Die Gemeinschaft
- Journal
- Die Gemeinschaft
- Volume
- 1926
- Issue
- 4 (14.5.1926)
- Date
- 1926-05-14
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Repfäsentantenwahl am 16. Mai. Ein «mite* Wort von Kedittanwalt Heinrich Stern. Mitglieder! Freunde! Am 16. Mai 1926 wird die gesamte Repräsentantenversammlung neu gewählt. Dieser Tag entscheidet also für eine Reihe von Jahren darüber, ob religiös-liberale oder zionistisch-orthodoxe Anschauungen in der Gemeindeverwaltung zur Herrschaft gelangen sollen. Mitglieder! Freunde! jeder Liberale muß am 16. Mai zur Stelle sein und alle diejenigen mit sich ziehen, die ein religiöses, fortschrittlich aufbauendes Judentum im Herzen tragen. In enger Gemeinschaft rüsten sich unsere jüdischen Gegner, um an die Stelle religiösen Aufbaues und Fortschritts cm zionistisch-orthodoxes Regiment zu setzen. All das, was mit liberaler Arbeit, unter liberalem Einfluß an religiösen und sozialen Einrichtungen geschaffen und beispielgebend geworden ist. steht in Gefahr. Wir liberalen Juden erblicken im Judentum nicht eine nationale Gemeinschaft, sondern die religiöse, die Gottesgemeinde, welche durch die Kraft der ewigen Wahrheiten des Judentums auch in der Zerstreuung sich ungeschwächt durch die Jahrtausende erhalten hat und erhalten wird Wir lehnen den nationalen Aufbau ab, weil wir die Zurückführung des Judentums auf das Land und Volk für den größten Rückschritt halten würden den die jüdische Geschichte kennt. Wir liberalen Juden glauben an die Ewigkeit und Unveranderlichkeit der großen geistig sittlichen Ideen des Judentum-. daß aber die Form, in der sich das äußere Gesicht des Judentums offenbart, mit dem Wandel der Zeiten sich gleichfalls gewandelt hat. Gerade weil wir die sinnigen und s:hönen Gebräuche des Judentums Oben und erhalten wollen, müssen wir ihm eine Form geben, die zu unseren Herzen und zu denen unserer Kinder spricht. leiten vor, dall an gewöhnlichen Freitag-Abenden die Synagoge überfüllt itt, und zu innerer Genugtuung lind die lugendlichen aller Altenkldtten zahlreich vertreten. Eingeweihten braucht man den hohen erziehlichen Wert dieiei religioten Gemeinichaftilebent nicht zu erläutern Der Erfolg gibt um trotz mancher Angriffe (die, wie wir gern konitatieren, neuerdingi aufgehört haben) durchaut recht. Niemalt haben wir in der Synagoge liberalen Seelenfang getrieben. Wir lind garnicht im abgebrauchten Sinne liberal. Der Standpunkt dei Beiiichert interetiiert um wenig; darin lind wir allerdingt autgetprochen liberal. Wir wollen mit unterem Bemühen den religioten Bedflrfnitten entgegenkommen und tie wecken, wir mo-htrn durch angemetteuen Wechtel vor Abttumpfung bewahren und haben dabei von linkt und rechtt Anhinger und, wie wir ohne Uebrrtreibung tagen dürfen, vielfach begeitterte Zuttitnmuug gefunden. Wie die Frau neben ihrem Manne Platz nimmt, to titzen die Kinder, Mädchen und Knaben, neben ihren Eltern. Et wird allmählich Kegel, dali ganze Familien wieder getchlotten am Oottetdientte teilnehmen ^sv las*, st. Hier dient im hochtten Sinne dat Alter einer verheillungtvollen lugend. V. . 9