Die Gemeinschaft
- Journal
- Die Gemeinschaft
- Volume
- 1927
- Issue
- 7 (15.4.1927)
- Date
- 1927-04-15
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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hier spricht noch etwas die Dissonanz zwischen Festsaal und Synagoge mit: der eine erfordert starke zusammengeballte, aufschwingende Lichtberge, die andere eine ruhig verteilte, konzentrierende, weit ausgebreitete Lichtdecke. Wer einmal zur Dunkelheit z. B. auf dem „Käppelein Würzburg gewesen ist, weiß, wie wunderbar und weihevoll das Licht wirken kann, wenn es richtig angewandt wird. Wir sind in unserer Synagoge von diesem Ideal noch weit entfernt, wir sind es noch in manchen anderen Dingen, in Forderungen der Technik, die damals zur Bauzeit noch nicht brauchbar gelöst wurden. Erinnert sei an den Kampf um das Oeffnen der Fenster, der so leicht entbrennt, weil guter und zugfreier Luftwechsel nur schwer erzielbar ist, oder an die schlechte Verständigungsmöglichkeit zwischen Vorbeter und Chor. Man soll die Fehler ruhig aussprechen, wenn man sie ganz begründen und verstehen kann. All diese kleinen Schwachen machen einem erst recht auch die Vorzüge klar und das Gesamtbild erst recht liebenswert. Seht einmal unsere Synagoge mit Kritik und Freundschaft anl Sie ist die schlechteste nicht. Und wenn man auch weiterhin die drei Treppen wird hinaufsteigen müssen, so mag man das nur gern in dem Bewußtsein tun, nach der körperlichen auch die seelische Erhebung zu finden. „E r e w." ,\ „Festvorbereitunfl." Von Hermann Falkenberg. In jener Zeit, da das Religiöse in der judischen Gemeinde zentrale Bedeutung hatte und das jüdische Haus in unbeschränkter Herrschaft erfüllte, umwehte ein eigenartiger Hauch die Tage vor dem Feste. Nichts gleichartiges gab es und gibt es für das häusliche und gottesdienstliche Leben in der Zeit vor den hohen Feiertagen. Den ganzen Monat Flui klang nicht blos Schofarton durch die Gasse und erfüllte die Menschen mit der Rausch haschonoh-Stimmung, nicht blob wurde in Synagoge und Haus eifriger und inbrünstiger gebetet, es zog auch schon etwas von dem Rausch haschonoh-Hangen, von der Jaum kippur-Zerknirschung in die Herzen ein. All diese Stimmung verstärkte sich in den Selichaustagcn, wenn schon im frühsten Morgengrauen die Beter ins Gotteshaus eilten und die Bußgebete in jenen eigenartigen Weisen, die denen der hohen Feiertage ähnlich sind, zum Herrn emporriefen. Und wenn dann Rausch haschor.oh und Jaum kippur kamen, dann traf der Gottesdienst keine unvorbereiteten Menschen. Die Tage der Vorbereitung hatten ihre Wirkung nicht verfehlt, äußerlich und innerlich waren sie auf den Ton der erhabenen Tage eingestimmt, und so ist die tiefe Empfänglichkeit zu begreifen, die unsere Väter einst der Weihe dieser Stunden entgegenbrachten. _