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Die Gemeinschaft · 1925-09-19 · 1 (19.9.1925) · p. [Seite]

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Journal
Die Gemeinschaft
Volume
1925
Issue
1 (19.9.1925)
Date
1925-09-19
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Seit den ersten Anfingen hat steh manches geändert, allerdings nur in der Richtung, die einmal eingeschlagen war: Die Freitagabendgottesdienste htben sich allmählich eingebürgert. Um der Erwerbstätigen willen wurde der Beginn gleichmäßig auf 7V4 Uhr festgesetzt; er konnte nicht auf eine spätere Zeit verlegt werden, weil sonst manchem, dem an der häuslichen Feier liegt, der Freitagabend verkürzt würde. Während in der ersten Zeit die Zahl stark schwankte, hat sich jetzt schon ein fester Besucherstamm gebildet. Bei uns ist es nicht wie bei der Orthodoxie, wo Gottesdienstbesuch eine feste religiöse Pflicht ist; wir können nur auf die rechnen, denen dieser Dienst reine Herzenssache ist. Die Gewinnung solcher Menschen ist schwer. Das besondere Bemühen wird in Zukunft darauf gerichtet sein, in der reiferen Jugend den Sinn für religiöse Betätigung zu wecken. Und für diese Aufgabe ist die stärkste Unterstützung von dem Rabbiner unserer Synagoge zu erhoffen. Wenn mit der Gewinnung eines Rabbiners auch die Laienpredigt, wenig» stens zunächst, stark eingeschränkt ist, so soll doch grundsätzlich die Laientätigkeit im Gottesdienst nicht aufgegeben sein. Das Wie des Ineinandergreifens von Prediger- und Laientätigkeit wird und muß sich allmählich heraus- -bilden. Immerhin hat sich ergeben, daß ein Rabbiner, der sich ganz in den Dienst unserer Gemeinschaft stellt, schon aus äußeren, viel mehr aber noch aus inneren Ursachen, eine Notwendigkeit für uns ist. Die Arbeit, die bisher von einigen vielbeschäftigten Laien nebenbei ausgeführt wurde, gestaltete sich schon äußerlich immer umfangreicher, und sie wurde für sie erschwert, ja unmöglich durch die Notwendigkeit, den Gottesdienst zu einem vollen auszubauen. Das ist seit Pessach dieses Jahres geschehen. Wie der Gottesdienst gedacht ist, zeigt die neue Gebetordnung. In ihrer Gestaltung waren wir nicht frei; das Berliner Gebetbuch für die Orgelsynagogen mußte die Grundlage bilden. Dadurch waren wir in der Auswahl, besonders der Psalmen, sehr beschränkt. Die Freitagabendliturgie blieb im wesentlichen so, wie sie sich seit dem Beginn bewährt hat. Doch wurde die abendliche Vorlesung unmittelbar vor die Predigt gesetzt, sodaß diese ihre naturgemäße Stellung gewissermaßen als Schrifterklärung und als Schluß und Höhepunkt des Gottesdienstes erhält. An den Wallfahrtsfestabenden ist die alte Sitte der Verlesung der Festtagmegilla (statt vormittag bei der Torahvorlesung) wieder eingeführt, selbstverständlich in deutscher Sprache und in Auswahl. Die deutschen Übertragungen der Gebete werden nicht mehr wie die freien Gebete von der Kanzel, sondern vom Platze des Predigers gesprochen; dadurch wird eine gewisse ruhige Stetigkeit des Verlaufs erziehlt. Beim Morgengottesdienst haben wir uns bewusst von der Liturgie der Orgelsynagogen entfernt. Während dort mit dem Ausheben begonnen wird, haben wir das Schacharis (allerdings in Auswahl);n den Anfang gesetzt; sind doch in ihm weit wertvollere Stücke als im Mußaf, vor allem die Psalmen. In derRegel wird je einFrühgebet und einPsalm abwechselnd hebräisch oder deutsch verlesen, das Hebräische vom Kantor im Trop rezitiert, das deutsche vom Prediger vorgetragen. Nur'nicht viel herunter geleiert, dagegen die Schönheit zum Bewußtsein gebracht. Deshalb wird gleich am Anfang ma tau wu oder ein Psalm vom Chor gesungen, ebenso als Abschluß desFestgebets vor nischmas der Psalm 150 (in derKomposition vonSulzer). DieSchacharis-Tefilla ist nur als stilles Gebet gedacht, einAugen-

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