Das Füllhorn
- Journal
- Das Füllhorn
- Volume
- II (1836)
- Issue
- 4 (22.1.1836)
- Date
- 1836-01-22
- Page
- Spalte 31-32 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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31 32 durch Geburt, nimmermehr aber durch Erziehung und Ausbildung angehörten, und die sich selbst leichtfinnigcnveise von demselben tossagten? Wenn diese Leichtfertigen durch zeitlichen Vorthcil angelockt, (mag nun Noth oder bessere Aussicht sie angctricben haben,) sich vom Juventhume entfernten, und das Christenthum annahmcn, und wenn sie dann, sich in ihren Erwartungen getäuscht findend, die Waffen gegen Freund und Feind kehrten, wenn sie, um es nur rund herauszusagen, allem Heiligen und Höheren von jeher fremd, nur im Christenthum eine Larve suchen, hinter der sie ihre „Gottlosigkeit" in die Welt Hinausrufen wollen, — soll da das Judenthum Schuld haben, dem sic, wie gesagt, höchstens nur der Geburt nach angehören, (so rühmte sich jüngst erst Heine öffentlich, daß er nie eine Synagoge besucht habe,) sie, die durch Meineid und Lüge sich zum Christenthume bekannten, und nichts weniger, als einen moralischen Selbstmord begingen? Mit eben demselben Rechte, mit welchem die Christen solche Ncofytcn verabscheuen, verschmähen die Juden dieselben, und gewinnen höchstens immer mehr die Überzeugung, daß dergleichen getaufte Juden eben so wenig wahrhaft dem Christenthume angehören und angehören wollen, als sie das Judenthum begehrten, und zwar darum, weil ihnen jede Religion und jedes göttliche Gesetz eine Schranke ist. Keck daher und unwahr ist jenes Schreiben aus Stuttgart, und liefert nur einen Beweis von Gehässigkeit und Ungerechtigkeit, die, wie die heil. Schrift sagt: „die Augen blend-e der «lugen und verkehret die Worte der Gerechten." Lächerlich endlich ist die Anschuldigung gegm den Verleger Karl Löwenchal, weil er ein Jsraelite ist. Als ob Campe und Hoffmann in Hamburg nicht eben so gut diese Schriften hätten verlegen können, als die ftü« Hern von Börne und Heine, und als ob nicht fast täglich Schriften konfiszkrt würden, deren Verleger Christen sind! — ^micuz Locrsto«, runicur klsto, seä msg» iunic» rerits»! ' Josef Klein. O' C o n n e l l. Das Dublincr Reformblatt, der Pilot, hatte einige Artikel enthalten, worin unter der Aufschrift: »Der lügnerische Jude von O'Connels Gegner Raphael die Rede war. O'Conyel berührte dies in einem Schreiben an den Redakteur des Blattes , Barret, und sagte, da Raphael kein Jude sey, so werde offenbar hier das Wort: «Jude" als Schimpfwort gebraucht, was durchaus zu tadeln sey. Es sey dies ein Ueberrest der barbarischen Judenverfolgungen ftüherer Zeiten. Allerdings ziehe man ihnen nicht mehr Zähne aus, um Geld von ihnen zu erpressen (wie König Johann ohne Land), auch hänge oder verbrenne man sie nicht, um^die Uebrigen durch Schreckmittel zur Heuchelei zu nöthigen; die Gebildeten unter den Juden in der gegenwärtigen Zeit aber fühlten die jetzige Art von Verfolgung eben so bitter, als ihre Vorfahren die Barbarei roherer Zeiten. Wir sollten nie vergessen, daß die Juden eine große Nation, daß sie mächtig waren in den hehren Offenbarungen GotteS n. (So denken edle christliche Männer.) Zur Tagesgeschichte. <AuS dem Holsteinischen.) Die aus Rendsburg und Altona eingegangenen Petitionen der Juden um Emanzipation haben schon mehrere Abgeordnete zu der Erklärung bewogen, daß sie bereit seien, die Petitionen zu unterstützen. Auch hier hat der Abgeordnete, Etatsrach und Professor Falk, die Absicht, vermittelnd aufzutreten. S» gedenkt die Petitionen Zu unterstützen, doch die Bedingung daran zu enüpstn, daß die Emanzipation nur fitr die schon jetzt im Lande lebenden gelten, den auswärtigen aber der Eintritt versagt bleiben soll. (Me Absperrungen taugen nichts, und sind dem Geiste der Zeit zuwider.) Der gegenwärtig versammelte großhcrzoglich Weimarische Landtag bewilligte für den Kultus der Israeliten in Lengsfeld Ilü Thlr. aus den Staatsmitteln. Aphorisme auS dem Talmud. Ängstliche Berechnung der Zukunft darf unS von Erfüllung unserer Pflichten nicht abhalten. Wir haben das zu thun, was uns obliegt, und Gottes weiterer Regierung die Folgen zu überlassen. in der Fr. Humann'schen Buchdruckerei. Redigirt von Rabbiner S. W. Rosenfeld. — Gedruckt v