- Gruppen lebensmüde Greisengestalten des benachbarten Alten- , heims sich ausruhen und am Flöten der zahlreichen Amselhund schmetternden Finken oder an den jugendfrischen Kehlen vom nahen Sc hulhofe her sich erquicken. lrnd von nicht geringerem ästhetischen Reize ist es, wenn auf den düstergrauen Steinen, die sonst eintönig aus der Schneefläche emporwachsen, oben sich die weißen, in ihrer Mannigfaltigkeit erst jetzt deutlich werdenden Schneeränder abheben, wenn das Weiß der schneebedeckten, hie und da durch einen Grabstein oder eine Strauchgruppe unterbrochenen Rasenflächen in der Wintersonne glänzt oder das Mondenlicht die Steine mit einem magischen Schimmer umfließt. Aber nicht das Acsthetischc bildet den wesentlichen Reil des l'riedhofs. Es weht der Odem großen Geschehens und gewaltigen Menschengeistes über das Grau seiner vielfach verwitterten Grabsteine. Sie sind die Zeugen und die Verkörperung der Geschichte der Berliner Jüdischen Gemeinde durch mehr als ein und ein halb Jahrhunderte. Alle Kraft und Sc haffensfreude, aus der die Gemeinde geboren, aller Krfolg und alles Leiden, das die Seelen erhob und bedrückte, sie haben hier ihren Abschluß gefunden. Die Denksteine über den Ruhestätten der Toten reden zu uns Lebendigen, wenn wir nur hören wollen. Sie halten uiw Nachfahren die große Predigt der Vergangenheit. Sie fragen immer wieder: Was ist Dir Deine Vergangenheit? Wie viel von dem Gewesenen lebt noch in Dir an bewegender Kraft? An der Südwand des Friedhofs kündet dankbare Erinnerung von der Opferwilligkeit eines der ersten unter dem Großen KurfürsteiKEingewanderten, dem es als heilige Pflicht gegolten luitte. für die neue Gemeinde diese Stätte zu schaffen, das Hees aulom, das Haus der Ewigkeit. Hier hat auch der. Urenkel dem auf dem Friedhof Erstbestatteten eine Erinnc rungstafe! gestiftet: „Dem Andenken des auf diesem Friedhof 1072 Erstbestatteten G um p recht Jechiel As« hkenasi und seinem 1689 verstorbenen Schwiegersohn Haruch Rausnitz, genannt Benedict Veit." Hier am Rande liegen sie alle, die damals, als sie aus ihrer alten Heimat Wien vertrieben %v;iren. in ihrer neuen unter erdrückenden und erschwerenden