Die Gemeinschaft
- Journal
- Die Gemeinschaft
- Volume
- 1926
- Issue
- 4 (14.5.1926)
- Date
- 1926-05-14
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/4889559-5436030-5436051--072-4889623- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
sprüchc ein. Der Wochentagsgottesdienst blieb bisher von den Reformen fast unberührt und besitzt noch heute fast die unveränderte Länge der Gebete im traditionellen Siddur. Gerade hier könnte eine wesentliche Entlastung des Gebetbuches und der Liturgie eintreten. Ein anderes Kapitel sind die deutschen Gebete, die fast ohne Ausnahme zu lang und zu schwülstig sind. Das schrecklichste ist das Gebet für die Barmizwah- Knaben, das schon von Anfang an unerträglich aberladen war, aber durch die unvermittelte Einschaltung des Bekenntnisses.fdr die Knaben und nun gar durch die hinzugekommene Ansprache des Rabbiners geradezu unsinnig geworden ist. Hier wie in anderen Fällen wurde Neues eingefügt, ohne zu überlegen. wie es mit dem alten Vorhandenen zusammenstimmt. In diesem Zusammenhang muß der bereits berührte Vorspruch zum Kaddisch nochmals erwähnt werden. Der Rabbiner spricht vorher das deutsche Schlußgebet, das seit langem mit einem kräftigen Finale von Chor und Orgel (we'neemar) schließt. Aber nach diesem Finale beginnt nun der Rabbiner von neuem .ehe wir diese Stunde der Andacht schließen". Das ist einfach stilwidrig und muß aus Gründen des guten Geschmacks unbedingt geändert werden. Eine andere Frage der ästhetischen Anschauung ist die der neuerdings eingeführten deutschen Gebetstocke, die den hebräischen Vortrag des Vorbeters unterbrechen. An Wochentagen werden sie vielfach von Vorbetern vorgetragen, die sich dafür absolut nicht eignen; an Sabbaten und Festtagen ist nach meinem Ermessen das Nebeneinander von zwei Funktionären, von denen der eine auf einem erhöhten Podium mit dem Rücken zur Gemeinde, der andere an noch höherer Stelle mit dem Gesicht zur Gemeinde steht, völlige Stillosigkcit. die ehestens beseitigt werden muß. Das ewige Treppauf und Treppab ist nicht nur für den Rabbiner qualvoll, sondern auch für die Gemeinde störend. Diese an sich notwendige Einrichtung muß so gestaltet werden, daß sie nicht so gewaltsam in den gesamten Aufbau des Gottesdienstes eingreift. Das Aeußere des Gottesdienstes sollte einmal nach den verschiedenen Richtungen hin von unbefangenen Sachverständigen beobachtet, insbesondere auf das viel zu häufige Aufstehen und Hinsetzen der Gemeinde das Augenmerk gelenkt werden. Ebenso sollten einmal musikalische Sachverständige die ohne jedes jüdisch-dogmatische Vorurteil nach der einen oder anderen Richtung an die Beobachtung herantreten, darüber vernommen werden, ob der jetzige ungeheure Aufwand musikalischer Kraft Sabbat um Sabbat gerechtfertigt ist, oh der Gottesdienst nicht gewänne, wenn wir mehr G e m e i n d e g e s a n g . mehr Kesponsionen und weniger Oratorien hätten. Die Lieder vor und nach der Predigt, die mit den notwendigen Prä-, und Pnstludien eine Menge Zeit beanspruchen, sind da gerechtfertigt, wo, wie z. B. vor der Seclenfeier, ein 5