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Das Füllhorn · 1836-04-15 · 16 (15.4.1836) · p. Spalte 125-126

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Journal
Das Füllhorn
Volume
II (1836)
Issue
16 (15.4.1836)
Date
1836-04-15
Page
Spalte 125-126 (sequence 3)
Language
German
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125 1LP er die wohlwollenden Gesinnungen der königl. Staats, rrgierung gegen die Bekenner der mosaischen Religion berührte, und sich dann mit vieler Salbung über die Bedeutsamkeit des in unserer Zeit hin und wieder so sehr mißkannterr Wortes „Glauben" aussprach, wobei er sich häufig der Worte deS Vr. Steinheim, Predigers zu Altona, in seiner Schrift: „Die Offenbarung rc., ein Schiboleth sür rc." bediente, gleich dem er mit den Worten des Predigers: „Es ist eine Zeit des Sammelns und eine Zeit des Zerstreu ens„ begonnen hatte. Ihm entgegnete in einer kraftvollen, sreisinnigen Rede der Hr. Rabbiner Merz aus Neustadt, der sich über den von der Versammlung einzuhaltenden Gang aussprach und darthat, daß Verbesserungen in der israelitischen Kirche Noch thuen, daß Gottes Wort zwar unangetastet bleiben müsse, aber Menschen-Satzungen durch Menschen auch wiederum aufgehoben werden könnten rc. ... Das erste Geschäft der Versammlung war die Wahl der vier Ausschüsse für Beantwortung resp. Bearbeitung der von der königl. Staatsregierung vorgelegten vier Fragepunkte. Jeder Ausschuß sollte aus 1. Rabbiner, 2 Lehrern und 3 Notabel» begehen; die Versammlung zog es jedoch vor, für den ersten und Dritten Punkt 5 Notabeln zuzuziehen. - „, Der erste Ausschuß hatte zur Aufgabe: Eine genaue Angabe der Glaubensartikel, resp. Grundwahrheiten, der israelitischen Religion — und stellte zur Lösung dieses Punktes die 13 von Maimomdes verfaßten Gnmdartikel auf, mit freisinniger uüd vernunftgemäßer Erläuterung des 9. und 12. Artikels, die Unveränderlichkeit des Gesetzes und den Glauben an einen Messias betreffend, in ersterem die unveränderte Ausübung der schon bestehenden Gebote, in letzterem eia Reich der Tugend,und der Veredlung des Menschengeschlechts'verstehend. (Vergl. I. Johlson: die Lehren der-mosaischen Religion, Seite 46 und 95.) Rach einigen' lebhaften Debatten, in welchen jedoch blos daS Unlogische in der Anordnung der 13 maimonidischen Artikel hervorgehoben wurde und die drei, jene völlig einschließenden, deS Rabbi Joseph Albo verfochten wurden, entschied.sich die Versammlung mit bedeutender Majorität für den Antrag des Ausschusses. Aufgabe des zweiten Eomite'S war: Aufzählung der zur Zeit beim Religionsunterrichte im Rheinkreise gebräuchlichen Religionsbücher und Einführung eines allgemein zu gebrauchenden Lehrbuchs bis zur Erscheinung-eines für Pie, Israeliten des ganzen Königreichs gültigen Religionsunterrichts. Die bisher gebrauchten Lehebücher beschränken sich auf das von I. Johlson, vr. A. Behr, Bensev und — in Einer Schule — das von Büdinger. Der Ausschuß entschied sich für'S Ersiere, sowohl seines bestem Gehaltes wegen, als auch, weil eS bereits im größten Theile des Kreises eingeführt sey. Auch hierüber entspann sich eine ziemlich lebhafte Debatte, in der fast alle Lehrer das Wort sür das Jyhlson'sche Buch nahmen, welchem drei Lehrer pnd wenige Notabeln das Behr'sche entgegenstellen wollten^ ohne in Abrede stellen zu können, was von den meisten Lehrem auf's Schlagendste hervorgehoben wurde, daß letzteres vieles Fremdartige, Unpassende, Mangelhaste, Fehler sogar enthalte. Mit großer Majorität sprach sich sodann die Versammlung über die Einführung, resp. Beibehaltung des Johlson'schen Religionslehr- und Gesang-Buches auS. In derselben Sitzung entschied sie sich auch über die Errichtung sogenannter Bezirksschulen, — daß nemlich mehrere kleinere, nicht sehr bemittelte Cultgemein« den Eine öffentliche Schule bilden sollten, — und beschloß, die königl. Regierung zu bitten, solche zu veranlassen und zu bewerkstelligen. Dem zweiten Ausschüsse war auch die Frage zur Bearbeitung übergeben: Kann den an dm Studien- Anstalten befindlichen Jsraelitm, Behufs der schriftlichen Ausarbeitungen, Dispensation vom Verbote des Schreibens am Sabbathe ertheilt werden? Der Berichterstatter dieses Comitö'S, Herr Rabbiner Eohen in Kaiserslautern, hatte — sicher« Vernehmen nach — einen lichtvollen tüchtigen Aussatz 7

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