Das Füllhorn
- Journal
- Das Füllhorn
- Volume
- II (1836)
- Issue
- 46 (11.11.1836)
- Date
- 1836-11-11
- Page
- Spalte 363-364 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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zsr i» 3S4 habt? Hab« wir alle'Schritte dazu gethan) wie wir hätten chun müssen, wenn eS unS ganz Ernst gewesen wäre? Doch das Nachdenken allein über die Dergängenheit ist dann wohl vergebend. Das Vergangenkkhrt^ nicht wieder um. ES blecht unS für die ypch vorhandenen Augenblicke unser- Daseins nichts ckehr übn'g, als zu überlegen: WaS kann noch jetzt von «n- Gutes gethan werden? Wie können wir unser -eben wenigstens auf die würdigste Weise beschließen? — Wie können wir in dem kurzen übrigen Zeitraum noch so handeln, daß zwischen dieser und jener Welt für unS ein «ortheilhaster Zusammenhang entstehe? Zu großen verwickelten Unternehmungen, zur Erfüllung vielleicht manches alten, nützlichen Wunsches, bleiben weder Kräfte noch Z6t genug übrig. Die warnende Stimme ruft: Bestelle dein HauS! Es ist dem Kranken noch vergönnt, ehe eS zu spät ist, sein« letzten Willen zu äussern, wodurch er über DaS verfügt, waS er als Eigenthum besaß, und wie eS damit nach seinem Absterben gehalten werden solle. Der letzte Wille! — Schon daS bloße Wort erinnert an die Wichtigkeit der Sache. Soll auch da- Letzte etwasein, «aan Alltäglichkeit oder wohl gar an Leidenschaftlichkeit Dem ähnlich ist, was wir selbst wohl immer thaten? Wollen wir nicht noch unfern letzten Willen zum wohlthitigsten und schönsten Wille« wachen? — Wir nehmen außer unserer Lugend und Gottseligkeit nichtmit auder Welt. Nackt, »ke wir eintraten, treten wir wieder ande« Leben. Wir haben über unser Gut zu verfüge«; — sollt« «kr nicht so darüber verfüg«: dawir ein ein Kapital verwandeln, dessen Früchte mit «nin die Ewigkeit hinüber - «andern? WaS wir sonst nicht immer mit Weisheit. Demuch «ich Menschenliebe gebraucht, sondern «ehr für chörichte, oft auch schädliche Zwecke und Eitelkeit angewandt Hab«: sollt« wir in unser« letzt« Will« nicht endlich einmal damit edelherztg »erfahr«? Wohlthätigkeit mu-^ausch den letzten > - Weisen bezeichnen. Er gibt ja nur hinweg, waS er selbst nicht behalten darf. So streue er denn Segen aus über eine Welt, die er verlassen muß; er streue ihn mtt Freudigkeit und dem Willen au-, andere Mensch« wahrhaft mit Dem zu beglück«, was ihm selbst nicht mehr nach dem Tode nütz« kann. Er streue dm Segen über Andere aus, der dann in jener Ewigkeit in reicherm Maße auf ihn zurückflirßt. »Wer Wohlthätigkeit säet, wird treuen Lohn Lrntrn.» (Spr. 11, 18.) Es ist eine edle Sitte bei allen gebildeten Völkern des Erdbodens, daß sie in ihren Vermächtnissen beträchtliche Summen für milde Stiftungen jeder Art aussetzen. Dadurch wird eS ihren Gliedern leicht, gemeinnützige Anstalt« zu unterhalt«, an deren Wohlthatm Unzählige theilnehmen. Auch bei ans Israelit« finden sich solche Stis. tungen aus der Vorzeit. Aber lecher viel sparsamer — selbst dem Verhältnisse nach, viel kärglicher, als bei andern GlaubeuSbekennern. Man würde den meisten der Verstorben« Unrecht chun, wenn man den Grund dieser bedauerlichen Erscheinung in dem Mangel eines gut« WillmS für die Sache find« wollte. Unsere Borfahr« besaß« frommen Sinn genug, um dem Gut« jedes Opstr zu bringen. Gaben ja Hunderttausende ihr -eben zum Preise der Beharrlichkeit in der Religion hin! Und scheut« fl, ja keine Mühe und keinen Geldaufwand, wo es^r Rettung eineeinzigen Menschen, wo eS der Aufrechchaltung eineeinzig« religiös« Gesetzegalt! Vielmehr dürste der Grund in den unglücklich« ärmlich« und beschränkt« Verhältnissen, mit dm« sie in jm« finstern Zeit« degräuelvollsten Haffe- und der Verfolgung stetzu kLmpfen hatten, zu such« sein. Selten kam« sie zu einem Vermögen, dessen Ueberfluß ihn« eine reichliche, wohlthätig« Spende gestattet hätte. Sie mußt« schon alle ihre Kräfte anspannen, um nur de« Uebel und dem Elnwe kn ihr« nächst« Umgebung« für den Augenblick zu steuern, und jeder trug nach sninem Verhältnisse eine Last, die ihn fast zu Boden drückte: Der Kamps