Die Gemeinschaft
- Journal
- Die Gemeinschaft
- Volume
- 1927
- Issue
- 7 (15.4.1927)
- Date
- 1927-04-15
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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in Ausnutzung des günstigen Umstandes, .daß der erste Selictiaustag immer am Sonntag ist, wurde dieser Gottesdienst auf den Vormittag gelegt und wie ein Festgottesdienst mit Predigt und ürgelspiel und Chorgesang ausgestaltet. In ähnlicher Weise wurde eine Chanuka-Morgenfeier veranstaltet, und der Umstand, daß der Rausch hachaudesch Nissan auf einen Sonntag fiel, gab den erwünschten Anlaß, an diesem Tage einen Pessach-Gottesdienst in ähnlicher Form einzurichten. Bs sind Versuche; aber eines ist dabei in die Erscheinung getreten: die Weihewirkung auf Groß und Klein war ungewöhnlich. Und diese Enahrung wird uns den Antrieb geben, den Gedanken des Erew, der Vorbereitung, weiter auszugestalten. Wer nur einmal oder selten ins Gotteshaus kommt, wird bald empfinden, wie schwer es ist, dieses eine Mal seine Seele im Gebet zu sammeln und sich der Weihestimmung zu erschließen. Religiöse Weihe fordert nicht nur den ganzen Menschen, sondern bedarf auch der Zeit, um sich hineinzuleben in die Weihe des Festes, um sich hineinzufinden in den Ton, der aus dem Festtag klingt. Der Aufgabe solcher Einstimmung dient der Erew, die Vorbereitung. Und er kann diese seine Aufgabe-erfüllen, wenn er so gut ausgestaltet wird, daß er das Herz eines Gegenwartsmenschen zu ergreifen imstande ist. Die Hagada. Eine Einführung von Profutor J. priedländer. Die Hagada ist ein Leitfaden für unsere Unterhaltung am Seder-Abend, brauchbar für Kinder und Erwachsene. Und weil er beiden dienen kann, ist er ein Büchlein fürs Leben geworden, das alle Jahre wieder aufgeschlagen, von neuem segenspendende Erinnerungen und zukunftsfrohe Hoffnungen weckt? Denn wie wir es in einer alten Dichtung lesen: lel schimmurimssimon hu leossid lowau „Dieser Wachtabend ist ein Wahrzeichen für die Zukunft," so können wir es als Motto setzen über die ganze Erzähl unt/ vom Auszüge aus der ägyptischen Knechtschaft. Das liegt schon in der Deutung der Weisen „auf daß Du gedenkest des Tages des Auszuges aus dem Lande Aegypten alle Tage Deines Lebens," alle Tage, d. h. auch bis in messianische Zeiten hinein. Immer wird es Dein Menschenlos sein, durch Leid, Mühsal und Not Dich zur Freiheit durchzuringen. Wenn der Erzähler der Hagada von der Urzeit anhebend die Wanderungen der Erzväter in raschem Tempo nach Josua 27,2 uns vorgeführt hat, konstatiert er mit besonderer Freude .Jakob und seine Söhne zogen nach Aegypten hinab," während Esau bereits festen Besitz in Seir erhalten hat. Dieser Freude über den Beginn der Geschichte Jsraels mit der Leidenszeit Aegypten wird Ausdruck verliehen durch den Dankspruch „ge- 8