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Die Gemeinschaft · 1926-09-05 · 5 (5.9.1926) · p. Seite 2

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Journal
Die Gemeinschaft
Volume
1926
Issue
5 (5.9.1926)
Date
1926-09-05
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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der letzten Gruppe nicht gehört. Ihre Enttäuschung, wenn die wenigen Tage des Frommseins nicht alles gewähren, muß geradezu verhängnisvoll enden. Wir sollten diesen hoffnungsseligen Spekulanten zurufen, daß die Feiertage ihnen garnichts bringen, solange sie nichts dem Feste bringen. Denn das ist doch die Erfahrung bei allem Harren des Lebens: Legen wir in unsere Sehnsucht nicht einen edlen und guten Geist hinein, dann ist das Neue bald wie das Alte; ein Schatz, um dessen Fundstelle wir kreisen, ohne ihn zu finden und zu heben. So kommt alles darauf an, daß wir den kommenden Lebensabschnitt, wenn wir ihn feierlich grüßen, auch in uns wach bleiben lassen, und daß unser Dasein anders verläuft, damit es uns wohler ergehe. Die Ehrfurcht jener aber, die uns verwandt berührte, ihre Angst vor des Schöpfers Gericht, welches nach der Ikberlieferung beim Beginn des neuen Jahres sich vollzieht, ist auch noch nicht der Gipfel der Religiosität, auf den wir uns hinaufwunschen. Wie der Mensch durch seine Willenskraft aus der Niedtrung seine» Lebens, aus der Passivität und halben Verzweiflung zu M.it und Erfolg den Ausweg findet, so ähnlich muß es auch mit dem werden, der in Gott nur den König erblickt hatte, dem er sich willenlos ergeben muß. Wenn wir die fromme Scheu des Menschen ein Selbstgespräch nennen, dann soll er die Kraft finden, sein eigener Richter zu sein und sich ein Urteil fällen, welches lautet: Ich verzeihe mir! Wir müssen frei sein von allem, was wir in unserer Seele aufgehä'.-ft haben an Leid und Druck. Wir müssen die Kraft hahf:i — das hat nichts mit robuster Art zu tun — uns zu befreien von der täglich sich wiederholenden und steigernden Verdüsterung. Wie sich das Kind im beseligenden Getuhl der Unschuld an die Brust der Mutter wirft, so müssen wir ledig sein der Fesseln, die wir und böser Wille der Nebenmenschen uns angelegt haben. Erst dann kommen wir zum Neuen und betreten eine Bahn, auf der wir das Gute erobern können. Der Einzelne allein freilich besitzt nicht diese Kraft. Er kann sich nicht mit der Ueberzeugung krönen, daß er noch einmal und ungestraft von vorn beginnen darf. Wer gibt ihm diese Weihe? In alter Zeit, das ist wahr, vermoch'e unausgesetztes Beten unsere Vorfahren zweifellos in eine ähnliche Empfindung zu versetzen. Heute versagt diese Wiederholung der alten Form bei der überwiegenden Mehrzahl; ja, die mitgebrachte Hoffnung auf Erlöstwerden, man könnte auch sagen, der Vorrat an Weihe, verringert sich und Verschwindet wenn nicht von der Andacht ein allen gemeinsamer, fortreißender Wille ausgeht, der uns zueinander zwingt und unser Ideal erfüllt. Wer dies als Voraussetzung anerkennt, muß zugeben, daß der Schrei nach aktueller Prägung auch des Gottesdienstes etwas für sich hat; die Menschen wollen heute mehr als je gefesselt sein, sie verlangen die Kunst des Anfassens, die sie willig macht. Wenn sie wirklich verstehen, dann sind sie fügsam, fromm und gut. Wer also Rücksicht 2

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