Die Gemeinschaft
- Journal
- Die Gemeinschaft
- Volume
- 1927
- Issue
- 7 (15.4.1927)
- Date
- 1927-04-15
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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licferter und versländlicher Begriff vorlag, der nicht als Fremdwort angesprochen werden konnte. So ähnlich mQßten wir es machen! Was wir nicht verstehen: Deutschi Was wir noch verstehen oder wirklich wieder erwerben: Hebräisch! So und nicht anders kann die Andacht zu Herzen gehen. Vorläufig aber ist sie 1 a c h m o anjo, ein Brot der Armut. Ihr Gewinn, ihre Ausbeute sind ärmlich und wahrhaftig erbärmlich, und wer darum dafür ergiaht, daß unsere Gottesdienste und Gtbetsveranstaltungen wirken, der mache sich frei von einem Vorurteil, das in der Judenheit schon vor Jahrtausenden Uberwunden war. Mit dem Brot der Armut ist wörtlich zunächst die Mazzo gemeint. So lange sie den Reiz der Abwechslung bei uns auslöst, ist sie ein willkommener Genuß. Ein Nahrungsmittel ist sie nicht; man kann also nicht von ihr leben. Aber natürlich haben sich die Gestalter unserer heiligen Bräuche recht viel dabei gedacht, als sie dieses Gebäck zum Festsymbol darboten. Vielen, die im Genuß schwelgen, tut es gut zu erfahren, mit welch geringen Mitteln der Mensch doch auszukommen, zu existieren vermag. Wer gar nichts hat, der streckt noch die Hand aus nach elendem Brot, und nun verstehen wir den Kreis der Eingeladenen bei unserer Feier: Jeder Hungrige komme und esse! Jeder Bedürftige komme und feiere Pessachl Wer kann Pessach feiern, echt und richtig, und wer sehnt sich nach solchen Einschränkungen? Nur ein Mensch, der noch hohe Hoffnung in sich fühlt und vertraut, auf dem Umweg des Lebens oder der Entsagung zur Lebenshöhe, zu seinen Idealen aufzusteigen. Schlechtes Essen schmeckt nur dann, wenn man darauf vertraut, es werde uns in erreichbarer Zeit auch gute Kost geboten werden. Der Kranke zwängt sich in seine Diät, wenn er glauben darf, wieder uneingeschränkt genießen zu können. Wer aber weiß, daß es ihm weder leiblich hoch seelisch gelingen und glücken werde, der gehört zu den Verzagten, der muß sich selbst aufgeben. - Daher der ermunternde Zuruf: „leschonoh haboo" — „im nächsten Jahre!" Im Lande Israel sollen wir heut über's Jahr sein. Wäre das wörtlich zu nehmen, dann müßte es mit Wunderdingen zugehen. Wir glauben das nicht und wir wollen es nicht. Mit dem Lande Israel war schon damals nicht mehr an Palästina als Mittelpunkt eines erneuten jüdischen, nationalen Lebens gedacht, und heute ist das Land Israels erst recht größer geworden! Wo Juden leben und als Juden leben, da ist ein Land Israel. Das können wir glauben, daraus kann noch etwas werden, das kann möglich sein! Und ganz zum Schluß wird uns gesagt, wie wir es anzufangen haben. Wir müssen nämlich aufhören, Knechte zu sein, wir müssen freie Menschen werden. Als Juden müssen wir freie Menschen sein. Wir müssen eine Art des jüdischen Lebens beginnen und zur Begeisterung entfachen, die uns Freiheit und jüdische Treue zugleich verbürgt. Dem großen Provisorium, dem