Die Gemeinschaft
- Journal
- Die Gemeinschaft
- Volume
- 1926
- Issue
- 5 (5.9.1926)
- Date
- 1926-09-05
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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I zu führen, daß sie im Kern nichts von ihrer Gültigkeit eingebüßt hat? Religiöse Wahrheit vererbt sich nicht wie ein totes Gut, sondern jedes Geschlecht muß sie sich neu erwerben. Unsere Glaubensbrüder erfahren in ihrer beruflichen Arbeit die Tatsache, daß die Gesetze des Judentums unter den veränderten geistigen und wirtschaftlichen Bedingungen unseres Lebens vielfach nicht mehr erfüllbar sind. Das gibt ihnen nach ihrer Ansicht das Recht, dem jüdischen Gesetz in weitem Umfange seine Geltung abzusprechen. Kann das Judentum nicht ein tieferes geschichtliches Verbundensein mit der Vergangenheit fordern? Sind wir nicht verpflichtet, die Frage zu stellen: Welche Form muß unseren religiösen Gesetzen gegeben werden, damit sie in unserem Leben wieder erfüllbar werden? Die Gegenwart hat eine erdrückende Fülle nicht nur politischer und wirtschaftlicher Fragen aufgeworfen, sondern auch die Grundlagen des Kulturlebens sind erschüttert, die sittlichen Begriffe der Menschen im Wandel begriffen. Kann das Judentum die Gefahr, die ihm daraus entsteht, anders abwehren, als indem es sich mit den sittlichen Lehren der Gegenwart in ernstem geistigen Kampf auseinandersetzt? Gewiß sind zur Lösung solcher^ufgabcn Fachwissen und spezielle Begabung notwendig, die nicht jedem verliehen sind. Unerträglich aber ist es, daß die große Masse unserer Glaubensbrüder an den mannigfachen Fragen unseres religiösen Lebens achtlos vorübergeht. Wir erwarten von ihnen nicht eine Neugestaltung des Judentums, das ist die Aufgabe derer, die zur Führung berufen sind. Soll aber die Arbeit der Führer für das Leben fruchtbar sein, dann muß sie von dem liebevollen Interesse der Gesamtheit getragen, muß die Bereitwilligkeit zu geistiger Mitarbeit vorhanden sein. Mehr Wille zum Judentum, mehr Denken, eine reichere geistige Arbeit sind notwendig, wenn die Lehren und Normen des Judentums wieder Glanz und Wert, wieder Wahrheit und Autorität gewinnen sollen. Gedanken eines Laien über den Religionsunterricht. Von Rechtsanwalt Dr. 1. Abraham. Der Schreiber dieser Zeilen ist Laie in doppeltem Sinne: er ist weder Religionslehrer, noch hat er selbst Kinder. Er kann nur aus den Erfahrungen sprechen, die er selbst bei sich und anderen, besonders bei Altersgenossen gemacht hat. Mit Reefit läßt sich bei dieser Beobachtung als schwerster Fehler die Tatsache feststellen, daß viele Kinder zu wenig oder gar keinen Religionsunterricht in älterer Zeit erhalten haben, und daß auch die häusliche Unterweisung bis auf den heutigen Tag sehr viel zu wünschen übrig läßt, sodaß die Jugend oft weder von den Formen noch vom Gehalt der Religion etwas rechtes erfährt. »