Das Füllhorn
- Journal
- Das Füllhorn
- Volume
- II (1836)
- Issue
- 11 (11.2.1836)
- Date
- 1836-02-11
- Page
- Spalte 83-84 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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63 84 weise übt einen entschiedenen Einfluß auf die seiner Umgebungen aus. Der Lehrer muß daher seinen Schülern und Feiner Gemeinde zum Lichte werden, zum himmlischen Lichte, welches ihnen auf dem dunklen Pfade des Lebens vorleuchtet (Daniel 12,3). Da nun die Handlungsweise des Lehrers die Hauptwirkung hervorbringt, und zur Beförderung der Religiosität so unendlich Vieles beiträgt, so ist dieselbe dem eigentlichen Geschäfte des Lehrers, dem Unterrichten, im Werthe voranzusetzen; denn so wie der Glaube ohne Werke tobt ist, eben so ist es auch der Unterricht des Lehrers, wenn seine Handlungen nicht sichere Belege zu seinem Unterrichte sind. Ohne wahre Religiosität des Lehrers ist daher in und außer der Schule kein gedeihliches Wirken möglich. Wcnü aber erst das Leben des Lehrers seinen Worten widerspricht,, so predigt er tauben Ohren, und vergebens bietet er die Kunst seiner Unterrichtsmethode und Beredsamkeit auf, religiöse Gefühle bei seinen Schülern zu erwecken; denn die Kleinen haben gar scharfe Augen, sehen weiter, als es manchem Lehrer lieb sein kann; sie wissen es daher nur zu gut, daß der Lehrer selbst das nicht thut, was er ihnen so dringend anempfiehlt nnd seine Worte verhallen, ohne den mindesten Eindruck zurückzulassen. Anders verhält es sich aber mit dem wahren Meschenerzieher, der nicht bloß um das liebe Brod arbeitet, sondern dem cs, seiner Gewissenhaftigkeit gemäß, darum zu thun ist, ein treuer Arbeiter in dem Garten Gottes, der Schule, zu scyn, um hier die zarten Pflanzen für^ die Ewigkeit hcranzubilden; er ist es werth, Erzieher zu seyn, denn an ihn selbst hadie Erziehung ihr Werk vollendet, und er vermag daher auch schon durch Unterricht die Religiosität im Volke zu befördern. Mit Wohlgefallen werden sich hier die Freunde der Jugend überzeugen, daß der Geist der Schule vom Lehrer ausgche. Hoher Ernst faltet seine Stirne, wenn er von Gott und göttlichen Dingen spricht; wie ein Vater unter seinen Kindern, wandelt er unter seinen Schülern, redet vom Herzen, und daher dringen auch seine Worte zum Herzen. " Sein Unterricht über Religion besteht nicht in einem bloßen Auswendiglernen eines Katechismus, nicht in -inem flüchtigen Hinwegfahren über die Oberfläche dev Lehrstoffes, sondern auS dem Gründe schöpft er mit ser-en Schülern, und mit Emsigkett spähet er I mit ihnen dm Quellen der göttlichen Wahrheit und der himmlischen Weisheit nach. Außerdem, daß erste mit den Glaubens - und Sittenlehren, mit dm heftigen Gebräuchen und Gesetzen und deren Bedeutung vertraut macht, weiß er auch alle übrigen Lehrgegenstände von der religiösen Seite aufzufassen, und auf Gott als unseren ersten Grund und unseren letzten Entzweck hinzuleiten, und dadurch ein feines, warmes, heiliges Gefühl für Religion, für Rechtschaffenheit und jede gesellige Tugend zu schaffen. — Um aber auch vorzubeugen, daß der gute Same, den er in daS Herz seiner Schüler streut, nicht durch böse Hand wie* der unterdrückt und vernichtet werde, so verhehlt er seinen Zöglingen auch die Gefahren nicht, die dm Tugendhaften in seinem Ringen nach Gottähnlichkeit bedrohen, daß besonders die Verführung unter den verschiedensten Gestalten sich äußere und daß es muthwillige Buben genug gebe, die Alles, was ehrwürdig und gut und heilig ist, durch ihrm Witz vergiften wollen. Väterlich ermahnt hier der brave Lehrer, sich nie irre machen und von leichtfertigen Menschen bethören zu lassen, sondern muthig und standhaft dm Weg des Glaubens, der Wahrheit und des Rechts zu verfolgen, und es nie zu dulden, daß Jemand mit heiligen, göttlichen Dingen sein Gespötte treibe. So weit geht das Streben des gewissenhaften Lehrers nr seiner Schule und seine Einwirkung auf die Religiofl, tät seiner Zöglinge. Daß sich aber diese seine Einwirkung auch auf das Volk, auf die erwachsene Generation, erstrecken soll, um auch da die Religiosität zu befördern, dieß könnte etwa als eine übertriebene Anforderung an den Lehrer gehalten werdm, indem dieß über seinen eigenen Wirkungskreis hinauszugehm scheint. Man wird diese Anforderung aber gerecht finden, wenn man erwägt, daß die Handlungsweise der Erwachsenen einen mächtigen Einfluß auf die Jugend ausübt, und daher dem Lehrer daran gelegm seyn müsse, daß seine Zöglinge auch außerhalb der Schule nur von guten musterhaften Beispielen umgeben werden. Hier, im Kreise der Erwachsenen, kann der Lehrer abermals und fast lediglich durch sein Bei, spiel wirken; er muß durchaus als ein lobenswerthes Mustex der Nachahmung erscheinen, wenn er auf die Religiosität des Volkes wirken will. — Man kann I beii dieser Gelegenheit nicht Umgang nehmen, den an-