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Das Füllhorn · 1836-01-22 · 4 (22.1.1836) · p. Spalte 29-30

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Journal
Das Füllhorn
Volume
II (1836)
Issue
4 (22.1.1836)
Date
1836-01-22
Page
Spalte 29-30 (sequence 3)
Language
German
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29 30 N Ob und wie nach gleichen Rücksichten eine oberste Kirchenbehörde für den Untermainkreis zu bestellen sei? 9) Welche Vorschriften über das Verhältnis der Distrikts-Rabbiner zu den ihnen untergeordneten Religionslehrern und Dienern, so wie zu den Gemeinden zu erlassen wären? 10) Welche Normen für die höheren Schulen und die religiöse Bildung der RabbinatS-Kandidaten zu geben wären? KöniglicheRegierung deS UntermainkreiseS, Kammer deS Innern. Gr. v. Rechberg. Die Juden — nicht Demagogen. Die «Münchner politische Zeitung" enthält folgen» deS merkwürdige Schreiben auS Stuttgart vom 26. Dezember: "Die literarischen Aktenstücke in Sachen der Religion und Sittlichkeit gegen die Tendenzen deS jungen Deutschlands häufen sich immer mehr und mehr, und machen — weil in einem Sinne von dm Parteien aller Farbm auSgegangen — den Beweis vollständig über die nichtswürdigen Bemühungen dieser neuen Propaganda der öffentlichen Unsittlichkeit und zugleich des gefährlichsten politischen Demagogismus, den sich Deutschland je zu beklagen hatte. Einige Hauptzwecke di-s-s Bundes sollen geraden WegS auf dm Umsturz aller sittlichen, christlich-religiösen und politischen Zustände Deutschlands lossteucrn; und rS wird behauptet, daß meistens Jünglinge der israelitischen Konfession demselben angehören. So ist Guzkow ein Jude, Heine, der Pflegvater des „jeuae ä)Iemsgne," ein Jude, Laube und Kottenkamp gehören ebenfalls dem Judäismus an, und nur mit Wienbarg steht es noch^im Zweifel. Der Verleger aber der „Wally" und der übrigen Schriften der „jungen Literatur," Karl Löwenthal in Mannheim, ist ebenfalls ein Jsraellte, der. vor einigen Jahren zu München humoristische Studien gemacht hatte." — Mit nicht ge, ringe« Erstaunen liest man diese kecken, ebm so unwahren, als gehässigen Behauptungen in die Welt hinauSgeworfen und mit leichten und leichtfertigen Federstrichen dem Judenthume (Judaismus) eine Last zugewälzt, woran es durchaus keinen Antheil hat. Denn vor Allem ist es unwahr, daß je von Juden, am Wenigsten von gelehrten Juden, auch nur im Geringsten Jemand zur „Propaganda der öffentlichen Unsittlichkeit" oder zum „politischen Demagogismus" beigetragen oder sich diesem zugesellt hat. Man zeige es nach in den Schriften eines Mendelssohn, Friedländer, Bendavid und vieler Anderer, bis herab auf Jost, Zunz, Kreizenach, David Fränkl, Mich. Beer, Riesser, Salomon und noch Mehrerer; man zeige es nach, wo auch nur eine Stelle nicht zeuget von biederen, gleich religiösen, wie patriotischen, allen Menschen geziemenden und würdigen Gesinnungen; und das sind Männer, auf die der Jude gewiß nicht mit Unrecht stolz ist, Männer, die mehr oder weniger dm Satzungen des Thalmuds streng anhingen und beistimmm, jenes Thalmuds, welcher sagt: „Der Ausspruch der Staatsregierung muß uns heilig sein!" der uns lehrt: „Die irdische Regierung sei uns Abbild der himmlischen!" der uns gebietet, das Wort des Profeten zu wahrm, nämlich: „für das Wohl des Staates, der uns Schutz und Wohlthatm ertheilt, za beten, und ihm unsere Kräfte zu widmen!" Und durch Thaten haben die Judm noch weit stärker ihre antidemagogischen, d. i. ihre ächtpatriotischen Gesinnungen bewiesen in dm drang - Md stürmevollm Zetten gegm Napoleon und dann in den jüngsten Jahrm in Holland und Polen, wo sie diese Anhänglichkeit an dm Fürsten oft noch überdieß hart büßm mußten. — Aber Jene, vle das Schreiben aus Stuttgart als Chorführer ve« Demagogismus aufführt, und ihre Gesinnungen als aus dem Judenthume hervorgegan« gm darzustellen sich bemüht, weil diese früher dem Judenthume angehört haben mögm, *) — wer kann es dem Israeliten verargen, wmn er sie nicht als die Seinigm anerkennen will, sie, die ihm höchsten- *) ES stellte sich inzwischen, wie di« besten öffentlichen Blätter berichten, die Wahrheit heraus, daß jene Angabe durchaus falsch sei. Weder Guzkow, noch raub», noch Wienbarsind Juden, oder waren e« je. D. Red.

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