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Das Füllhorn · 1836-02-11 · 11 (11.2.1836) · p. Spalte 85-86

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Journal
Das Füllhorn
Volume
II (1836)
Issue
11 (11.2.1836)
Date
1836-02-11
Page
Spalte 85-86 (sequence 3)
Language
German
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85 66 gehenden Lehrer vor der verderblichen Neuerungssucht zu warnen, mit welcher schon so Viele nicht nur Nichts ausrichteten, sondern mit Schimpf und Schande gebrandmarkt, am Ende sich von ihren thörichten Planen überzeugen mußten; denn das Einreißen hat kein Verdienst, wohl aber das Aufbauen. Das Volk ist an das Herkömmliche gewöhnt, legt auf das Festhalten an dasselbe einen unbeschreiblich großen Werth, und wenn der Lehrer, selbst unter löblichen Absichten, nur einzigen Gebräuchen, die zum Wesen der Religion nichts beitragen, verächtlich begegnet, so reizt er seine Gemeinde gegen sich auf, verliert sein ganzes Ansehen, und damit ist Alles verloren. Wo daher auch der Aberglaube nichts Schädliches mit sich fuhrt, so lasse man ihn unbetastet;*) denn Aberglaube ist immer besser, als Unglaube, und der wahre Lehrer wird daher frei seyn von der Thorheit, alle Sitten der Vorzeit zu meistern, und überall Neues einzuführen, blos weil es neu ist. Endlich muß der Lehrer, als Beförderer der Religiosität, Muster und Beförderer der öffentlichen Gottesverehrung werden. Dieß geschieht aber nicht nur durch gründliche Belehrung über Alles, was auf den öffentlichen Gottesdienst Bezug hat, und durch die gleichzeitig cingeflößte Achtung gegen die Synagoge, sondern besonders dadurch, daß der Lehrer in dieser Beziehung an sich selbst das schönste Muster und Beispiel darstelle; denn ein alter heidnischer Weiser gibt uns schon die Lehre: »Worte rühren, Beispiele reißen mit sich fort.» Außer der ununterbrochenen Aufsicht bei dem öffentlichen Gottesdienste, wird daher der wahre Lehrer selbst der Andächtigste dabei seyn, damit sich an ihm nicht blos seine Schuljugend, sondern die ganze Gemeinde erbaue. Heil dem Lehrer, der diese Worte beherzigt; er ist ein großer Mann, wenn ihn auch kein Ordensband ziert, wenn ihn gleich kein Staatskalcnder, keine Drucker, presse namhaft machet. Sein Name ist im Him-- mel angeschrieben, und die Engel Gottes nennen ihn mit Ehrftrrcht. S. Walz. Aufforderung und Bitte. Den Freunden, Verehrern und Kennem der hebräischen Literatur wird es nicht unangenehm sein, zu vernehmen, daß der Unterzeichnete gesonnen ist, sogleich nach Beendigung des Druckes seiner hebräischen Chrestomathie, als des zweiten TheileS seiner hebräischen Sprachschule (Bamberg, Verlag der Lachmüller'-- schrn Kunst- und Buchhandlung, 1835) (siehe Füllhorn wo. 51 v. I.) alle einzeln sich vorsindenden Gedichte des verewigten Hartwig Wessely (R. Herz Wesel) in einem besondern Bändchen gleichsam als Dankopfer den Manen des genialen hebräischen Dichters unserer Zeit dargebrachr, her auszugeben. Der Unterzeichnete besitzt zu diesem Behufe (außer dem Epos: Schire thiphereth) und dem Gedichte vor der Mendelssohn'schen Pentateuchenusgabe, alle Gedichte Weffely's, die in den 12 Bänden der Bikkure Halt tim abgedruckt sind; außerdem auch noch seinen Gan Naul. Er wünscht nun auch alle jene Gedichte, welche sich theils in dm übrigen Werken Weffely's, theils einzeln zerstreut finden möchten, (viele als Approbationen, Hastamoth, in Werken Anderer,) und bittet höflichst Jene, welche dergleichen Arbeiten deS verewigten Dichters besitzen, sie ihm in Bälde in deutlicher Abschrift, mit Angabe de- OrtcS, wo sie sich finden, und zu welchem Zwecke sie verabfaßt wurden, unter seiner Addresse zukommen zu lassen. Unterzeichneterfaßt das Vertrauen zu allen Kennern und Verehrern der Muse Weffely's, daß sie sein Unternehmen gerne unterstützen werden, da gewiß Jeder mit ihm gleiche Verehrung dieses poetischen Geistes theilt, der es unter allen neuem hebräischen Dichtem am Meisten verstand, die alte Muse des Orimts auch in neuerer Zeit und im Oic rdevt zu erwecken. ' Bamberg, S. März 1836. vr. Adam Martinet, Professor der Philosophie am Lyceum Md Lehrer der hebräischen Sprache am Gymnasium dahier. IDrgl. Mendelrsohn't „Tharakter Sokrates" im Phädon. DLkrd.

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