Das Füllhorn
- Journal
- Das Füllhorn
- Volume
- II (1836)
- Issue
- 12 (18.3.1836)
- Date
- 1836-03-18
- Page
- Spalte 95-96 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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95 98 gend, und namentlich für daweibliche Geschlecht im Ganzen, welches bei völliger Unkenntniß des Hebräischen, bisher eines eigentlichen Gebetbuches gänzlich ermangelte, ist diese Sammlung von Liedern, die füglich zu Gebeten in allerlei Umständen gebraucht werden können, zunächst bestimmt, und hier, das hoffen wir von dem, der alles Gute auf Erden unterstützt, wird sie unendlichen Nutzen stiften, und eine wahrhafte geistige Gottcsvcrehrvng befördern." Königreich Sachsen. - (Leipzig, 11. Febr.) Zu einer Zeit, wo die israelitischen Schristgelehrten Bayerns über die Frage zu diskutircn haben, ob die Verlegung des Sabbaths auf den christlichen Sonntag möglich sey, verdient es gewiß Beachtung, von welcher Seite man in unserem freisinnigen Sachsen die Beantwortung dieser Frage aufgefaßt hat. Während schon die Stände der letzten Session es für höchst verwerflich erachteten und namentlich Se. K. Hoh. Prinz Johann in der ersten Kammer nachdrücklich dagegen erklärte, an die Bekenner des mosaischen Glaubens zu machende politische Conzessionen an irgend eine Aufopferung des religiösen Ritus zu knüpfen,*) (wo damals auch der hochverdiente Vertreter der Geistlichkeit,». Ammon, auS der Kirchengeschichte bewies, daß nur der ReligionShaß der Kirchenväter, der es verschmähete, mit den verachteten Juden den Sabbath an einem Tage zu feiern, diese Spaltung erregt, während die^Apostel und ersten Christen den Sonntag am Sabbath der Juden feier¬ *1 Mir glauben und sind es innig übe»ieugt, daß dirauch keineswegs in brr Ansicht der 1t. Bayerischen Staatsregierung, deren eifriges Bestreben ,ur Begründung und Belebung der Religiosität im Volt« unverkennbar ist, liege, wie bereits in dir. 1t dieser Blätter «in Mehreres darüber gesagt wurde. D. Red. Redigirt von Rabbiner S. W. Ro sei, selb. — ten,) hat auch unsere verehrte Staatsregierung ihre Meinung dahin ausgesprochen, nur durch Verbreitung eines ächt religiösen Sinnes unter den Israeliten Aufklärung zu verbreiten. In diesem Sinne' hat in den jüngsten Tagen die hohe Skaatsregicrung sich nicht abgeneigt erklärt, zur Anstellung eines tüchtigen Landrabbiners in der Person des bisherigen k. k. Kreisrabbiners vr. Fränkel *) eine Bewilligung aus der Staatskasse zuzugestchen und ihren Wunsch zu erkennen gegeben, daß die zahlreiche Dresdener Gemeinde statt deS bisherigen Betzimmers, eine große Synagoge bäum möge, wo zwar die Gebete, wie bisher, in hebräischer, doch auch Predigten in deutscher Sprache vorgetragen werden sollen. Auch ist es erlaubt wordm, noch vor dem Erscheinen des von den Ständen beantragten. Emancipationsgesetzes, die Kinder israelitischer Aeltern in Handwerken zu unterrichten und loszusprechen. Doch sollen die Religivnsvorftände darauf sehm, daß (wie in dm christlichen Communen) kein Knabe ausgenommen werde, der nicht hinlänglichen Religionsunterricht genossen habe. (Dresden, 13. Febr.) Die hier bestehende israelitische Gesellschaft der Union hat einen Prospekt»- zur Gründung eines eigenen Instituts für das Armen, wesen bekannt gemacht, wonach weibliche Arbeiten ausgestellt und verloost werden sollen. Bereits sind diesem Vereine von der Hand I. königl. Hoh. der Gemahlin» des Prinzen Mitregenten verschiedene Gaben zugegangen. — ') vr. Zacharias Frankel (nicht Frankel), au« Prag -rbürti-, seit dem Zähre 1832 Krrisrabbiner in Töplitz, rin Mannt der (wie uns Hr. Klein mittheilt) von hoher Bildung und vom beßten religiösen Eifer beseelt ist. Er hat sein« Studien in Pesth vollendet, und »eich, net' sich unter Andern, auch durch Sprachkenntniß au«. Allerdings dürfen sich die Israeliten in Sachsen »u »ine« solchen tüchtigen Mann« Glück wünschen. V. Red. Gedruckt in der Fr. Humannffchen Buchdruckerei.