Die Gemeinschaft
- Journal
- Die Gemeinschaft
- Volume
- 1926
- Issue
- 3 (25.3.1926)
- Date
- 1926-03-25
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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für die* schwarz verhangenen Wochen und Monde der Alltäglichkeit, Entbehrung und Oede. Heilige Lust und edles Frohsein m ssen wir nach dem Vorbild der Natur in die Herzen pflanzen, dann schwinden die peinlichen Knechtschaftsrefe bald aus jedem G.'inQte, unJ Pessach ist für uns kein erstarrter Brauch mehr, sondern ein begeifernder Ruf, eine lodernde Flamme, der Wille zu Frühling, Freiheit. Freude. Die KnabenmitteUchule der jüdischen Gemeinde. Von Studiendirektor Dr. ). Gutmann. Die Knabenschule der jüdischen Gemeinde ist die Fortsetzung der von Moses Mendelssohn und seinen Jüngern im Jahre 1778 begründeten jüdischen Freischule. Diese Männer waren Uberzeugt, daß ihrem Streben, ihre Glaubensgenossen am allgemeinen Geistesleben teilnehmen zu lassen, nur dann . ein Erfolg beschieden sei, wenn jüdische Schulen begründet würden, die nicht wie die bisher bestehenden einseitig religiöses Wissen übermittelten, sondern dem heranwachsenden Geschlecht die Grundlagen religiöser und allgemeiner Bildung zu geben vermöchten. Die Freischule ging im Dezember 1825 ein. Aber das Bedürfnis nach einer jüdischen Schule war nicht geringer geworden. Gerade die am weitesten blickenden Männer, von denen nur Leopold Zunz hier genannt sei, hielten damals die Gründung einer jüdischen Schule für notwendig, um durch sie dem religiösen Tiefstand jener Zeit entgegenzuwirken. Die Hinwendung zur allgemeinen Kultur und die Emanzipation von 1812 waren vielen Juden verderblich geworden: der Gegensatz gegen früher war zu stark, der L'ebergang zu schroff gewesen, als daß viele ihn ohne sittlichen und religiösen Schaden hätten überstehen können. Lehrreich ist, was Zunz im Jahre 1825 über die damaligen Zustände schreibt: ..Die Juden fielen Kindern gleich über die Lockspeise der neuen Erkenntnis her, utui so kam es, daß vielen das Alte gar töricht und eitel, als Lug und Fratze erschien, und eine Irreligiosität, die sie fälschlich Aufklärung nannten, trat an die Stelle des blinden Glaubens . . . Der Aufgeklärte wirft die Religion wie ein Joch ah . . . Er nascht die Schale von der Frucht europäischer Bildung, und weil ihn keine Liebe zu einer Gesamtheit erwärmt, wird er ein entschiedener Selbstling." Neben dem Aufgeklarten steht, wie Zunz ihn nennt, der Verrostete. «Sein Kopf und sein Herz sind öJe, in der blinden Verehrung des Unwesentlichen bat er das Wesentliche seines Glaubens verloren". Dem Uebel aber konnte nach der Meinung Zunz' nur durch Gründung von Schulen abgeholfen werden, die, .nach den religiösen Sitten des Judentums eingerichtet, dennoch zur Kultur und W s-enschaft Europas den Zugang öffnen. Wo sonst hört der Knabe, wo das 4