Das Füllhorn
- Journal
- Das Füllhorn
- Volume
- II (1836)
- Issue
- 41 (7.10.1836)
- Date
- 1836-10-07
- Page
- Spalte 325-326 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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3L5 32V oft mißhandelt.worden, daher da- Haud«S Fürsten Matter von alten Zeiten her die Verpflichtung hatte, während jede- Eonklaveö daseinem Palaste nahe Ghetto durch seine Lehnleute bewachen zu lassen. Die römischen Juden lassen sich selten taufen, wie dieüberall der Fall zu seyn scheint, wo diese Nation gedrückt'ist. Doch hat stch durch die bedeutenden Privilegien der Bekehrten in der Länge der Zeit eine namhafte Anzahl von Familien gebildet, welche von Eatechumeni abstammen. Man behauptet sogar, ein römisches Fürstengeschlecht habe diesen Ursprung. Man bemerkt, daß die jüdische Physiognomie in diesen Familien sich noch lange forterbt. Der allegrmeine Tribut, den die Israeliten jährlich für Schutz geben, beträgt 1200 fl. — Ausserdem müssen sie der daflgen Anstalt für Bekehrung der-Juden jährlich 27SV fl. zahlen. 6) Daß sie auch die Kosten de- Karnevals, die über 2000 fl. sich belauft«, tragen müsse«, wurde oben schon gemeldet. Ohne die gewöhnlichen Steuern, haben sie jährlich in Summa 15000 fl. in Allem zu bezahlen, und haben dabei für ihre Arme und Kranke und Verwaltung selbst zu sorgen. — Am Samstage müssen dieselben gewöhnlich einer von einem Kapuziner gehaltenen christlichen Predigt beiwohnen. — (Sollte dieß etwa I der Grund seyu, warum so wenig sich taufen lassen?) Zur TageSgeschichte. (Kassel. 24. Sept.) Nachdem in Kurheffen dnrch ein, vvnObeu herab dm Landständen proponirtes und von diesen berathene- und' angenommen^ Gesetz, dft Gleichstellung der israelitischen Einwohner mit denen der christlichen Eonftsslonen in politischen und bürgerlichen Rechten verordnet worden war, blieb die Mgulirung der kirchlichen Einrichtuugen der mofalschen Glanben-genoffen noch übrig. ES war Vienne Aufgabe, die zu dem Geschäftskreise de- Miniftrrium» de- Inner« gehörte, welchenunmehr zu dessen Lösung geschritten ist. Die jüdische Kirche beikommt ein der christlich evangelischen analoge Organisation. Wadft Eousistorie» für letzter« sind, dawird da- Oberrabbinat als obere Kirchliche Behörde für erstere werden. Sämmtliche israelitisch« Gemeinden in Kurheffen werden vier kirchliche Provinzen bilden, nämlich dft niederheffische, oberhessische, suldaisch« und hanauische, mit vier Landrabbinern, dft ihren Sitz in Kassel, Marburg, Fulda und Hanau habe» und Mitglieder der unmittelbar unter dem Ministerium des Innern stehenden oberm in Kassel residirenden Kirchenbehörde sind. Der Minister de- Jnnern kann indessen noch andere Personen zu Mitgliedern derselben bestellen. DaS jüdische Vorsteheramt berief mehrere Geistliche auS dem AuSlande, um vor dm betreffenden Gemeinden Probepredigten zu halte«. In Kassel waren die Hauptkandidaten für da- Rabbinat dir Herren Roman« und Frensdorf, von denen ersterer, nachdem er zweimal Predigten gehalten, vorzüglichen Beifall einrrndete, was eine Anzahl hiesiger israelitischer Bürger veranlaßte, au daS Ministerium de- Innern eine Eingabe zu richten, worin sie den Wunsch ausdrückten, denselben zum Rabbiner firr den hiesigen Ort und Niederheffen ernannt zu sehen. Diesem Wunsche ist denn auch der Hr. GtaatSminister Hassenpflug nachggekvmmen, indem er verfügte, den Kandidaten einer vorgängigm förmlichen Prüfung in Bettest seiner Fähigkeiten und Kenntnisse zu unterwerfen und die LandeSuniversität hiermit beauftragte. Hr. Philipp Roman« ist aude« Würzburgisch,n gebürtig, und obgleich noch ein junger Mann, doch ausgezeichnet in jüdischer Gelehrsamkeit. Er hat wissenschaftliche Studien auf deutschen Universitäten gemacht nnd dm akademischen Grad eines DoctorS der Philosophie erlangt. Auch soll er hinsichtlich seiner religiösen Ansichten nicht zu dm strengen Orthodoxen gehören, sondern mit seiner Zeit fortgeschritten seyn. Da- Examen, daer in Marburg gemacht, hat dm Erwartungen entsprochen, dm man von ihm hegte; eS ist sehr glänzend au-gesallen. Auf dm Antrag de- Hr. Ministerde- Inner« ist hierauf dessen wirkiche Ernennung durch Se. Hob den Kurprinzen-Regenten erfolgt. (Ar. Jonr.)