Das Füllhorn
- Journal
- Das Füllhorn
- Volume
- II (1836)
- Issue
- 29 (15.7.1836)
- Date
- 1836-07-15
- Page
- Spalte 227-228 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- Oran 1× ep/1048048
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Aussicht auf 50 Meilen im Umkreise beherrscht, habe ich dieser Festlichkeit der Kinder Israels oft mit Vergnügen zugesehen. Durch die beleuchteten Zweige hindurch konnte man ^die aufgetragenen Gerichte und die Gesichter der Gäste deutlich erkennen, und die prachtvolle Kleidung stand oft mit sonstigen Spuren von Armuth im seltsamen Kontrast. So sah ich einvs Abends einen jungen Hebräer in zerrissenen Beinkleidern; deßwegen hatte er aber doch eine schöne Weste von rothem Sammet mit goldenen Tressen und einen gestickten seidenen Gürtel. Eine Frau an demselben Tische war ohne Strümpfe, prunkte aber doch in einem Korset von Brokat, und mit einer reichen Binde von Goldstoff um den Kopf. Die Juden bilden einen bedeutenden Theil der Bevölkerung von Oran und Bona, doch trifft man sie selten anderswo als in Handelsstädten. Zu Algier bewohnen sie die unsäubersten Häuser, und leben da so zusammengedrängt, daß wenn die Pest oder eine andere Epidemie auSbricht, unter ihnen die meisten Opfer fallen. Ein talentvoller französischer Schriftsteller, den ich ebm vor mir habe, sagt von ihnen: „Die Ratur hat ihnen Alles versagt, sogar den Math zu schlechten Handlungen." Diese Erklärung empörte mich. Sind denn die Juden auS anderem Stoffe gebildet, als wir? Es ist eine Lästerung gegen die Natur, so zu sprechen. Ein und derselbe Gott hat uns alle erschaffen, und will, daß wir Brüder unter einander sein sollen. Darf der Unterdrücker die Juden wegen Fehler tadeln, welche nur Folgen deS Drucks sind? Es muß hier bemerkt werden, daß die Juden die ehrlichsten Krämer in Algier sind, weil sie ihre Maaren zu den billigsten Preisen und oft um die Hälfte wohlfeiler als andere verkaufen. Es mögen vielleicht schon zu den ftühestml Zeiten ihrer Zerstreuung Juden nach Algier gekommen sein; die meisten von denen aber, welche jetzt daselbst wohnen, stammen von den Flüchtlingen ab, welche spanischer Versolgungsgeist bald stach den Mauren aus dem Lande trieb. Gegen Ende des vierzehnten Jahrhunderts führte Simon Ben Smia, ein Häuptling 228 feines DokkS,. ein zweiter MoseS, mit Wunderkraft begabt, (?) eine Kolonie verfolgter Juden auS Spanien. Beleuchtung des Antrags der Religionslehrer deS Rezatkreises, sie zur Abhaltung deutscher Vor, träge an hohen Festtagen in den Filial« Synagogen aufzustellen. (Fortsetzung.) Das höchste k. Staats-Ministerium, die Zeit und ihre Bedürfnisse auch in Beziehung auf die Staatsangehörigen mosaischen Glaubens begreifend, hat daher unter'm 31. August 1835 diejenigen Rabbiner, welche selten predigen, zur Vermehrung ihrer Kanzelvorträge aufgefordert. — Kann aber diesem so allgemein gefühlten und anerkannten Bedürfnisse mit den gegebenen Mitteln abgeholfen werden? Wir verneinen dies ohne Bedenken, und suchen unsere Behauptung bezüglich des Rezatkreises durch folgende Darstellung zu belegen, überzeugt, daß sich in dm übrigen Kreisen ein noch unverhältnißmäßigeres Resultat Herausstellen wird. Der Rezatkreis zählt dermalen zwölf Rabbiner und Rabbinatsverweser, von welchen sechs ediktmäßig geprüft, sechs aber, ohne eine Prüfung bestanden zu haben, belassen worden sind. Don dm ersten S will man gern zugeben, daß ihnen die Macht der Rede sattsam zu Gebote stehe, die Bescheidenheit der andem 6 gesteht aber selbst zu, daß sie darauf keinen Anspruch haben. Angenommen jedoch, auch diese sollen in ihrer Weise durch deutsche Vorträge belehren und erbauen können, so bleibm doch 70, sage siebenzig Gemeinden, die der Belehrung über Gott und Gottes Wort fast gänzlich entbehren müsst». Die im Rezatkreise vorgelegte und mit Majorität angenommene Kirchenverfassung hat zur Hebung dieses Übelstandes keine Abhülfe getroffen, es ist in ihr nirgends bestimmt, daß die Rabbiner zu gewissen Zeiten in ihren Filial-Synagogen an-Sabbath- und Fei, ertagen predigm müssen, sie überläßt dies vielmehr dem allerdings bequemem, zufälligen Dahinkommen u. s. w. Aber auch selbst im Falle darauf Bedacht ge-