Das Füllhorn
- Journal
- Das Füllhorn
- Volume
- II (1836)
- Issue
- 15 (8.4.1836)
- Date
- 1836-04-08
- Page
- Spalte 117-118 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4889117-4929679-4929851--347-4889405- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Wir haben kein eigenes Land, kein eigenes Reich mehr, und können daher jene Pflichtend die in Bezug auf daS verheißene Land gegeben sind, nicht buchstäblich erfüllen. Wir erkennen aber daraus den Willen GotteS, daß wir wohlthätig und mildthätig gegen HülfSbedürftige scyn sollen. Und dieß können wir auch in unserer jetzigen Lage und unter jedem Verhältnisse. Können wir dem Fremdling, der zu unS kommt, keine bürgerliche Niederlassung gewähren, keine Rechte einräumen, weil wir selbst in dieser Hinsicht von Andern abhängen, so können wir dem Fremdling doch wenigstens freundlich begegnen, und, wenn er dürftig ist, doch mit einer kleinen Gabe bcistehen, und ihn nicht mit schiefen Augen ansehen, weil er fremd ist. Sind ja auch wir, sind ja alle Menschen nur Fremdlinge hier aus Erden. (3. Mos. 25,24.) Wir kommen von einem unbekannten Lande, gehen in ein unbekanntes Land zurück, und weilen nur eine Zeitlang auf dem Erdboden, den wir nicht erschaffen, dm wir nicht mitnehmen, der nur Gott gehört. — Können wir die Dürftigen nicht theilnehmen lassen an unserem Feldertrage, so können wir sie doch theilnehmen lassen an dem HauSertrage. Ist dieser weniger als Einkommen zu betrachten, als jener? —? Gott hat uns aus Egypten befreiet, dort warm wir arm und dürftig; er führte uns aber nach der Erlösung in ein Land, daS ison Milch und Honig überfloß; der Reichere sollte NM da an die frühere, dürftige Lage zurückdenken, und auch schon deßwegen seines ärmeren Bruders nicht vergessen, er sollte von seinem Überflüsse ihm mittheilen, und nicht gerade am Vorabend deS Paffahfestes, sondern zu jeder Zeit sagen: --Wer hungrig ist, der komme und esse." Die Reicheren der Jetztzeit habm nicht minder Ursache, mildthätig gegm Arme und Dürftige zu seyn, und auf frühere Zeiten zurückzudenkm. Habt Ihr Euer Vermögen, Euer« Überfluß mit auf die Welt gebracht? Ihr habt Euch des Segens Gottes zu erfreuen in Euerem Gewerbe, in Euer» Geschäften, in Euer» Untemehmungen, je nun, so verschaffet Euch damit einm bleibenden Segen, erfreuet damit daS schmachtende Herz des Nothleidendm, der Bedrängten, der Betrübten, zeiget, daß Ihr würdige Besitzer desselben seyd; zeiget, daß Gott seine Gaben kn rechte Hände gelegt, die eS verstehen, sie gut anzuwmdm. Diese Pflicht liegt Euch besonders ob an den Fest« Md Feiertagen. An diese« soll Niemand darbm. Niemand trauern, Niemand bekümmert seyn. Ihr selbst aber werdet noch so vergnügt an denselben seyn könnm, wenn Ihr daS Bewußtseyn kN Euch traget, das Euere zum Vergnügtseyn Anderer — namentlich dürftiger, hülfloser Menschen beigekr» gen zu habm. O, das ist ein seliger Genuß, selige,', als der Genuß der besten Speisen und Getränke! Wenn Ihr aber saget: --Wer hungrig ist, der komme und esse,-- und sperret die Thüren Euerer Wohnungen zu, daß ja kein Armer eS für Ernst verstehe; bann — dann habt Ihr das Gesetz nicht verstanden, nicht evsüllt, Ihr habt nicht dm Pflichten genüget, die Euch , die göttliche Erlösung auferlegt. So gibt es noch viele andere Pflichten und Tugenden , meine Brüder, wozu uns das Fest der Erlösung, nach dem Worte Gottes, veranlassen soll. Mögen aber diese aufgezählten schon genügen! Möchten wir nur einstweilen diese beherzigen und üben! Wir , würden ein Fest feiern, welches Engel beneiden würden. Das ist es, was ich Euch wünsche, meine Geliebten, zu dem bevorstehenden Feste. Besseres könnte ich Euch nicht wünschen. Die Erfüllung des Wun- ' sches liegt in Euer» Händen. Wählet das Gut»! Gott aber erkrästige Euren Willen zum Gutm, erfreue Euch, segne und beglücke Euch. Amm. Aus Rheinbayern, 18. März. Die Synode der Israeliten des Rheinkretses dürft i te, sowohl der großen Anzahl unserer Judm, als auch s ihrer von dem jenseitigen wesentlich abweichenden Ver- . hältniffe wegen, ziemlich allgemein das Interesse der k Regierung und deS Publikums in Anspruch nehmm. Das königl. bayerische Gouvernement, welches einfach 1 die Ansicht der Elite der Judm über die der Versammlung vorgelegtm Fragepunkte (die nemlichm wie die '