Das Füllhorn
- Journal
- Das Füllhorn
- Volume
- II (1836)
- Issue
- 35 (26.8.1836)
- Date
- 1836-08-26
- Page
- Spalte 275-276 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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275 ne-Tobten wegen!" sagt Mose-(5.B. 14,1.) Unser Kummer schwindet, und unsere Seufzer verstummen, wenn wir dicß bedenken, meine Brüder! Ein heiterer Strahl der Hoffnung und des Vertrauens beleuchtet und erwärmt unsre Brust; denn nun sind wir nimmer Kinder der Vergänglichkeit, nimmer Söhne der Verwesung; wir gehören einer Ewigkeit an, einer glückseligen Ewigkeit, bei Gott unserem Vater. Unser Leben hienicden ist nichtals eine Reise dahin; — "Der Geist kehrt zu Gott zurück, der ihn gab." Diese» Gedanke ist cs, meine Freunde! der uns leiten muß auf dem Wege des Lebens. Die Ewigkeit bei Gott schließt das Ziel unserer Hoffnungen in sich, sie muß demnach auch die Zielscheibe seyn, wonach wir alle unsere Gesinnungen und Handlungen hier in diesem Leben zu richten haben. Denn nicht unverdient soll jene ewige Glückseligkeit unser Eigenthum werden, nicht als unwürdige Kinder sollen wir in die Arme unseres Vaters im Himmel -zurückkehren. Unser Verhalten hier im Leben wird vielmehr den Maaßstab abgeben, nach welchem wir an jener Glückseligkeit theilnehmen. Don diesem Verhalten wird es abhängen, ob, und in welchem Maaße wir zu jenem Genüße zugelassen werden können. Darum rufe ich euch, meine Brüder, mit dem Propheten Haggal (1, 5.) zu: Gebt Acht auf eueren Wandel! Ich werde mich über diese Ermahnung näher erklären und I. die Nothwendigkert dieser Achtsamkeit zeigen, dann II. einige Mittel angeben, diese Achtsamkeit zu bebefördern. l. In keiner Sache sind wir so vielen Gefahren ausgesetzt, als hinsichtlich der Religion, der Religion, von welcher, unsere einstige Seligkeit abhängt. Zurrst ist es der Glaube selbst, der vielen Irrungen unterliegt. Gehen wir auf die Geschichte der ersten Menschengeschlechter zurück, so werden wir diese Behauptung vollkommen gerechtfertigt finden. Kein Glaube ist natürlicher und der menschlichen Vernunft einleuchtender, als der Glaube an Gott, der Glaube an das Dasein eines unendlichen höchsten Wesen-, dadie Welt erschuf, sie erhält und regiert. Und dennoch — wie wenige Menschen aus jener Vorwelt erkannten diese erste und wichtigste aller Wahrheiten! Nehmen wir Hcnoch, Noah, Abraham mit ihren Familien, und etwa noch Einige hinweg, so werdest wir sie aller«,eist in dem Schooße des gräuelvollsten Götzendienstes erblicken, von dem sie sich, mit allen seinem Unsinne nicht loswinden konnten, und ihm fest anhingen, fester vielleicht, als man je dem wahren, einzigen Gotte anhing. Gott erbarmte sich aber unser, und kam der Schwäche des Menschengeschlechtemit seiner Offenbarung zu Hülfe. Er offenbarte sich unfern Vätern in seinen vollkommenen Eigenschaften, als Schöpfte, Erhalter, und Regierer der Welt; er offenbarte sich ihnen, als ein gütiges, gnädige- und erbarmungsvolles Wesen, daS nicht den Tod, den Untergang des Sünders will, sondern seine Besserung; er offenbarte sich ihnen als ein gerechtes Wesen, daS nichts Gutes unbelohnt, und nichts Böses, dem nicht Buße und Besserung folgt, unbestraft läßt. Er offenbarte sich ihnen als ein wahrhaftes Wesen, das Verheißungen treu erfilllt. Er unterstützte diese Offenbarungen durch fortgesetzte wundervolle Thaten, die in's Leben eingriffen, und von allem Volke als außerordentliche Wirkungen Gottecrkannt werden mußten. Die Geschichte dieser Offenbarungen und dieser Thaten wurden zu unserer Belehrung und zum Heile unserer Seele in den ewigen Büchern der Wahrheit verzeichnet, und wir können von deren Wahrheit eben so sehr überzeugt seyn, als die Millionen Augenzeugen,' vor deren Angesicht sie geschahen. Und doch fallen die Müschen sehr oft mir ihrem Glauben aus der Wahrheit hinaus, und irren bald in diesem, bald in jenen» Punkte. Entweder faßt man kein rechtes Zutrauen zu den Belehrungen der heiligen Schrift, oder man gibt ihnen Deutungen, die sich nicht mit der Wahrheit vertragen. So geht ' diese göttliche Anstalt der Offenbarung für Viele verloren, und gewährt ihnen, in Absicht auf ihr ewige-