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Die Gemeinschaft · 1927-04-15 · 7 (15.4.1927) · p. Seite 4

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Journal
Die Gemeinschaft
Volume
1927
Issue
7 (15.4.1927)
Date
1927-04-15
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Treppensteigen und so weiter. Aber man darf nicht vergessen: unsere Synagoge war nicht auf einmal fertig da. Sie ist nach und nach erst so geworden, wie sie heute ist. Wie ein heranwachsendes Menschenkind muß man sie einmal anschauen, muß die Fehler so ganz und gar bis ins letzte begreifen wollen, um das ganze Wesen verstehen zu künnen und lieb zu gewinnen. Denn gerade die i chler verraten am meisten, und um so mehr, je heimlicher sie sind. Wie solch ein junger Mensch ist sie das Produkt von Charakter und Erziehung, oder wörllicher: von Anlage (das ist wirklich ganz wörtlich gemeint!) und von den späteren Änderungen. Als das Auerbachsche Waisenhaus im Jahre 1896 seinen Neubau in der Schönhauser Allee errichten ließ, da sollte eigentlich ein besonders schöner Festsaal mit dabei sein. Bin Festsaal oder eine Au'a, wie sie in Schulen und Heimen nun einmal üblich ist. Solch ein Festsaal muß vor allem festlich sein, also hell, leicht und anregend, nicht schwer, zunickhaltend und niederziehend. Die Architekten wählten sich den allerschönstcn Platz des ganzen Hauses dafür aus. Hoch oben, um freie, leichte, unbelaj-ttte üewölbebogen mit freiem Schwung ziehen zu können. So sollte der Raum W"hl werden: Festlich, hell und leicht, groß genug, um Gäste dort zu empfangen und Feste zu feiern. Klein genug, um die Zusammengehörigkeit in ihm nicht zu zerreißen. Nach außen repräsentativ als Abschluß und Krönung der Straßenansicht des Hauses. Lichtdurchflutet an dem einzigen Funkte des Hauses, der es zuließ, einen Raum zu schaffen, der von zwei gcgenübetliegend n Seiten Licht und Sonne empfängt. Nach Osten und nach Westen liegen die Fensterreihen, und so bleibt Sonnenhelligkeit von Morgen zum Abend andauernd im Raum. Ein Festsaal sollte es werden, eine Aula. So steht es noch in dem alten Hauplan als Projekt eingezeichnet. Fine schöne Festhalle mit einer Zuschauergallerie und einem Vorraum, bestimmt, wohl an .WO Personen aufzunehmen oder noch ein paar mehr, auf der Bodenfläche von ca. 160 qm. Aus dem Festsaal wurde dann eine Synagoge, und so wurde dann der eigentliche Sinn und Zweck der Halle nicht erreicht und Fehler wurden hineingebracht, die gar nicht dazugehören sollten. So kam die unbequeme Lage im 3. Stock zustande und so erklärt sich auch, daß die Langsachse des Raumes von Süd nach Nord geht und nicht, wie es eigentlich für eine Synagoge richtig wäre, von West nach. Ost. Und so ging, was nebenbei erwähnt sei, dem Haus der einzige richtige Raum verloren, um Feste auch festlich und bequem begehen zu können. Wer Haus Auerbachs Chanukkafeiern miterlebt hat, kennt diese Schwierigkeiten. Ein Zwiespalt wurde in den Raum dadurch hineingetragen, ein Kampf und Widerspruch zwischen Helligkeit und Leichtigkeit, wie MC der Festsaal fordert, und der Konzentration und Sammlung, die eine Synagoge bieten soll. In be>ter Absicht tat man dem Raum noch einmal ein Unrecht an: damals, als 4

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