Die Gemeinschaft
- Journal
- Die Gemeinschaft
- Volume
- 1925
- Issue
- 1 (19.9.1925)
- Date
- 1925-09-19
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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/ der Anstalt trübte. Die Waisenpflege beschränkte sich in jener Zeit darauf, daß aus der Gemeindekasse die Waisenkinder für drei Taler monatlich (die zur Bestreitung aller Bedürfnisse gedacht waren) in Pflegestellen gebracht wurden. Man kann leicht ermessen, daß nur die bedürftigsten Familien für ein solches „Unternehmen" zu haben waren und die ihnen anvertrauten Kinder nebenher zu allerlei Dienstleistungen und sogar zu organisierten Bettelelen mißbrauchten. Auerbach erzählt von einem braven Knaben, der nachher zu seinen vier ersten Zöglingen gehörte, wie er von den .Pflegeeltern" angehalten wurde, häufig in später Nacht Getränke für eine Spielgesellschaft herbeizuholen und selbst das Kartenspiel zu erlernen, um im Notfall den vierten Mann abgeben zu können. Dieser Notstand griff Auerbach ans Herz. In mehreren Eingaben (11. XI. und 20. XI. 1831) suchte er vergebens, den Gemeindevorstand zur Gründung eines Waiseninstitutes zu bewegen. Am 8. VII: 1832 erreichte er wenigstens, daß ihm zwei Hinterstübchen im Hause Rosenstr. 12 unter der Bedingung, daß die bisherigen Mieter freiwillig räumten, überlassen wurden. Jetzt ging Auerbach mit Feuereifer ans Werk. Die zwei Stübchen wurden in ein wohnliches Zimmer umgewandelt und mit Bettstellen, Möbeln und allerlei Geräten ausgestattet. Die erste unvergessene Spende ging just in dem Augenblicke ein, als Auerbachs geringe Mittei¬ bis auf den letzten Heller verbraucht waren und die Handwerker in seiner Wohnung (im Nauenschen Stift) auf Zahlung drängten. Solche rührenden Zufälle erwähnt Auerbach des öfteren. Sie bestärkten ihn immer wieder aufs neue in seiner Oberzeugung, daß er ein Werk von Dauer begonnen habe. — Noch vor Eröffnung des Waisenhauses begegnete Auerbach heftiger Gegnerschaft und sehr erregtem Widerspruch. Viele hielten seinen Plan lür eine Utopie: dje Altesten der Judenschaft projektierten zudem selbst eine Art Waisenhaus, das dem Andenken Mendelsohns geweiht sein sollte und empfanden das Vorgehen Auerbach's gewissermaßen als unlauteren Wettbewerb. Immerhin bewahrten sie zunächst Neutralität, wenn auch nicht gerade eine wohlwollende. Aller öffentlichen und geheimen Widerstände zum Trotz ging Auerbach unbeirrt seinen Weg, wählte einen Vorstand (die Geheimräte Bendemann und Borchard) und den Rat der Ehrenmütter (Sara Levy, Susette Alifeld, Henriette Arnoldt, Amalie Beer, Veilchen Benda, Helene Muhr). Am 30. IV. 1833 wurde im Anschluß an einen Gottesdienst und in Gegenwart des Rabbinats. der Altesten und vieler Ehrengäste das erste jüdische Waisenhaus in Berlin von Baruch Auerbach aufs feierlichste eröffnet. (Fortsei»!* ioigt.) Unser Gottesdienst. von Hermann Falkenberg. Im November 1923 richtete die Ortsgruppe Norden des Liberalen Vereins, da der ganze N. und NO. keine gottesdienstlichen Veranstaltungen für liberal denkende religiöse Juden besitzt, in der stimmungsvollen Synagoge des Auerbachschen Waisenhauses. Schönhauser Allee 162 einen Freitag-Abend-Gottesdienst ein. Im Laufe der Zeit trat dazu der Gottesdienst an den Abenden der Wahlfahrtsftste sowie voller Gottesdienst an den hohen Feiertagen. Als Ziel wurde erstrebt, daß Sabbat- und Festgedanken in zu Herzen gehender Weise der Gemeinde offenbart. Verständnis und Gefühl für Bibel und Gebet erschlossen werde: jeder sollte den Gottesdienst verlassen, erfüllt von irgendetwas Heiligem, Ewigem, das ihn beschäftigt, führt, fördert und begierig werden lässt auf weitere Belehrung, Vertiefung, Erhebung. 'i