Die Gemeinschaft
- Journal
- Die Gemeinschaft
- Volume
- 1925
- Issue
- 2 (11.12.1925)
- Date
- 1925-12-11
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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ireude die Wirkung ihrer Gaben schauen. Auch heute, wo man selbst (und in gewisser Hinsicht mit Recht) die Wohltätigkeit zentralisiert, sollte man die hohe erziehliche Bedeutung der von Auerbach geübten Praxis nicht geringschätzen. Das Verwachsensein mit cintr bestimmten Anstalt hat seine unzweifelhaften Vorzüge. Die Stiftungsfeier selbst war auf den 7. Mai festgesetzt worden Der mehrfach erwähnte Jahresbericht sprach auf dem Titelblatt von dem „Waisen-Erziehungs-Institut der judischen Gemeinde zu Berlin", und diese Bezeichnung bildete nun zunächst den Stein, des Ans'oßes. In einem Schre ben vom 4. 5, ereiferte sieh der Vorstand (und von seinem formalen Standpunkt aus mit Recht) über jenen Titel und die Absicht Auerbachs, die Jahresfeier in einem Gemeindelokal abzuhalten, um dessen Hergabe die Behörde bisher nicht ersucht worden war. Nur um ärgerliches Aufsehen zu vermeiden, gab er stillschweigend seine nachträgliehe Genehmigung. Die Feier selbst fand unter begeisterter Teilnahme einer zahlreichen Zuhörerschaft statt, bei welcher Gelegenheit u.a. der Stadtschulrat Reichhelm eine ti.fcmpfundene Ansprache hielt. Unter den schriftliehen Aeuüerungen zum ersten Jahresbericht sind Briefe von Minister von Altenstein, Staatsrat von Nicolovius. dem bekannten Direktor Dr. Bellermann und dem Polizeipräsidenten von Gerlach. D-t Letztgenannte trat dem Waisenhaus als Mitglied mit einem' ansehnlichen Jahresbeitrag bei. Er war aber durchaus nicht das einzige nichtjüdischc Mitglied. Es verdient auch die Tatsache Erwähnung, daß die Vorstehcrinnen des israelitischen Frauenvereins von 1833 (Frau Cossmann Meyer, Henriette BUtow und jolnnna Bleichröder) dem Waisenhaus „400 Taler als ein Drittel der durch eine Ausstellung eingekommenen 1200 Taler überraschten." So nachhaltig und günstig die öffentliche Meinung durch die weite Verbreitung des Jahresberichtes auch beeinflußt worden war, so unerquicklich wurde bald das Verhältnis zu den Aeltesten der Judenschaft. Dem Gemeindevorstand war die Schöpfung Auerbachs aus mehreren Gründen unsympathisch. Einmal wollte er das projektierte Mendelssohnsche Waisenhaus nicht fallen lassen, und zum andern keine Gründung dulden, auf die er nicht dauenicTen und maßgeblichen Einfluß ausüben dürfte. Auch fürchttetc man wohl line Verzettelung der Kräfte des Gemeindesehulli iters, dem man zudem nicht gerade gewogen war. Alle diese Erwägungen führten schließlich zu einem entscheidenden Vorstoß des Vorstandes. Er lud Auerbach und sämtliche Ehrenmütter zu einer Besprechung für den 21. Mai 1834 auf die Oemtfridestube. Sv.in Plan ging im wesentlichen dahin, die Damen, die in den ersten 7ahien den eigentlichen Vorstand bildeten, durch Ueberrumpclung für das gleiche Ehrenamt bei dem geplanten Mcndebsohnschen Institut zu gewinnen, die beiden werdenden Anstalten miteinander zu verschmelzen, vor allem jedoch der selbständigen Existenz des Auerbachschen Waisenhauses ein für alle Mal em Fnde zu bereiten. Eine dahingehende schriftlich fixierte