Die Gemeinschaft
- Journal
- Die Gemeinschaft
- Volume
- 1926
- Issue
- 4 (14.5.1926)
- Date
- 1926-05-14
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/4889559-5436030-5436051--077-4889628- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Daß wir nicht niederreißen, sondern aufbauen wollen, hat gerade unsere Gemeinschalt im Norden Berlins deutlich bewiesen, indem sie sich aus eigener Kraft einen Gottesdienst geschaffen hat, der unserem Gewissen und unserem Empfinden entspricht. Für uns Liberale ist es von jeher Gesetz, unseren andersdenkenden Brüdern zu Uberlassen, sich ihr Leben zu gestalten, wie sie es wünschen. Aber die Gefahr droht, daß eine zionistischorthodoxe Herrschaft das liberale Judentum in seinen Wünschen ind Aimhaungen unterdrückt, in seiner Entwicklung hemmt und damit die religiöse Entwicklung unserer Gemeinde zum Stillstand verurteilt. Wer kein nationales oder orthodoxes Judentum in unserer Gemeinde herrschen lassen will, wer für den religiösen Fortschritt und damit für wahren Frieden und wahre Versöhnung in unserer Gemeinde eintritt, der ist verpflichtet, Mann und Frau, am lö. Mai zur Stelle zu sein und der liberalen Liste seine Stimme zu geben. Aktivität im Gottesdienst. von Leo Rotenblatt. Sehen wir uns in der Hauptgemeinde Berlin um, sehen wir uns in den einzelnen Synagogen Berlins um, mehr und minder aktiv sind nur der Vorbeter, der Rabbiner, der Chor und der Synagogendiener. Die Gemeinde selbst, die Einzelperson ist passiv; sie läßt sich vorpredigen und vorsingen oder zur Ruhe verweisen. Wird sie einmal aktiv, so nur in der Kritik, und diese ist meistens negativ. Nicht die Ursachen für diesen liefbedauerlichen Zustand sollen hier gesucht oder gewertet werden. Ks sei lediglich festgestellt: Die Gemeindemitglieder sind passiv, wenig berührt von den Vorgängen in Synagoge und Gemeinde und infolgedessen indifferent, interessenlos. Dem Gottesdienst fehlt die Seele. Er mag wohl schön sein, aber lebendig ist er nicht. Wir in der liberalen Synagogengemeinde Norden wollen solchen Zustand .nicht. Nur Leben erzeugt Leben. Es genUgt nicht einmal, wenn die Mitglieder unserer Gemeinschaft von unserer Gemeinde, unserem Gottesdienst reden. Meine Gemeinde, meine Synagoge, mein Rabbiner muß jeder sagen wollen, jeder sagen können und so das enge Verbündensein zum Ausdruck bringen. > Wie ist das zu schafften? Was die Tradition nach dieser Richtung hin bietet, das nutzt unser Gottesdienst aus Aufrufen zur Totah i?m Sabbat nach alter Weise sieben Männer) Verteilung sämtlicher Mizwaus, neben Chorgesang vor allem viel Gemeindegesang, Berücksichtigung von Familienfeiern usw. Aber er geht grundsätzlich weiter: Mit Absicht hat man keine Trennung oder gar Absonderung zwischen Männern und Frauen herbeigeführt. Die' Frau, die doch sonst Hauptio