Das Füllhorn
- Journal
- Das Füllhorn
- Volume
- II (1836)
- Issue
- 19 (6.5.1836)
- Date
- 1836-05-06
- Page
- Spalte 149-150 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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149 ISO Lagen so viel Man deiner Hütte fallen zu lasse«, dadu den > siebenten mcht darbest; — sehen würdest dni vaß nicht, weil v« jene Klage führen könnest, du aushörM müssest, Jude zu seyn; — sondern du aufgehört haben mußtest, Jude zu seyn ,—um jene Klage führe« zu können. — Der Verfasser schließt dm Brief mit folgenden Wor- ' tmi Begreife Ziel deines Lebens, begreife Jsraelpflicht, und eS schwindet alle Beschwerde, die ja in unserer Zeit nur fühlbarer geworden, weil Jsraelgeist geschwunden, — die ja zum Theil erst wirklich schwerer worden, weis auch Israels Söhne sich nicht mehr kmnm, weil auch Israels Söhne sich nicht mehr achten, — weil zum Theil auch Israels Söhne — Verletzung von Jsraelpflichten fordern. — Die Juden in Konstantinopel. <Au« Michaud'« Reisen.) Die in "Konstantinopel wohnenden Juden, 50 bis SOMO au der Zahl, stammen von den spanischen ab, welche unter der Regierung von Ferdinand und Jsabella auS dem Königreich Spanien vertrieben wurden. An dm Ufern deS Bosporus haben sie die kastitische Sprache beibehalten, deren Grandezza seltsam üut ih, rer jetzigen Lage contrastirt. Die Juden haben sich nich^vie die Griechen und Armenier in -mehreren QllM^ren dev Hauptstadt zerstreut und unter die TÜNM gemischt, sondern bewohnen ausschließlich die Quartiere von Kassa»Keuk' und Balada, an'Um beiden Ufem des Haftns, zunächst der Mündung des BarbyzeS. Hier lebt die Nation unter ihren eigenen Gesetzen, wie zur Zeit, wo sie in der Stadt David'- und Salomon's wohnten. Die Juden haben einen Rach, gesetzgebende Versammlungen, eigene Civil / und selbst Eriminalgerichtsbarkeit für jene Fälle, wo der Fiskus nicht betheiligt, und wo es sich nicht um Anwendung der Todesstrafe handelt. Sie unterhaltm auf Kosten der Raison öffentliche Wohlthätigkeitsanstalten und haben eine eigene Polizei, welche mit der Aussicht über den Kultus, die religiösen Sitten und die Vollziehung ihrer Gesetze beauftragt ist. Diejenigen, welche die israelitische Verwaltung genau kennen, haltm dafür, daß sie civilisirten Völkern zu« Muster dienen könnte. Alle Wohnungen der Judm sind grau angestrichen; die Farbe ihrer Fußbekleidung ist blau, und ans dem Kopfe tragen sie eine röche Mütze, um die ein blaues Taschentuch gewunden ist. Durch ihre Physiognomie unterscheiden sie sich von alle« übrigen Bewohnern der Hauptstadt. Es ist leicht, auf den Straßen einen Griechen, einen Armenier und einen Osmanli zu erkennen, aber ungleich leichter noch einen Judm. Die Israeliten treiben hier, wie allerwärts, dieselbe Beschäftigung: sie fteculirm mit Geld, machen bei den Kaufleuten dm^ Mäklik) bei. den Vornehmen den BaNquier oder Sarraf, und > handeln mit allen 'Arten von Waarm. Die jüdischen Weiber dringen kn das Innere des HarrmS, wo sie jedes Bedürfniß deS Geschmacks befriedigen, sich in alle Jntrkguen mischen, und z» jeder Dienstleistung sich hergcben. Alles, was wir in Europa über das Treibm in den Harems erfahren haben, ^wissen wir durch die indiskreten Mittheilungen der Mischen Wtiber, und aus diesem Grunde darf man in da- Wunderbare, was sich in gewissen Berichten findet, einige-;^ Mißtrauen setzen. Mehrere Inden von Konstantins pel sollen bedeutmde Schätze aufgehäust haben; reichere Klaffe entfaltet eine Art von Pracht, jedoö hup. innerhalb ihrer Wohnungen. In dm von unterste« Klassen bewohnten Straßen fleht man nie! ahs schmutzige Häuser und mit Lumpen bedrcfte Be ler. Die Juden der Hauptstadt besitzen einen höh Grad von Fanatismus als in andern Ländern. ,! dm Griechen haben sie einen währen Abscheu, ihrerseits verfolgen diese sie mit unversöhnlichem, Die Gesetze deS türkischen Reichebehandeln -ie den nicht mit Strenge; die Türken bezeigen ihnen wv nig Achtung; aber sie bedrücke« .sie nur durch die rohen Abgaben, weil sie von ihnen nichtzu fürchten haben. Im Allgemeinen sind die Kinder Israels in Konstantinopel weniger unglücklich, als iu viele» unserer christlichen Reich«, ohne daß sie dann« Nlmiger