Die Gemeinschaft
- Journal
- Die Gemeinschaft
- Volume
- 1927
- Issue
- 8 (1.6.1927)
- Date
- 1927-06-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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r vor Beginn di r Offenbarung unseren von Druck und Zwang erlösten Ahnen aus Gottesmundc entgegenscholl: „Ich habe euch auf Adlersflügeln getragen und euch zu mir gebracht!"'- Wohl uns, ds»ß auch die heutigen Kinder Israels, die Schuttlosen und die Verwaisten den liebenden Vater finden, der sie rettet und ihnen < tatet tut! l)r. Martin Salomohski. Der älteste Friedhof Berlins. Von Hermann Falkenberg. Welcher Berliner Jude, der durch Prag kommt, würde es unterlassen, den alten Prager Jüdenfriedhöf aufm mic hen? Aber wie viele Berliner Juden — Hand aufs Herz finden «Uii Weg nach unserem Norden, zur Großen Hamburger-Straße, um den ältesten jüdischen Friedhof in Merlin zu besuchen? Wie viele kennen ihn. ja wissen auch nur von seiner Existenz? Kr ist ja längst geschlossen, schon zur Vr- Uroßv'äterzeit. Hundert Jahre sind es gerade her. und die (legen wart hat diese geweihte Stätte, die nicht an der Heeresstraße liegt, vergessen. Gibt es nichts dort, was die heutige Generation ZU ihm ziehen könnte? Findet sie nichts mehr dort, was auc h sie angeht? Was die Seele bewegen könnte? Aehnlich wie der Prager Friedhof die Seele jedes Besuchenden? Nichts? 1 reih« Ii an Alter und Nimbus, an ästhetischem Reiz, an malerisi her Eigenart kann er mit dem alten Präger Juden - friedhol nicht wetteifern. I nd was diesen besonders auszeic hnet, das Sagengetränkte, das Geheimnisumwitterte, das sucht man hier vergtfuens, Kein kabbalistischer Hoher Rabbi Loe-w geistert hier umher, und in dem nüchternen (Iran gradliniger Mauert ist ein spukhaftes L'mhcrwanken eines Golem nicht möglich. Die Entstehung unseres Friedhofs führt nicht in das Düster und Grauen'des Mittelalters hinein, und von Märtyrern, die für ihren (ilauben den Scheiterhaufen bestiegen oder von fanatischen Pöbelhaufen im Gotteshause niedermnictzeli wurden, kündet hier kein Stein. Alles vollzieht sich 1111 Lichte der (ie^enwart und jüngsten Vergangenheit, und wenn auch fast während der ganzen Zeit, da auf ihm die loten der Berliner Omeinde zur Ruhe gebettet wurden, für das Judentum die eiserne Zeit des Mittelalters noch nicht bei ndet war, so ist doch seine Geschichte Neuzeitgeschic hte. Ist er doch erst mit der neuen, der gegenwärtigen Gemeinde, entstanden, und das ist das Jahr 1672. Die Zeugen dieser ältesten Zeit, die ersten primitiven < iral>- su-int sind zum großen Teil verschwunden: verwittert, zerfallen, versunken. Was geblieben ist. — und das ist noch zahlreich genug, das hat liebevolle, wenn auch nüchterne Pflegerhantt 1