Das Füllhorn
- Journal
- Das Füllhorn
- Volume
- II (1836)
- Issue
- 16 (15.4.1836)
- Date
- 1836-04-15
- Page
- Spalte 123-124 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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123 124 ist, Lust und Liebe für einen gewissen Schwindelgeist zu erwecken. Sie haben nie vergessen, daß sie Gäste in diesem gastfreien Abendlande sind, und für eine Schmach würden sie es halten, die Sitten der Völker zu vergiften, welche ihnen eine Heimath gewährt, oder die Fürsten zu verhöhnen, welche großmüthig ihren Glauben und ihre Schätze beschützen. Sie wissen aber auch aus ihrer eigenen Geschichte, wie tief der Glaube und die Sitte der Väter, wie tief Liebe zum Daterlande und zu den Gesetzen der Ahnen in der Menschenbrust waltet, als daß sie nicht über das thörichte Beginnen derjenigen zürnen sollten, welche mit Floskeln tausendjährige Säulen einstürzen wollen. Von diesen Juden ist nie ein Wort des Frevels ausgegangen. Sie tragen mit Ergebenheit die Schmerzenslast, und sie harren ^ruf die Erlösung, welche ihnen verheißen ist, und welche sie wahrlich nicht aus den Händen gewisser Leute empfangen möchten. Ihre Rabbi« - nen und Häupter haben sich zur Genüge gegen ein provocirendes Treiben ausgesprochen und zur Stille ermahnt. *) Auch sie trifft nicht das harte flrtheil. — Es bleiben nur diejenigen Juden übrig, welche behaupten, eine neue Religion ließe sich eben so fabriziren, wie ein neuer Journalartikel, und welche das mächtige Judenthum mit dem Narrenthume vertauschte». Sie warfen sich zu Stimmführern ihres Volkes auf, dessen edler Theil von ihnen Nichts wissen mag; sie gingen so weit, noch alsdann die Interessen der Juden vertreten zu wollen, nachdem sie sich von ihnen äußerlich losgesagt und theilweise aus geistreichen.Juden nichtsnutzige Christen geworden waren. Die Juden/ im Ganzm und Großen, haben wahrlich nicht Pas zn vertreten, was einzelne unberufene Geister ihres Ursprungs zu Markte bringen. Den letzteren, von denen wir glauben, daß sie die Interessen ihres Volkes im Auge haben, möchten wir Folgendes andeuten: Zu Zeiten umlagert .rin getrübter Sinn die Nati-nen, und sie lauschen und horchen .alSdäNN auf die Worte und Grfange derjenige«, welch« ihr« Heiligthümer schän- *) Drrgl. Talm. Traktat Kethuboth Fol. 111. G. 1. D. Red. I den, ihre Fürsten besudeln und ihre größten Geister herabwürdigen. Aber der Wahnsinn der Völker währt nicht lange; der gute Geist kehrt wieder, kehrt siegreich wieder. Alsdann rächyt sich die Nationen an denen, welche ihr Edelstes und Heiligstes beschimpft. — (Franks. O. P. A. Z.) ' > - ... - .. . R h e i n b a y e r n:' Wir lieferten in der vorigen Nummer einen ander allgemeinen Zeitung entnommenen Bericht über die Synode der Israeliten des Rheinkreises. Ein später in der Didaskalia Nro. 96. u. 97. erschienener, ausführlicher und mehr Licht über die Sache verbreitender Bericht vom 19. März möge uni so mehr hier Platz finden, als derselbe von einem Synodal-Mitgliede verabfaßt, rmd daher auch verlässiger ist. «So eben von der Versammlung der israelitischen Abgeordneten des RheinkreiseS in Speier zurückgekehrt, beehre ich mich, Ihnen für Ihr vielgelesenes Blatt.einige Mittheilungen hierüber zu machen, die Ihnen um so willkommener seyn dürsten, da dieser Gegenstand in öffentlichen Blättern vielfach besprochen wurde, mancherlei widersprechende Urtheile darüber erklungen waren, und die neuesten Berichte der »Speyerer Zeitung" so Verworrenes und Widersprechendes enthalten, daß wohl wenig« Leser sich dadurch befriedigt fühlen, »per« den. Im Interesse der Sache und des Publikumfühle ich mich also zu folgendem Berichte verpflichtet, dessen vollkommene Ächtheit ich verbürge. Zur Sache? -De«. 7» d. versammelten wir, uns in der. Kreishauptstadt, 96 an d«r Zahl, nemlich fl edirtmäßig geprüfte Rabbiner, 22 öffentlich angestrllte Lehxer und 70 Abgeordnete der verschiedenen israelitischen Cultus- Gemeinden des Kreises.. Herr Sieß, Regierungsrath und Präsident des Eonsistoriums für den Rheinkreis, «in Mcknnder mit der näthigen Sachkenntniß de« besten Willen, die, reinst« Humanität und den schönst« Sinn für ächte Religiosität verbindet, war zum königl. Commiffär bei der Versammlung ernannt und eröffnet« dieselbe am S. mit einer gehaltvoll« Rede, in welcher