Das Füllhorn
- Journal
- Das Füllhorn
- Volume
- II (1836)
- Issue
- 24 (10.6.1836)
- Date
- 1836-06-10
- Page
- Spalte 187-188 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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187 188 Meer war. Nach einigen Stunden kamen wir nach Suez, einem unansehnlichen Städtchen von höchstens 2000 Einwohnern, daetwa 1 '/, Stunden unter, halb der nördlichen Spitze des rochen Meeres aus dessen westlicher Seite liegt. Hier muß das Lager der Israeliten und der Dvrchgang gewesen sein; denn es zieht sich ein« Ebene hier von dem Ufer aunach dem Gebirge hin, die zwischen diesem und dem Meere ein gleichschenkliches Dreieck bildet und gerade groß genug ist für das Lager einer Armee, wie wir uns die der Israeliten zu denken haben. Sie hatten hier keinen Ausweg: das Gebirge, welches unterhalb die, seS Dreiecks bis ganz an's Meer hinreicht, ist so steil, daß sie sich dahinauf nicht retten konnten. Bor ihnen stand Pharao im Norde», der desselben Weges, wie sie, gekommen war; dies paßt auch ganz zu der Be, schreibung des Joscphus. Sodann ist bei Suez oder von Suez aus die Breite des Meerbusens so, daß die ganze Armee, wohlgeordnet — in einer Nacht den Durchgang machen konnte. Nachdem wir bei'« englischen Consularagenten in Suez eine Nacht logirt Hanen, ließen wir am nächste» Morgen um 4 Uhr unsere Kamele zur Zeit der Ebbe »m das Wasser herumgehen und warteten bis 10 Uhr, wo wir in einem Kahne übersetzten, der uns bei etwas günstigem Winde in 10 Minuten auf das entgegengesetzte Ufer brachte. Hier mußten wir noch Stunde warten, bis unsere Kamele bei unS waren. Dies zeigt, außer» dem, daß es diese Stelle als die des Durchgangs firirt, den Unsinn der ungläubigen Hypothese einer Passage «ährend der Ebbezeit. Ohnehin lagen bei Suez, in der Nähe des englischen ConsulatS, während ich dort war, ein paar große Fregatten deS Pascha's, die bereit waryr, zu jeder Zeit, während der Ebbe sowohl als der Fluch, die Reise auf dem rochen Meere hinunterzumachen. Hätten unsere wundersiüchtigen Reologen die Reise hier mit Pharao dm Jsrae, lite« nachzumachen die Kühnheit gehabt, so würde es ihnen auch wie Pharao-' ergangen sein. — Nachdem unsere Kamele angekommeu waren, bestiegen wir dieselben und ritten das röche Meer entlang in etwa halbstündiger Entfernung vom Ufer, biwir nach 2 — S Stunde« zu dem Ajun Muss (Mosesbrunnen) kämm, wo mehrere Palmen und einige Quellen mit mineralischem Duffer, (kann also nicht Elim (2. Buch Mos. IS, 27) sein,) sich befinden. Hier hieltm wir MittagSmähk und reisittu «ach 3 Stunden weiter. Den zweiten Abmd kämm wir nach Howara (wahrscheinlich Mara), wo noch ein kleiner Brunnen mit bittere« Wasser ist, und nach Eorandel, einem Platze voller Pakmbäume; in einiger Entfernung (1 Stunde weit von unserem Wege rechts nach dem rochen Meere hin,) gibt eS süßes Wasser, weshalb man diese Stelle ebenfalls für Elim ausgegeben hat. Aber das Wasser ist nur einen halben Tag süß, nachdem man es im Schlauche gehabt hat, darauf wird es bitter und übelriechend. (Das wahrscheinlichere Elim ist Thor am Ufer deS rochen MeereS.) Von hier an wird die Wüste sehr interessant. ES wechseln nun immer erst Kalk, dann Granitftlsm mit Thälern; man trifft so oft mit dem geschichtlichen Boden zusammen, und kann den Gedanken, man reise mit den Israeliten, nicht mehr aus dem Sinne schlagen. Die Einsamkeit der Wüste, die Großartigkeit der Gegend, die Beschwer, den dieses Reifensder Anblick der wandernden Beduinen, dmm man hier und da begegnet und dergl. sind Umstände, die sehr dazu dienen, die Geschichte demjenigen lebendig zu machen, der diesen Boden betritt.-Je näher wir dem Sinai kamen, desto mehr nahm die Vegetation zu; in den Bergen hotte der Kalk ganz auf, und nur der Granit blieb übrig, der hktr und da mit langen schmalen Adern dunkelgrünen, losen und glimmerartigen Gesteins honzontal durchschossen war. Medizinische Pflanzen san, den sich in Menge, und die Luft füllte sich mit de« lieblichsten Düsten. Besonders gab es viele Koloquin, tcn. Auch fand ich eines Morgens bei'm.Sonnenaufgang Manna an einigen Tamariskenstauden hängen, das als Gummi angeschwitzt war, und einen ange« nehmen Geschmack hatte. Hätte man aber hier sammeln wollen, so würde mau auf einer Stunde im Umkreise kaum genug gestmden haben, um einen ein-