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Die Gemeinschaft · 1926-09-05 · 5 (5.9.1926) · p. Seite 4

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Journal
Die Gemeinschaft
Volume
1926
Issue
5 (5.9.1926)
Date
1926-09-05
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Ein solches Fest kann unserem religiösen Leben die Kräftigung und Erneuerung bringen, deren das Judentum so dringend bedarf. Eine Bedingung aber muß dann erlullt sein. Wenn wir unser Leben an den Normen des Glaubens messen und auf Grund solcher Selbstkritik in Zukunft mit größerem Ernst unsere Pflicht erfüllen sollen, muß vor allem die Gültigkeit dieser Normen über jeden Zweifel hinausgehoben, die Wahrheit des Judentums mit vollem Herzen anerkannt sein. Weil aber die Lehren und Gebole unserer Religion diese unbedingte Geltung und Autorität nicht mehr besitzen, darum ist auch die erzieherische Wirkung unserer hohen Feste so gering, hinterlassen sie im jüdischen Leben so schwache Spuren. Soll eine Erneuerung des Judentums möglich sein, dann muß die Wahrheit unserer Glaubenslehren, die verpflichtende Kraft unserer religiösen Gesetze jedem jüdischen Herzen wieder gewiß sein. Auf welchem Wege läßt dieses Ziel sich erreichen? Religiöse Wahrheit erschließt sich nur frommem Fühlen, Gottes Dasein kann nur erlebt, aber nicht mit den Mitteln des Denkens bewiesen werden. Gehorsam gegen ein Gebot desGlaubens setzt nicht nur eine tiefe Empfindung für seine Heiligkeit, sondern auch sittliche Kraft und Reinheit des Strebens voraus. So unerläßlich aber für eine lebendige Frömmigkeit religiöses Empfinden und ideale Gesinnung sind, sie allein geniigen nicht um die Schwierigkeiten zu überwinden, mit denen das Judentum der Gegenwart zu kämpfen hat. Die Lehren unseres Glaubens entsprechen in ihrer Uberlieferten Form nicht mehr der wissenschaftlichen Erkenntnis unserer Zeit, und die Bedingungen, unter denen die Geselle unserer Religion einst entstanden sind, gleichen nicht denen unseres heutigen Lebens. Hier liegt also eine intellektuelle Aufgabe vor, die nur mit Hilfe des Denkens zu lösen ist. An erfolgreichen Versuchen, den scheinbaren Widerspruch zwischen dem überlieferten Judentum und der Anschauung unserer Zeit zu beseitigen, fehlt es nicht. Dennoch genügt es nicht, auf diese Leistung jüdischer Denker hinzuweisen.. Eine religiöse Ueberzeugung läßt sich ja nicht aus der Lektüre eines Buches gewinnen, wenn nicht im Leser die tiefe Sehnsucht nach Erkenntnis und Wahrheit wach ist. Sic kann nur durch intensive gej^ti^e Arbeit, durch ein heiliges Ringen mit den Problemen de> Glaubens gewonnen weiden. An solcher lirkenntnissehnsucht, an geistigem Streben aber fehlt ts in verhängnisvollem Maße. Wie rasch sind unsere Glauhensbrüder mit den Schwierigkeiten fertig, die das geschichtliche Judentum uns bereitet! Sie entdecken, soweit sie sich Uberhaupt mit Fragen der Religion beschäftigen, die selbstverständliche Tatsache, daß das Weltbild der Bibel mit dem der modernen Naturwissenschaft nicht Ubereinstimmt, und damit hat die biblische Religion für sie ihre Bedeutung verloren. Doch ist es nicht zu allen Zeiten die Aufgabe jüdischen Denkens gewesen, die Wahrheit unseres Glaubens aus ihrer zeitgeschichtlichen Hülle zu lösen und den Nachweis 4

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