Die Gemeinschaft
- Journal
- Die Gemeinschaft
- Volume
- 1926
- Issue
- 6 (28.11.1926)
- Date
- 1926-11-28
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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großen Teil selbst erst verfaßte, bzw. ergänzte »der umformte. Nur. was aus der Bibel rezitiert wurde, blieb unabänderlich und nur das war niedergeschrieben. Das übrige wurde mündlich zunächst tradieri, blieb als« dauerndem Wandel unterworfen, bi> die zunehmende Unkenntnis des Hebräischen auch die < < \>ijf zu festen Formen werden ließ, die aber die mannigfachsten Lesarten, je nach ihrer Herkunft, aufzeigten. Wo man das Bedürfnis hatte, sich verständlicher zu machen, bediente man M' Ii schon in alter Zeit der Volkssprache, des Aramäischen (vergl. Kaddisch, Uwä l'zijon goel). So wurde auch die Tora- Vorlesung von dem Uebersetzer begleitet, dem Meturgeman, der aber nicht etwa den Auftrag hatte. Wort für Wort zu übersetzen, vielmehr eine dem Zuhörer Verständliche Inhaltsangabe frei gebell sollte, ja er stillte dabei nicht in den Text hinein-, sehen, damit niemand auf den Gedanken käme, es stünde sö in der Tora. Doch das.weiß jeder, der fremdes Sprachgut in seine Muttersprache übertragen soll, daß eine wortwörtliche Uebersetzung keine brauchbare Wiedergabe ist, und daß eine freie Inhaltsangabe oft nicht den richtigen Ton trifft. Ks kommt vielmehr vor allem (Lirauf an. den wertvollen Gedanken des Textes, in das richtige Licht zu rücken, daß er sich dem Zuhörer einprägt, daß er — lernt. Und um so fruchtbarer will es uns heute scheinen, diesen Gedanken wieder in den Vordergrund zu rücken, Weil das Studium des "Hebräischen glücklicherweise wieder breiteren Moden gewinnt.. Wer aber soll diese Aufgabe erfüllen - Nur sehen wird der nur auf das Musikalische eingestellte Kantor sich dieser schwierigen Aufgabe unterziehen. Wir wollen es ihm aber als.erstrebenswertes Ziel vor die Augen fuhren, wie wir überhaupt — und gute Vorbildet zeigen bereits die Möglichkeit — eine gute Kenntnis des Hebräischen neben der musikalischen Ausbildung für die Kantoren fordern. Audem allen geht schon hervor, daß wir insofern uns .111 die I radition anlehnen, als wir den Kantor nicht ausschalten wollen. Wir möchten aber seine Funktionen erweitern, indem wir von ihn. auch eine gute Rezitation deutscher (lebete verlangen, wobei nebenbei gleich gesagt sein mag:, daß zum min-, Ocsteii. der aus der Tora vorliest, wie der Rabbiner, wenn er etwas vorträgt, sein Gesicht der Gemeinde zuwende (Frank* 1 tut .i. M.. Posen), Dadurch, daß. di<" ToravorJ[esung und die Rezitation der Haftara kein verständnisvolles < >hr bei der Gciiu ind : fand, hat man sich im Laufe der Zeit daran gewöhnt, die Aufmerksamkeit nur dein Prediger während der Predigt zuzuwenden, allenfalls noch dem Vortrag eines Kunstgesanges, in übrigen aber unaufmerksam zu sein, eignen Gedanken «nachzuhängen, uii. derentwillen man nicht das Gotteshaus aufzusuchen braucht, l'm diesem Uebelstande abzuhelfen, haben wir dci Muttersprache einen breiteren Kaum gewährt, ohne jedoi Ii da- Hebräisi he .^.111/ zu verdrängen oder auch nur erheblich zurückzudrängen, wie es in England und Amerika ,e « hiebt. wi> hit>t die Gebete in der Lmdesspracae vorgetragen «.idn. •»