Das Füllhorn
- Journal
- Das Füllhorn
- Volume
- II (1836)
- Issue
- 15 (8.4.1836)
- Date
- 1836-04-08
- Page
- Spalte 119-120 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4889117-4929679-4929851--348-4889406- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
120' jenseits zur Sprache gebrachten) zu erfahren wünschte, enthielt sich jeder Einwirkung, und beschrankte sich ausschließlich darauf, daS Ganze in seinen formellen Verhältnissen zu leiten. Am 8. d. wurden die Sitzungen zu Speyer eröffnet; 96 Mitglieder waren gegenwärtig, größtentheils auS der Elasse der Notablen, dann etwa 20 Lehrer und die vier Bezirksrabbiner. Gleich in der ersten Sitzung erhoben sich heftige Streitigkeiten zwischen denen, welche in einige Reformen willigen und jenen, die fest am Alten halten wollten. Obwohl diese von Rabbinern auSgegangene ärgerliche Zänkerei einen sichtlich bösen Eindruck hervorbrachte, so hegte man doch allerseits noch die besten Hoffnungen. Dieselbe« wurden durch die, allerdings unwesentlichen Resultate der ersten Sitzungen wenigstennicht geradezu vernichtet. Andergestalteten sich aber die Sachen in den letzten Tagen, als die Hauptpunkte zur Berathung kamen. Die Frage: ob den israelitischen Schülern an den lateinischen Schulen und Gym- «aflen erlaubt seyn solle, am Sonnabend zu schreiben? ward von allen Stimmen gegen zwei, theilS unbedingt, theils auS dem Grunde verneint, weil die Versammlung nicht kompetent sey, darüber zu entscheiden. Eine weitere Frage: ob solches den Ärzten, Soldaten, Staatsdienern und allen Übrigen, so ferne eS da- Wohl des Staateerheische, zu gestatten sey? wurde bejaht. Weitere Beschlüsse gingen dahin: die königl. Staatsregierung zu bitten, daß für solche israelitischen Gemeinden, welche für die Errichtung eigener Schulen zu wenig Angehörige zählen, auS der Vereinigung mehrerer solcher Gemeinden sogenannte Centralschulen gebildet werden möchten. Sodann: In so lange kein Religionsbuch für das ganze Königreich eingeführt sey, möge daS Johlsonsche Lehrbuch beibehalten, oder wo solche--Hoch nicht geschehen, eingesührt werden.— ES ward anerkannt, daß'noch viele unzweckmäßige und ungeeignete Gebete eingeführt ^eyrn, nur lehnte eS die Versammlung ab, dieselben speziell zu bezeich «en und abzustellen. WaS die Frage wegen Ordnung de- Kultus betrifft, so suchte man dieselbe durch eine Synagogen-Ordnung zu erledigen, die sich auf harein Polizeiliche beschränkt. — Gestern Nachmittag ward die Schlußsitzung gehalten. BemerkenSwerth ist, daß nun alle Theile entschieden unzu- - frieden mit den Resultaten ihrer Berathung in ähre . 3-> Gemeinden zurückkommen. (A. England. Ein Schreiben in der allg. Zeitung auS Berlin enthält, in Bezug auf die englische Thronrede, unter Andern Folgendes: DaS KönigSwort, daS ip der Thronrede durch die Welt erklungen ist, verheißt auch den letzten Einlaßfordernden ein Obdach und eine Stätte. Da sie den Katholiken und'Dissenters, vielleicht mit wenigen im Auslande minder bekannten Ausnahmen, gewährt ist, so ist sie somit den Juden auf da- Feierlichste verheißen. Das Unterhaus hat ihre-Gleichsteslung bereits ausgesprochen, daS Oberhaus wird sie auch diesmal zurückweisen. Man erlaube uns eine Bemerkung. Die jüdische Frage wird niemals dm Charakter drohender Nothwendigkeit annehmm, wie die katholische, weil die Juden politisch unmächtig sind. Diejenigen LordS, die zur Gerechtigkeit sich zwingen zu lassen gewöhnt sind, täuschen sich daher in ihrer Berechnung. Sie werden nicht gezwungm werden, sollten doch aber die Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, einmal aus freiem Antrieb zu handeln und, wmn auch nachträglich, einem großen Prinzip zu huldigen, daö seine Sonne scheinen läßt über LordS und über Gemeine. — Nordamerika. Ein jüdischer, arbeitsfähiger und arbeitSlustiaer Bäckergeselle auS Bayern, der zehn Jahre in Deutsch, land und dm angränzendeN Ländern hermnlief, nur sehr selten Arbeit erhielt, und auf solche Weise nicht einmal sein Brod verdienen konnte, wanderte im vew wichenen Sommer nach Nordamerika. Derselbe schrieb nun nach Hause an seine Aeltern, daß er sogleich nach seiner Ankunst dortselbst in dem Hause eines BäckerS zu PererSburg als Geselle Unterkunft fand, und ^monatlich, nebst freier Kost, Wäsche und LogiS, vierzig Gulden Lohn erhalte. Gesegnetes Land der Freiheit und deS Erwerbe-! Redigirt von Rabbiner S. W. Rosenfeld. — Gedruckt in der Fr. Humannlchm Buchdruckern