Das Füllhorn
- Journal
- Das Füllhorn
- Volume
- II (1836)
- Issue
- 12 (18.3.1836)
- Date
- 1836-03-18
- Page
- Spalte 93-94 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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V3 V4 ftlben, in den Synagogen gesungen und gebetet wordm. Inhalt und Gegenstand dieser Lieder ist Gott, seine Offenbarung in seinen Werken und in seinem Worte, seine Führungen des Menschengeschlechts tm Ganzen und Jsrael's insbesondere, die Bestimmung des Menschen und seine Pflichten. Es ist nicht leicht eine religiöse Empfindung, die wir nicht in diesen Ge-' sangen in der schönsten und feurigsten Sprache ausgedrückt finden, und es gibt nicht leicht eine religiöse oder moralische Wahrheit, welche nicht Gegenstand irgend eines Liedes wäre. Der Zweck dieser Gesänge war kein anderer, als die Erkenntniß und Verehrung eineeinzigen und wahrm Gottes zu erhalten und zu verbreiten, heilige Empfindungen und fromme Entschlüsse zu befördern, Trost, Hoffnung und Freude zu gewähren. Und keinen anderen Inhalt und keinen anderm Zweck haben auch die Gesänge, welche in dieser Sammlung enthalten sind. Eine große Anzahl derselben sind nichts Anderes, als verdeutschte und in Verse gebrachte Psalmen, und die übrigen sind ganz nach dem Muster dieser heiligen Lieder gedichtet. Gott, sein Wesen und sein Wille, der Mensch und seine Bestimmung und seine Zukunft, das sind die Gegenstände, welche in den Liebem dieser Sammlung in einer dem religösen Gefühle zusagenden Sprache besungen werden. Und so wie ihr Inhalt, so ist auch ihr Zweck kein anderer, als der der Psalmen. Die Erhaltung und Verbreitung unserer Religion, die Erweckung heiliger Empfindungen, die Beförderung der Eintracht und Bruderliebe, so wie der Tugend überhaupt, das ist es, was durch sie, besonders bei unserer Jugend, erreicht werden soll. Und daß diese Absichten durch diese Gesänge erreicht werden können, davon kann sich Jeder leicht überzeugm, der sie mit unbefangenem, frommen und gottergebenem Sinne singt oder auch nur liest. Sie unterscheiden sich da- _her — weinte wir von dem noch immer unerreichten Schwünge der Glaubensinnigkeit und der erhabenen Würde der Psalmen absehen, — im Uebrigen von diesen weder durch den Inhalt, noch durch den Zweck, sonder« einzig und allein durch die Form, oder besser durch die Sprache, da sie in deutscher Sprache, während jene in der hebräischen verfaßt sind. Allein wir dürfen nicht vergessen, daß Mose- und David, so wie alle übrigen heiligen Dichter des Alterthums, Hebräer waren, nur hebräisch sprachen , und für solche ihre Lieder dichteten, die nur hebräisch verstanden, daß wir zwar Israeliten, aber deutsche sind, die in der großen Mehrzahl nur deutsch verstehen, und in jedem Falle nur in der deutsche« Sprache erbaut und belehrt werden können. Selbst das hebräische Gebet müssen wir ja erst in Gedanken in unsere Muttersprache übersetzen, wenn eS uns erheben und erbauen soll. Beweises genug, daß nicht das tobte Wort, sondem der lebendige Geist eS ist, der das Gemüth hinauf zu Gott erhebt, und de« Menschen zu Gott führt. Wie aber nur die wenig, sten Israeliten dieses zu thun vermögen, wie die meisten von dem Hebräischen nichts weiter verstehen, als das Lesm, aber in dem Wahne stehen, wenn nur da- Wort ausgesprochen ist, ob es verstanden oder nicht verstanden, ob mit Andacht oder in Unbesonnenheit, gleichviel, es sey Gott wohlgefällig, werde von Ihm erhört', und könne die Seele selig machen, wie die Meisten daher Gott mit den Lippen verehren, während ihr Herz ferne von ihm ist (Jes.3S, 13.), das ist leider eine Thatsache, die zu sehr am Tage liegt, als daß sie geläugnet werden könnte. So wenig nun die israelitische Ober-Kirchen«Behörde im Stande ist, diesem Uebel bei den Erwachsenen abzuhelsen, und so wenig es in ihrer Absicht liegen kam», unser gewöhnliches Gebetbuch, das an und für sich vortrefflich und dessen Schuld eS nicht ist, daß eS nicht den Nutzen stiftet, den es stiste» könnte, ander Synagoge zu verbannen, so sehr hält sie eS^M " ihre Pflicht, dem Heranwachsenden Geschlechte ein Buch in die Hände zu geben, in dem es nicht nur die großen herzerhebenden Lehren und Wahrheiten unserer Religion in einer eindringlichen Sprache mit Kraft und Würde dargestellt findet, sondern das chm auch, neben dem hebräischen Gebetbuche, zum An, dachtS- und Erbauungsbuche dienen kann. Für die Ju-