Die Gemeinschaft
- Journal
- Die Gemeinschaft
- Volume
- 1925
- Issue
- 1 (19.9.1925)
- Date
- 1925-09-19
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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regelmäßig zusammen mit anderen willigen Gemütern Trost und Heil zu suchen und zu empfangen. Man wird hierdurch mehr als ein anderer Mensch, man wird erst zum Menschen, und man wird zum Erzieher seines Kreises und der Jugend, die nach uns leben und auf eine höhere Stufe der Entwicklung gelangen wird. Nach diesem Plauderwort bleibt mir nur noch übrig, ohne gleißende Versprechungen zu empfehlen, dass ein jeder diesen Versuch mache und auch anderen gut zurede, sich seinem Glück, göttlichen, jüdischen und lebenswürdigen Gedanken hinzugeben. Wir büssen damit nichts ein, wir gewinnen nicht das Enttäuschtsein oder den Spott der Erfolgreichen, sondern wir zimmern uns selbst unser eigenes Glück und streuen von unserem Herzensreichtum und Besitz freigebige Spenden für die anderen aus! Wir machen es "uns recht und wir machen es Gott recht! Möge ein heiliger Gesamtwille in diesem Jahr die jüdischen Feiertage wertvoll machen! Aus der Minzen des Baructi-Auerbacnsciien Waisenhauses Von Direktor lonai Plaut. Wer die Entstehung unseres fast hundertjährigen Hauses rückblickend Uberschauen will, muß sich notwendigerweise mit seinem Begründer beschäftigen. Die Geschichte Baruch Auerbachs ist — zum mindesten in den ersten Jahrzehnten — auch die Geschichte unserer Anstalten. ..Zeige mir Dem Werk, und ich will Dir sagen, wer Du bist" ist der beste Text zu allem, was sich über diesen edlen, tüchtigen.zugleich höchst streitbaren und darum nicht selten persönlich hart umkämpften Mann sagen läßt. Baruch Auerbach (geb 14. VIII. 1793), ein Vetter Berthold Auerbachs, stammte aus Inowraclaw im damaligen Großherzogtum Posen. Von seinem Vater, dem Rabbiner Lewin Isaak Auerbach, erbte er eine tiefe und echte Frömmigkeit, von seiner Mutter Gitel eine innige Menschenliebe, rührende Sorgfalt im Umgange mit Hilfsbedürftigen und eine seltene Arbeitsfreudigkeit: Eigenschaften die seine spätere« Lebensaufgabe auf das glücklichste prädestinierte, und beeinflußten. Ein Pietist war und blieb Auerbach in Wort und Schrift sein Leben lang; die ältesten von ihm verfaßten Anstaltsstatuten atmen diesen Geist durchaus. Aber trotzdem war er nie ein Frömmler, sondern ein Frommer im Sinne Frankes, seines unwandelbaren Vorbildes. Baruch Auerbach gehörte zu dem Geschlecht jener wackeren Männer, die mit dem berühmten Taler in der Tasche in die Großstadt wanderten und es aus und durch sich selbst zu etwas Tüchtigem brachten. So verließ er, 13jährig, im Jahre 1806, ausgerüstet mit einem zwar vortrefflichen, aber immerhin ausschließlich jüdischen Wissen das Vaterhaus, um sich künftig allein in der Welt vorwärts zu bringen. In Lissa setzte er zunächst seine talmüdischen Studien fort, um sich einige Zeit später in Berlin auch den Profanwissenschaiten zuzuwenden. Seinen kärglichen Lebensunterhalt bestritt er durch Erteilen von Privatunterricht. Bezeichnend für die Art Auerbachs ist, daß er selbst von diesen Armutsgroschen einen Teil für die Eltern verwandte. Ende 1824 hatte er sich autodidaktisch so weit vorgebildet, daß er sich unter dem Rektorat Marheinekes immatrikulieren lassen konnte, um Philologie und Theologie zu studieren. Zwölf Semester blieb er so eifriger Student. In seinem Universitäts-Abgangszeugnis wird ihm bekundet, „daß er die Vorlesungen mit rühmlicher Beharrlichkeit, großem Fleiß und ausge- 4