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Die Gemeinschaft · 1925-09-19 · 1 (19.9.1925) · p. [Seite]

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Journal
Die Gemeinschaft
Volume
1925
Issue
1 (19.9.1925)
Date
1925-09-19
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Hebungen angesehener Verlagsfirmen nicht kannte, oder unglaubliche Geschichten mystisch-romantischer Prägung, die die Phantasie der Halbgebildeten und Jugendlichen vergiften und zum Verbrecherleben locken, das bleibt sich gleich. Zur Vergrößerung des Geschäftes, dessen rechtschaffene Führung man keinem verdenkt, wird hier die Masse mit Torheiten geimpft, und man gaukelt ihr Aussichten vor, die sich nicht verwirklichen können. Es ist so sehr minderwertig, wenn jemand, angeblich um den Scharfsinn der Großstädter zu erproben, bestimmte Geldscheine in Verkehr setzt und dann Hunderttausende suchen läßt, damit einer oder einige je hundert Mark dafür erhalten. Das streift sogar zweifellos die Grenzen auch des polizeilich Verbotenen, und ich kann mir lebhaft vorstellen, daß die aufgezwungene Ablenkung der Allgemeinheit mehr schadet als nützt, geschweige denn Segen stiftet. Auch die vielen schon etwas angejahrten Preisrätsel, bei denen unter Tausenden nur einer mit dem Gewinne bedacht werden soll, sind nichts wert, und so komme ich mit einigem Recht dazu, all diese marktschreierischen Unternehmungen „Beglückungsmagazine", aber mit Gänsefüßchen zu taufen. Für eine Mark kann nicht jeder sein Glück machen — das ist ein Gimpelfang — sondern Hunderttausend müssen genarrt worden sein, damit einer winzig abgespeist wird. Die wirklichen Beglückungsmagazine sehen ganz anders aus. Sie leisten weit mehr und kosten doch viel weniger, nämlich garnichts! Und jetzt kommt für uns Juden wieder eine Zeit, wo wir daran denken und gehen können, echtes Glück auf der Welt zu erwerben. Freilich besteht es nicht darin, daß man bestimmte Geldscheine findet oder sich zehn Tage in einem Bade kostenlos vergnügen darf. Das Glück dieser Erde besteht in der wirklichen Erfassung der Religion. Diese ist augenblicklich noch ein schwankender, ein bestrittener Wert. Ich will damit sagen: ein Teil hat die Religion früher geschätzt, und der größere kennt sie noch nicht. Aber dahin wird es bestimmt sehr bald kommen, wenn nämlich die meisten Menschen erst einsehen, was Religion für sie bedeutet. Man muß darum vielleicht sagen: was Religion nicht bedeutet: Im allgemeinen versteht man darunter den Glauben, aber das ist doch nur ein zarter Ausschnitt aus dem Reich der Religion. Religion bedeutet Leben! Das echte, das rechte, das gute, das wahre Leben! Kein Zweifel, daß jeder ejn solches Dasein gewinnen will und mit sich, mit iden anderen, mit Gott zufrieden werden kann: in der Jugend, im Alter, trotz der Sorge, sogar auch im Glück (das ist furchtbar schwer!), beim Sterben und mit dem, was nach ihm kommen mag. Daß wir diese Kraft zum Glück noch nicht haben, aber erahnen und fühlen, beweist, daß das Letzte, das Wichtigste, das ganz Große uns verschlosssen bleibt. Ein solcher erstrebenswerter, geruhiger Sinn kann nur in uns .entzündet und stark werden, wenn wir uns Muße, wenn wir uns Zeit nehmen. Und das empfiehlt die Religion, und hierfür, für diese Opfer der Besinnung gibt sie uns einen unerschöpflichen Glücksvorrat fürs ganze Leben. Wir sollten das an den bevorstehenden Festtagen versuchen, die nach guter, alter Tradition einen sehr großen Kreis unserer Glaubensgenossen, von der geschäftlichen Arbeit frei, in das Gotteshaus fuhren. Wer dort die Andacht nicht verwehend an sich abgleiten läßt und selbst ausbaut, was er an Anregungen empfangen hat, der gewinnt einen Halt im Leben und die Lust, auch außerhalb der drei Tage herbstlicher Versammlung öfter und schließlich i

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