Das Füllhorn
- Journal
- Das Füllhorn
- Volume
- II (1836)
- Issue
- 36 (2.9.1836)
- Date
- 1836-09-02
- Page
- Spalte 283-284 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/4889117-4929679-4929891--447-4889484- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
wird der auch wohl in Übung de- Guten keine Verletzungen, keine Vernachlässigungen sich zu Schulden kommen lassen? wird der wohl seine Kräfte stets dem Guten weihen? wird er nie Gelegenheit versäumen, wo er nützlich wirken könnte? wird er stets mit Freude, mit Vergnügen das Gute thuu? — O, so gibt es der Irrwege in Menge,, die den Menscheu vom Ziele seiner ewigen seligen Laufbahn, vom Ziele seiner glückseligen Vereinigung mit Gott, mehr oder minder abführen können, und allerdings hat man Ursache, den Menschen zuzurufen: Gebt Acht auf euer» Wandel! Rechnet man noch hinzu, das Verderben, das durch böse Beispiele, durch böse Gesellschaften, durch Verführungen Anderer angerichtet wird, wie dadurch so viele Schlachtopfer dem Satan zugeführt werden, wie wir cs leider jetzt in unser» Tagen täglich vor Augen sehen, sollte eS da nicht nothwendig seyn, Achtsamkeit und Behutsamkeit zu empfehlen? Die Angabe ej^D^ Mittel, diese Achtsamkeit zu befördern, wird daher^icht als überflüssig erscheinen, waS nun hier im zweiten Theile dieses Vortrages geschehen soll. N Ein vorzügliches Mittel, diese Achtsamkeit auf unfern Wandel zu befördern, ist daS fleißige Lesen der heiligen Schriften. Auch nicht einen Tag unseres Lebens sollten wir vorübergehen lassen, ohne auS dieser Heilquelle einen Labetrunk für unsere Seele geschöpft zu haben. Wir sorgen täglich für die Nah- . rung unseres Körpers, und auch nur einen Tag, wenn wir hungern, wenn wir fasten müssen, werden wir jammern und selchen; aber unsere Seele lassen wir Wochen und Monate lang ohne Nahrung, ohne Labung; wohl reichen wir ihr öfters eine Kost dar, aber eine Kost, die mehr Gift, als Nahrungsstoff enthält: verderbliche Bücher, rcligion- und fittenverderbende Schriften; das ist die Kost, die wir ihr darbieten. Das Wort Gottes aber, das wahrhaft stärkende und^ belebmde Nahrungsmittel für unsere Seele, das versagen wir ihr. »Es werden Zeiten kommen, spricht der Herr, und ich werde HungerSnoth in da< Land schicken; «ich? Hunger nach Brod, nicht Durst nach Wasser, sondern zu hören Gottes Wort." So verkündete der Prophet AmoS. Diese Zeit scheint noch nicht gekommen zu seyn: man hungert nach Brod, man dürstet nach Wasser, aber nicht zu hören Gotteswort. Wenn ich aber das Lesen der heiligen Schriften als ein Mittel der Achtsamkeit auf unfern Wandel empfehle; so ver» stehe ich nicht darunter das mechanische Lesen, wo der Geist nichts dabei denkt, und das Herz nichts dabei empfindet; ein solches Lesen wird "unserer Seele wenig Labung, wenig Stärkung verschaffen. Soll da- Lesen der heiligen Schrift unS nützlich seyn, so müssen wir die Anwendung davon auf unser Leben machen. Bei jeder Glaubenslehre, die sie uns darbietet, müssen wir unS selbst erforschen, ob dieselbe zur lebendigen Überzeugung bei unS geworden; bei jeder Pflichten lehre, die wir da antreffen, mögen wir die Frage an uns stellen, ob wir derselben gemäß denken und handeln; jedes gute Beispiel, dasie uns in der Handlungsweise -er frommen Männer aufstellt, muß uns ein Muster der Nachahmung seyn; jedeböse Beispiel ein warnendes Bild des Abscheues. So wenn wir die heilige Schrift lesen, und sie täglich lesen, muß sie den wohlthätigsten Einfluß auf unser Verhalten in Gesinnung und Wandel ausüben, und wir werden bald dahin kommen, das Schädliche in unserem Verhalten zu erkennen, und dasselbe in Kraft des Wortes Gottes zu vernichten; dahingegen im Gutm immer mehr Stärke zu gewinnen, und dasselbe zum Zielpunkt unseres Strebens zu machen. Denn, Freunde! wisset, kein Buch, es sey der, Inhalt auch noch so gut, es sey überdieß noch so künstlich und geschickt abgefaßt, als es wolle, hat die Kraft der Erbauung und der heiligen Weihe, wie diese heiligen, göttlichen Bücher. Darum machet sie zu dm Vertrauten eures Herzens, lasset sie euere Rachgeber in jeder Lage eures Lebms seyn. Dieß wird für euch von großem Nutzen in diesem und jenem Leben seyn. »Wenn du gehst, werden sie dich leitm kn dieser Welt; wenn du schläfst, werden sie dich behüten im