Die Gemeinschaft
- Journal
- Die Gemeinschaft
- Volume
- 1926
- Issue
- 4 (14.5.1926)
- Date
- 1926-05-14
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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„ Die Nahrung der Kinder soll nahrhaft, schmackhaft bereitet und reichlich zugemessen, kurz wie in einer anständigen bürgerlichen Familie beschaffen sein." Als 1843 die Mädchenanstalt eröffnet wurde, konnten die bewährten Statuten fast wörtlich in einer durch die Geschlechtsverschiedenheit natürlich bedingten Modifizierung übernommen werben. Erwähnenswert bleibt die in § 13 und M verlangte hausmütterliche Ausbildung, auch eine durchaus neuzeitliche Einrichtung. Die Mädchen blieben bis zu ihrer eventuellen Verheiratung im Schutze des Hauses. Sie sollten, makellose Führung vorausgesetzt, zu diesem Zeitpunkt eine Mitgift von 600 Talern erhalten. Von schöner Menschlichkeit zeugt die Bestimmung, daß trotz dieser Vergünstigung keine Waise gegen ihre Neigung zu einer Ehe vom Vorstande gezwungen werden konnte. In dieser Beziehung genügte die einfache Weigerung. Als jüdisches Institut erstrebte die Anstalt eine warhaft religiöse Erziehung. Mit allem Nachdruck sollte daran gearbeitet werden, daß den Zöglingen „die Väterreligion ein klar erkanntes geistiges Besitztum und eine Herzenssache werde." * ' Dic»er heiligen Aufgabe «uchrn wir heute unter anderem durch linieren (iolteidientt gerecht tu werden An dic«er Stelle mögen deihdlb folgende Be inei klingen Plati finden Vor einigen Tagen traf ich ein zu Ottern am der Schule entlattenes Kind da«, in der Nahe RcrÜns untergebracht, auf mein Hefragen den einzigen Wunsch ansprach, möglichst bald wieder einmal einem Freitag-Abend-Gottesdienst in der Amtaltttynagoge beizuwohnen! Ungewöhnlich ichnell hatte ei lieh in die gänzlich veränderten Verhältni««e eingewohnt und die Trennung von «einen Oeichwiltem überwunden. Aber der Gotteidiemt fehlte ihm. Iit dai verwunderlich > Nein. Im normale« Kind itt religio« veranlagt und verlangt nach religiöser Gcmcinvchaft. Die findet et in a n ch m a I in dem lugendgottetdienit. wie er jetzt gang und gäbe itt, in den überwiegenden Fällen aber nicht. Oerade da« auuchlirllliche Zuiammentein mit Alterigenouen iit in dietein Talle, entgegen der fatt allgemeinen Auffaiiung, nrchl da« Lockende und Bindende, «ondeni da« RewuGtiein, hier alt Kind «chon gleichberechtigt al« Erwach«ener mit Frwachienen «ich :u erbauen Dein Prediger gilt auch in den Fällen, wo er tirh direkt der jungen Welt zuwendet, die Variation de« weithin bekannten Stonnichen Paradoxon: ..Wenn du für dir lugend predigen wilUt, «o predige nicht für die lugend.V.\ i«t auch nicht ohne weitere« richtig, da8 al« Allheilmittel gegen den He«urher«chwund in den |iigendgotte«dien«teu die Aktivierung der lugend wirken könne. Aktivierung in dem Sinne, dal) die Knaben al« Träger •iiier gotte«dien«tlicheu Funktionen aufzutreten hätten, ja wie man allen Ernttei ausgebrochen hat, auch eine Art Predigter«atz zu bieten Die lugend «oll allerding« aktiv «ein, und wir glauben, daf! lie e« bei uns iit. Die Knaben werden an den Voimittagsgotteidiensten genau wie die Frwachienen zur Thorah aufgerufen und mit Alijoth beehrt. Oeplant wird (und wir hoffen es recht bald zu erreichen), daO die Knaben ihre Poroschoh wieder telbtt lesen Untere ieligiA«en Fortbildungtkune werden nach derselben Richtung wirken. An den Herbitfeiertagen toll eine Reihe junger Mädchen eingesegnet werden. Die Finscguungsfeier wird nicht lotgelost vom Hauptgottesdientt tich vollziehen, tondern al; ein fettlicher Höhepunkt eingefügt in ihn und unter lebendiger Teilnahme aller Oemeindemitglieder. Hier sollen die Erwachsenen umgekehrt jung sein mit den lugendlichen Dali die Art unsere« Oottetdienttes in der erfreulichtteii Weise dir lugend anzieht, lehrt der Augenschein Es kommt nicht 41