Das Füllhorn
- Journal
- Das Füllhorn
- Volume
- II (1836)
- Issue
- 15 (25.3.1836)
- Date
- 1836-03-25
- Page
- Spalte 99-100 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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diese Erscheinungen Lufferst selten bei den Juden, und in einem weit geringem Verhältnisse, als bei andern Konfessionen Vorkommen. Sind sie Ehebrecher, Aelternvcrächter, Trunkenbolde, Verschwender? Auch darin werden sie eine sie nicht entehrende Vergleichung mit Andern aushalten können. Worin besteht denn ihre Verworfenheit? Sie gewinnen gern? Das verschmähen Andere auch nicht. Sie schachern gem? Da stehet der Jude allerdings im Schatten verhältnißmäßig mehr als Andere. Man öffne ihm aber die Bahn der Ehre und Freiheit, wie andem Bürgem — und auch dieser Schatten wird bald fliehen. Man darf jetzt schon dreist die Behauptung aufstellen, daß in den Ländern, in welchen sie die Bürgerrechte auch nur zum Theile genießen, die Wucherei bei ihnen ziemlich abnahm, und sich hie und da nur noch bei einer kleinen Anzahl erhielt, die leider aber immer, wenn von Berechnung der Moralität der Judm die Rede ist, den Maaßstab für das Ganze abgeben. Es heißt da nicht, dieser oder jener Mann oder Jude hat betrogen, wie es bei Vergehen» und Verbrechern aus anderen Konfessionen der Kall ist, sondern man sagt, nach altem löblichen Herkommen, die Juden haben betrogen. Ja selbst die Behörden, die nur Gelegenheit haben, die Wucherer kennen zu lernen, indem diese am Meisten die Gerichte nöthig haben, von dem Thun und Lassen des bei Weitem größem, gerechtem Theiles aber durchaus keine Kennmiß besitzen, werden in ihrm Berichten über den moralischen Standpunkt der Juden immerhin diese ihnen bekannten wenigen Wucherer vor Auge« haben, und nach diesem Schattenrisse das Bild des Ganzm entwerfen. Ein Umstand, der leider sehr wehe thut, und die Juden bei den höhem und höchsten Staatsbehörden gewöhnlich in ein sehr gehässiges Licht setzt.— Was dem Juden mit mehr Wahrheit und in größerer Ausdehnung zum Vorwürfe gemacht werden kann, ist dieses, daß er weniger zu leben verstehe, als der Christ; die schöne Manier des Lebens, die bescheidene, gefällige und schickliche Art und Weise des Umganges, wie sie bei dem Christen angetroffen wird, fehlt selbst vielen gebildeten Judm, und macht sich auf eine sehr auffallende Weise sogar — im Gotteshause bemerklich. Es ist dieser Umstand wichtiger, als man denken sollte, (vergl. Aboth a. m. Stel, len; Beachoth 17; u. 63; Vajikra Rabba Kap. 9.) wenn er gleichwohl nicht zum Vergehen oder Verbrechen erhoben werden kann, und dessen alsbaldige oder allmählige Verschwindung wäre gewiß sehr wünschens« werth. — Dem sei, wie ihm wolle, eine Verworfenheit der Israeliten wird schwerlich sich darstellen lassen; ihre Tugenden werden ihren Fehlern noch immer die Wagschale halten. — Daß sie nicht verworfen wur- - den, bei den ungeheuren Mißhandlungen und Verwahrlosungen, die sie eine so lange Reihe von Jahren hindurch erfahren mußten, — daran erkennt man die große Macht der Religion, der sie mit aller Innigkeit anhingen, die sie vor dem moralischen Verderbm sicherte, und die Liebe zu so vielen schätzbaren Tugenden, die auch ihre Widersacher nicht in Abrede stellen könnm, in ihnen rege erhielt. R—d. Mittheilungen über die Verhältnisse der Israeliten im Fürstenthume Birkenfclv und in einigen andern Staaten des Auslandes. Jüngst fand ich Gelegenheit, einige Tage im Umgänge eines sehr achtungswerthen, gebildeten Mannes aus dem Fürstenthume Birkenfeld (Großherzogthum Oldenburg) zu verleben, und im Versaufe des Gespräches, das sich größtenteils auf die Verhältnisse der Israeliten sowohl des Inals des Auslandes bezog, ' theilte er, der durch häufige und weitausgedehnte Geschäftsreisen sich mit dergleichen Verhältnissen vertraut gemacht hatte, so manches Bemerkenswerthe mit; in's, besondere über die Verhältnisse der Israeliten seines Vaterlandes, was ich hier in Kürze mittheilen will. Im Großherzogthume Oldenburg, und also auch im Fürstenthume Birkenfeld genießen die Israeliten seit der französischen Acquisition völlige, unbeschränkte Bürgerfreiheit; sie sind in allen Rechten und Genüssen ihren christlichen Mitbürgern gleich gestellt. Sie