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Das Füllhorn · 1836-04-22 · 17 (22.4.1836) · p. Spalte 133-134

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Journal
Das Füllhorn
Volume
II (1836)
Issue
17 (22.4.1836)
Date
1836-04-22
Page
Spalte 133-134 (sequence 3)
Language
German
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133 Mehrere Gründe veranlassen uns, diesen Bericht, wenn nicht auS übelwollender Feder geflossen, doch wenigstens als ein sehr voreiliges und wohl auch ungegründetes' Raisonnement zu betrachten. Wer sagt denn dem Berichterstatter, daß die Regierung Refor« men. versuchen wollte? formen wollte sie, nicht refor men. Die königl. Staatsregierung wollte, nach dem von ihr selbst ausgesprochenen, gewiß sehr lobensuud daukenswerthen Zwecke, der Zersplitterung und der Zerfallenheit in den kirchlichen Institutionen der Israeliten ein Zitl setzen,und die Sonnen dieser Institutionen zu siner harmonischen Einheit gestalten, die für dieselbe« nicht anders als heilbringend seyn kann. Dazu bot« auch die Versammlungen dankbar ünd freuvlg ^die Hände. Alle gingen sie von dem Grundsätze aus^ daß zeitgemäße Verbesserungen nothwendig und nützlich seien, und thaten in dieser Hinsicht Vorschläge, die sie 'nach ihrer Überzeugung für die bessern und die zeitgemäßem hielten. Am Allerwenigsten zeigten sich' di« Rabbinrn.ei« 'gensinNig, wenn man nicht das Festhalten an Punkten, die nicht Mißbräuche sind, sondern zum Wesen und hie und da zu dem Heiligsten der Religion gehören, Eigensinn nennen will. Daß die Vorschläge verschieden ausfielen, und folglich dem Zwecke der Einigung nicht entsprechen, das liegt in der Natur der Sache, insofern die Berathungen an verschiedenen Orten Statt fanden, und sonach eine Verständigung unter den einander entfernt stehenden Gliedern nicht Platz greifen konnte. Hätte es der königl. Staatsregiernng beliebt, statt Kreis- Synoden eine General-Synode anzuordnen, so wäre sicher ein sehr erwünschtes harmonisches Resultat hervorgegangen; so wie es keinem Zweifel unterliegt, daß, bei noch statthabender General, Synode, worauf wir z»s hoffe« berechtigt sind, sich die Verschiedenheiten ausgleichen, und.durch gründliche Erörterungen zu einem'Harmonischganzen einen werden. Dü Dotlautigkeit und folglich Grundlosigkeit deS erwähnten Beruhtes geht auch schon daraus hervor, daß am 1. April, dem Lage seiner Abfassung, kaum - ' 13noch die Men der fämmtlichen Kreisregierungen an daS königl. Staatsministerium gelangt seyn, noch weniger aber Resultate hieraus gefaßt werden konnten. Die Folgen, die endlich der Berichterstatter aus seiner Angabe ziehen will,'scheinen vollendungereimt. Die Grundsätze der israelitischen Religion stehen keineswegs dem Staatszwecke entgegen. Eine Religio», die die Ehrfurcht vor dem Könige der Ehrfurcht vor Gott an die Seite setzt; eine Religion, die ausspricht, daß Staatsgesetze Religionsgesetzen gleich zu achten seien; eine Religion, die ihren Anhängem gebietet, selbst da, wo ihnen nur momentaner Aufenthalt gegön« net ist, daS Staatswohl auf jede mögliche Weise zu befördern; «ine Religion endlich, die gebietet: Liebe Gott über alles, liebe deinen Nächsten, liebe den Fremden wie dich selbst, eine solche Religion möchte doch werth seyn, daß man ihren Bekennem die Rechte angedeihen lasse, die ihnen schon vermöge der Ueber, nähme der Pflichte« gebühren. Möge immerhin die Form deS Gottesdienstes noch der Ausbesserung bedürfen , daS wird sich schon machen. Gehen ja bei andern Konfessionen Abänderungen im Kultus auch nicht so leicht! WaS hat die neue Agende in Preußen für Bewegungen und Kämpfe verursacht! Genug: man predigt jetzt deutsch und verständlich, man fühlt sich geneigt, auch deutsche Gesänge und Gebete einzuführen, man räumt auch gern die Wegschaffung so mancher ungeeigneter, in dm Zeitm der Verfolgung von Privat« verfaßter, und überdieß den Nichtgelehrten ganz unverständlicher Gebete ein. Kann wohl ein Billigdenkender mehr fordern? — Und — fragen müssen wir noch: Stehen wohl die Israelit« kn Bayern dm« in Frankreich, Holland und Belgien, hinsichtlich der bürgerlich« Bildung und der religiösen und sittlich« Aufklärung, nach? Keineswe, ges. Und doch genießen jene seit langer Zeit die vollen Rechte der Staatsbürger, und beweis« durch die That, daß sie der« würdig sei«. Durch die erwähnte Schlußfolge gibt der Berichterstatter nur zu deutlich seine Absicht zn erkennen, die, wie wir hoffen, in ihr Nichtzerfall« wird, «che«

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