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Die Gemeinschaft · 1926-03-25 · 3 (25.3.1926) · p. Seite 10

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Journal
Die Gemeinschaft
Volume
1926
Issue
3 (25.3.1926)
Date
1926-03-25
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Ende hinauszueilen, denn nachher ist die Garderobe zu voll und man muß zu lange warten. Ich könnte das noch eine ganze Weile fortsetzen. Aber schon erhebt skh der Einwand: Du karikierst! Ist das wahr? Steckt nicht hinter diesem Bild des Laien ein Typ, den wir alle, ia w;r alle noch vertreten, auch wenn wir uns über den oben geschilderten Menschen erhaben fahlen? Ist uns nicht Gottesdienst — ich will es einmal ganz grob sagen — heute zu einem Theater (wenn auch vielleicht zu einem ernsten und erhebenden Theater) geworden? Die Gemeinde hat den Vorbeter angestellt, er hat die Pflicht, für uns zu beten. Ob wir ihm mehr oder weniger aufmerksam folgen, bleibt gleichgültig gegenüber unserer Forderung, daß er, der Vorbeter, genau nach der Gebetordnung die Gebete singt. Den Rabbiner haben wir dazu bestellt, daß tr jedenfalls fromm lebt und sich jüdisches Wissen aneignet, daß er ein Redner wird, der uns erheben und „erbauen" kann (wie es so schön heißt). ■ Wir brauchen nicht fromm zu leben, jüdisches Wissen zu haben (das sagt uns ja so für den not. wendigsten Gebrauch der Rabbiner). Daß einer von uns gar ein Wörtlein sagte, das unseren „ungelehrten" Nachbarn etwas bedeuten könnte, das erscheint beinahe ketzerisch. Gottesdienst bleibt uns Heutigen ein Objekt, das wir verständnisvoll oder verständnislos, das ist im Prinzip gleich! — in Händen halten, ohne daß unser Subjekt m<t ihm in innere Beziehung träte, ja daß das Subjekt erst das Objekt neu schüfe. <Wir schaffen nicht mehr den Gottesdienst! Wir, die Gemeinde. Und die Gemeinde ist doch der „Schöpfer" im Gemeindegottesdienst, denn warum sonst dieser Name? Jedoch: Hat nicht die altjiidische Einrichtung des Vorbeters die Gemeinde im Gottesdien>t zurOckgi drängt und sie eben nicht zu ihrem Träger werden lassen? Nein! Der jüdische Gottesdienst ist genau so Gemeinschaftstat wie der Gottesdienst jeder anderen Religion. Er ist nur keine Gemeinschaft des Sprechens, sondern nach einem Wort Rosenzweigs, eine Gemeinschaft des Hörens. Der Vorb-. ter ist der Mund der Gemeinde. Aber er ist nicht ihr ein für allemal amtlich bestellter Funktionär, sondern nur Einer aus ihrer Mitte. Jeder aus der Gemeinde müßte fähig sein, ihn ablösen zu können, statt seiner im Namen der Gemeinde zu beten. Und die Prtdigt? Gewiß, der Rabbiner ist dimh seine seelsorgenschen Eriahrungen und durch seine iüd sehen Kenntnisse besonders dazu beruf jn, die Gemeinde zu belehren und ihr üemut 7u erheben. Aber er sollte nicht — wie heute — auf einsamer Höne und in abgetrennter Sphäre stehen, sondern umgeben sein von Menschen, die auch Wissende und Erfahrene sind. Er sollte nur Primus inter pares sein! Alle seine Brüder aus der Gemeinde sollten befähigt sein, den anderen etwas zu sagen, was zum Aufbau eines .religiösen Lebens beitragen kann. Wenn jeder von jedem weiß, daß er ihm etwas hier im Gotteshaus zu sagen hat, dann wächst die Gemeinde zusammen. Ja, erst jetzt wird sie zur Gemeinde, der etwas inner- Mi

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