Das Füllhorn
- Journal
- Das Füllhorn
- Volume
- II (1836)
- Issue
- 15 (8.4.1836)
- Date
- 1836-04-08
- Page
- Spalte 115-116 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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115 Gott, welcher, uns damals half, kann unS und Jeden von uns da, wo unsere Kräfte zu schwach sind, a«S den Drangsalen erretten, wenn wir unS vertrauensvoll zu Ihm und seine Hülfe wenden. Noch in den letzten Augenblicken gaben die Israeliten ihre Sache verloren. Die Gefahr war groß, war nahen der Feind war hinter ihnen, das Meer vor ihnen — wo Rettung? Sie verzweifelten und stießen Worte aus, die ihnen die Verzweiflung eingab, weil sie Gott noch nicht genug kannten. Aber Gottes Hülfe war näher, als sie dachten. Die Gefahr mußte kommen, um die Hülfe vollkommen zu machen, um die Vernichtung des Feindes und die Rettung der Israeliten zu gleicher Zeit zu bewirken. »Bleibet ruhig, und sehet die Hülfe Gottes!» rief ihnen Moses in jenem gefahrvollen Augenblicke zu. Und sie sahen die Hülfe Gottes, wenn gleichwohl sie bis zum Augenblicke der Entscheidung keine Ahnung davon haben konnten. So kann man auch jedem Unglücklichen, jedem Verzweifelten zurufen: Bleibe ruhig in Gott Und warte seine Hülfe ab. Solange der Mensch nicht Gott verlörest, solange hat er Nichts verloren; seine Hülfe erwächst ihm oft aus seinem Elende, und auö der Gefahr erblüht ihm oft seine Rettung, solange er an Gott hält, und sich nicht selbst um das Köstlichste, was er besitzt, um Glaube und Vertrauen und Tugend bringt. — Vergessen wir Gott nicht, fassen wir Muth und Vertrauen zu Ihm, so soll uns die Geschichte der Erlösung auch zur Heiligkeit hknleiten. »Ich bin der Ewige, der euch herausführte aus dem Lande Egypten, daß ich euer Gott sey; so seyd heilig, denn ich bin heilig,» jprach Gott zu den Kindern Israels, nach jenem Auszuge. Gott will seine Woklthaten nicht an Unwürdige gespendet haben. Hat Er sich eine Nation erkoren, die Er vorzüglich die Sei ne nennt, hat Er ihrenthalben Wunder und Zeichen gethan, und ihre Verfolger vernichtet, so will Gr auch, daß sie das Mittel sey, wodurch Sein Name, Seine Ehre und Seine Erkenntniß verbreitet, und die Tugenv und Gerechtigkeit auf Erden vermehrt werde. Heiligkeit der Gesinnung und de- Wandels, > das ist nun daS Höchste, was von dem Menschen gefordert werden kann. Es liegt darin der Jnbegr aller Tugend. Und diese fordert Gott von dir, Jsraelite! Deine reine Gesinnung muß dich vor Gott, und dein reiner Wändet vor Menschen rechtfertigen, daß du würdig seyest, Jsraelite genannt zu werden, würdig der hohen Bestimmung, die dir Gott anwies Du sollst heilig seyn, weil Gott, dein Schöpfer, Erhalter und Beschützer, heilig ist; also weil Er die Heiligkeit liebt. Was Gott liebt, das muß auch deiner Liebe würdig seyn. Gott hat dich erlöset, Er hat deinen Geist frei gemacht, so soll er auch frei bleiben, frei von allen Einflüssen der Leidenschaften, und der bösen, unreinen, uoheiligen Begierden; frei von alle» Irr-- und Aberglauben. Deine politische Freiheit kam dir geraubt werden, ist dir geraubt worden. Aber die Freiheit deines Geistes und Herzens, deine Standhaftigkeit im Glauben und in der Tugend, diese kam Niemand dir entreißen, diese soll dein Eigenthum bleiben, und dich deinem Gotte und deinem ewigen Helle uäher bringe». - > . Daraus geht von selbst die weitere Pflicht hervor, die uns die heilige Schrift im Hinblick auf jene Erlösung auferlegt, nemlich wohlthätig und wohlwollend gegm verlassene, schwache, arme und hülflose Menschen zu seyn. »Den Fremden sollst du nicht drücken, denn ihr kennet die Empfindung des Fremdlings. Gleich dem Einheimische» soll euch der Fremdling seyn, der bet euch weilet, du sollst ihn lieben, wie dich selbst; denn Fremdlinge wäret ihr im Lande Egypten; ich der Ewige, euer Gott." (K B. Mos Kap. 23. V. IS.) So befiehlt auch die heil. Schrift, daß wir die Nachlese in de« Feldern, den Weinbergen, und an den Ölbäumen, den Fremden, den Waisen und den Wittwen überlassen sollen, daß wir gegen dienende Personen mildthätig seyn sollen, mit dem Beisätze: »Du mußt eingedenk seyn, daß du Sklave wärest im Lande Egypten. Der-Ewige, dein Gott, hat dich daranerlöset, dar»» befehle ich dir, dieß zu thun.»