Die Gemeinschaft
- Journal
- Die Gemeinschaft
- Volume
- 1925
- Issue
- 1 (19.9.1925)
- Date
- 1925-09-19
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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zeichnetem Erfolge besucht habe". Es bleibt daneben verständlich, daß gewisse Lücken in seiner wissenschaftlichen Bildung bei der Eigenart seines Selbststudiums sich künftig wohl noch zeieten, die aber, wie amtliche Berichte Ober seine spätere Tätigkeit als Schulleiter verschiedener Anstalten bezeugen, durch andere Qualitäten ausgeglichen wurden. — Inzwischen hatten >ich Auerbachs äußere Verhältnisse erheblich gebessert. Üurch persönliches Einsetzen des Kultusministers v. Altenstein war ihm 1824 das preußische Statsbürgerrecht verliehen worden. (Als er in dieser Angelegenheit vom Innenminister von Schuckmann in besonders entgegenkommender Weise empfangen wurde, suchte ihn dieser in bester Absicht zur Annahme eines „modernen" Vornamens zu bewegen. Auerbach lehnte mit den Worten ab: „Abgesehen davon, daß der Name ein biblischer ist, abgesehen ferner, daß ihn einer der größten Philosophen geführt hat, will ich den Namen behalten, weil ich gegenwärtig noch garnichts bin und noch garnichts geleistet habe. Sollte ich in der Folge etwas leisten, so werde ich einen echt jüdischen Namen zur iihre gebracht haben. Leiste ich aber nichts, wozu nuch einen schön klingenden verderben?" Der Minister hatte volles Verständnis für diese kluge Antwort und entließ Auerbach mit der Versicherung „einer weiteren freundschaftlichen Gewogenheit.") Durch die gewinnende Art einer frühzeitig erworbenen gesellschaftlichen Bildung, unterstützt durch eine seltene natürliche Anmut, fand er in verhältnismäßig jungen Jahren Aufnahme in den ersten Berliner jüdischen und christlichen Familien Aus diesem Verkehr und dem Briefwechsel, den Auerbach mit seinen feingebildeten Ehrenmüttern und andersgläubigen Freunden führte, leuchtet überall der humanitäre Geist, der vor TOO Jahren über die Schranken der Konfessionen hinweg Zeugnis ablegt von einer seitdem nie wieder erreichten Kulturhöhe in Deutschland. Varnhagen v. Ense erzählt in seinen Denkwürdigkeiten (3. Band, Seite 533) an der Stelle, wo er der Auerbachschen Anstalten ausführlich und rühmend gedenkt, daß die französischen Offiziere während der Besatzungszeit (1806-1808) vielfach in angesehenen jüdischen Familien verkehrten und sich Uber den hier herrschenden feinen Ton, die Vielseitigkeit der Bildung und den erlesenen Geschmack nicht genug wundern konnten. Als sie von Rahel über diese erstaunliche Tatsache Aufschluß erbaten, erwiderte sie in bekannter Schlagfertigkeit: 'Je m'en vais vous l'expliquer: les Juifs de Berlin sont les Juifs de Fr^deric le Grand." Seit Anfang 1826 war Auerbach im Dienst der jüdischen Gemeinde tätig, zuerst als Mitglied einer Kommission, die das Schulwesen beaufsichtigen sollte, dann als Kommissar für „Ergreifung und Durchführung all der notwendigen Maßregeln, die sich aus der Auflösung der jüdischen l-'reischule und Neueinrichtung einer Gemeinde-Knabenschule" ergaben Gleichzeitig übernahm Auerbach an Stelle seines Bruders, des Dr. L. I. Auerbach, die Leitung des Nauenschen Stiftes (bis 1. V. 1837) und von Oktober 1829 an auch das Rektorat der Knabenschule, (bis 1852.) In voller Würdigung seines Eifers war gleichwohl sein Wirken an diesen beiden Anstalten für alle Beteiligten keineswegs ein immer befriedigendes. Gewiß ist, daß Auerbach in jenen Jahren sich allzuviel aufgebürdet hatte und wahrscheinlich auch, daß die kritische Haltung des Gemeindevorstandes Auerbach gegenüber durch persönliche Reibereien ungünstig beeinflußt wurde. Uns interessiert hier diese seine Tätigkeit nur insofern, als Auerbach durch sie zur Erfüllung seiner wahren Lebensaufgabe gekommen ist. Nach seinen eigenen Worten war es vorzüglich die traurige Lage der die Knabenschule besuchenden armen Waisenkinder, die seine Freude am Blühen und Gedeihen 5