Das Füllhorn
- Journal
- Das Füllhorn
- Volume
- II (1836)
- Issue
- 33 (12.8.1836)
- Date
- 1836-08-12
- Page
- Spalte 259-260 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/4889117-4929679-4929885--432-4889472- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
2S9 fr« der heiligen Schriften ist bei ihnen nicht üblich. Einige Familie« besitzen indeß noch Grundeigenthum von 2000 bi- 1VM0 Rupie« in Werth. JhrrHeirath-ceremvnim sind, gleich denen der Hindu-, mit sehr kostspieligen Au-gaben verknüpft, waS viele junge Leute abhält, sich zu verchelichen. Sie verdoppeln die von de« mosaischen Gesetze den Juden vorgeschriebenen Tage der Hochzeirfeier. Eineder ihnnr durch ihre» alten Freibrief zugestandenen Vorrechte besteht darin, daß der Bräutigam während der vierzehntägige« Hochzeit-feste die königliche An-zeichnung einer goldene« Kette trage« darf, und daß ihnen gestattet ist, während dieser Zeit Kanonen abfeuern zu dürfen. Dieser Freibrief ist in Malpalim-Gchrist und Sprache auf Kupftr gravirt. Von fünf gleichzeitigen Königen, deren Unterschriften er trägt, hatten sie die Ertaubniß, Konvertiten machen zu dürfen. Kraft eineandern Privilegiumdürft« sie von den von ihren Vätern vererbten Grundstücken der Krone jährlich nur die Hälfte von dem entrichten, waandere Ländereien von gleichem Umfange zu zahle« haben. Werden solche Grundstücke an eine« andern einheimischen oder fremden weißen Juden verkauft, so erstreckt sich diese- Lorrecht auch auf den Käufer, erlischt aber, wenn Jemand von einer ander« Volksklaffe dergleichen Ländereien an sich bringt. Da- Alter diese- Freibriefkenne ich nicht, doch habe ich Grund zu vermuthen, daß die weißen Juden kurze Zeit vor den Portugiesen i«'- Land /amen, denn ich habe in Europa Personen mit den nämlichen Familiennamen getroffen, wie in Kotschi«, z. v. Rotenburg-, Therfake-, Aschke»azi« und Sargon- «. s. «. Di« schwarzen Juden in Kotschin und den umliegende» Dörfer«, nämlich in Arnalata, Schy« not und Malis, machen ungefähr 1L00 Familien au-. Sie habe« sechs Synagogen, zwei in Kotschin, zwei in Arnalata, eine in Schynot und eine in Malla. Die schwarzen Juden sind gute Leute und die meisten von ihn« treiben eiu Handwerk;'mit Ackerbau aber beschäftigen sie sich durchs«-«icht, ja sie lassen sogar ihre Gärte» von Hindubestelle». Die meist« sind , 2S0 > « - IVehkhaberO, urnd man findet kau« eine» Arme» unter ihnen. Aesunih, ein Schiff-bauer, gilt alsehr reich und ist in jeder Hinsicht ein achtbarer Mann, so wie überhaupt die schwarzen Juden von bessere« Eharhkter und sittlichere« Betragen sind, aldie weißen. Sie sind größtentheilgut bewandert in den hebräischen Schriften, die sie sehr geläufig i« Malya« lim übersetzen, auch leben sie, so «eit edie. Umstände gestatten, nach dem Gesetze. Sie haben weder Priester noch Leviten unter sich. Die weißen Jude« sagen von ihnen, sie ftyen Nachkömmlinge von den Sklaven, welche vor einige« hundert Jahren von einem reichen weißen Juden gekauft, zum Judenthume befthrt und gut unterrichtet in Freiheit gesetzt wurdenauf Kosten desselben reichen Manneftyen such alle ihre Synagogen erbaut worden. Die schwarze» Juden dagegen halten sich firr Abkömmlinge der Js« raeliten von der ersten Gefangenschaft, die «ach Indien gebracht wurden, und nicht mit denen znrückkchrten, welche den zweiten Tempel bauten. Ich bi« sehr geneigt'^ Lieft Tradition für richtig zu halten; denn, obschon schwarze Juden genannt, und von etwadunklerer Hautfarbe aldie weißen, haben sie doch weder die Farbe der Eiogebornen, «och jene derer, welche von indischen Sklaven abstammeu<" Statuten-Entwurf eineö PenfionS-Jnstitutefür die Wkttwen und Waisen der Rabbinen und israelitischen Lehrer de- Königreich- Bayern. (Siehe oben Nro. 25.) , Titell. Gründung und Zweck der Anstalt. §. 1. Die dermal angestellte« Rabbiner und israelit. Lehrer soll« sich, zur Gründung einer Pension-«Anstalt für ihre Wittwen und Waisen, nach gegenwärtigen, de« königl. Staat«-Ministerin» zur Prüfung mW Genehckignng vorgelegt iberheni sdßft» deu Statuttu, vereinen. '