Die Gemeinschaft
- Journal
- Die Gemeinschaft
- Volume
- 1925
- Issue
- 1 (19.9.1925)
- Date
- 1925-09-19
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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bedeutet das aber für uns, für die Religion vor allem Herzensmacht ist, Gott vor allem im Innern thront? Nun für uns ist Beten die Seelenbrücke, auf der wir zu unserm Gott gelangen. Auch dieses Gebet wirkt in die .Höhe", weil es uns mächtig nach oben reißt. Aber vor allem wirkt es in die Tiefe, in der unser Gott uns liebreich erhört — indem er uns gnädig zu sich erhebt. Ja. Beten ist Trost für unseren Kummer, Freude und Jubel in unserm Glück. Ausdruck der Sehnsucht und des Vertrauens, Stärkung des Mutes und Antrieb zum Handeln, Echo des Ringens um unseren Frieden, Streben nach Ausgleich mit dieser Welt, Vorbereitung für alle Lagen, in denen uns äußeres Unglück trifft. So sehen wir unsere Gebete an, so fühlen wir sie, so sprechen wir sie. Und wahrlich auch solch ein Beten bringt Segen, tiefe Befriedigung, reines Glück. Wir fühlen uns frei und wahrhaft erhoben, frei vom Tage und frei vom Leid, glücklicher noch, als wir vorher waren. Und Andacht empfängt uns nicht weniger innig als jeden, der anders betet als wir. Ja, haben wir auch nicht alles gesprochen, haben wir auf vieles auch nur gelauscht, nicht allen, sondern nur den erhabensten Stücken unsere Seele erschlossen und aufgetan — wenn wir den Tempel schließlich verlassen, fühlen wir uns f;eschützt und geborgen vor Lebensverzweiflung, vor unedlem Sinn. Wir ühlcn uns ideal, das heißt fromm gestimmt, und der Friede der Verse zog in uns ein: .Was heißt denn beten, bitten oder danken? Verehren, loben in geschmückten Worten? Vermagst Du in des Lebens Sturmesrauschen Trotz rohen Alltags blödem Lärmen Bisweilen still in Dich hineinzulauschen Und dieser Stille Feierklang zu fassen. Vermagst Du das? Vielleicht wirst Du dann wissen. Was Beten heißt.--" Aber wir fühlen dann auch den gewaltigen Ernst, der in dem Worte Steinthals liegt: ..Nicht das Gebet ist Gottesdienst, andächtiges Leben ist Gottesdienst und Gebet Vorbereitung". Dieses Wort hebt alles andere nicht etwa auf, im Gegenteil, es vertieft es sogar. Gerade weil uns die Tat über alles gehl, gerade weil wir ein solches Leben erstreben, das Verwirklichung unserer inneren Gottesschau ist, so muß auch die Vorbereitung darauf einem derartigem Ideal angepaßt werden. Schon diese Vorbereitung muß Gottesdienst sein, schon sie muß eitle solche Weihe erfüllen, daß wir in allen Gebeten und Liedern die Herztöne unseres Gottes laut schlagen hören. Die Feiertage nahen, so laßt uns beten, im Sinne jenes altjüdischen Wortes und damit auch im Sinne .lehuda Halevis: .Was such ich ihn in weiter Fern In meinem Innern weilt er gern. Im Herzen hab ich ihn geschaut, Da hat den Thron er sich erbaut.* ßeglückungsmagazine. Von Rabb. Dr. Martin Salomonski. Seit kurzer Zeit erst, aber schon in sehr starker Verbreitung, erscheinen,' zumeist in Gestalt von illustrierten Monatsschriften, allerlei für Deutschland neuartige Verfluche, um die Menschen mit starker Spannung zu erfüllen. Ob es nun aufreizende Bilder sind, die man früher in den Veröffent-