Das Füllhorn
- Journal
- Das Füllhorn
- Volume
- II (1836)
- Issue
- 2 (8.1.1836)
- Date
- 1836-01-08
- Page
- Spalte 13-14 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Ueber eine Generalversammlung der Rabbiner. Wir heben aueinem Schreiben des Herr« L—r. in M.> daS mit Schilderung der in Israel Statt habenden Zerfallenheit in Bezug auf Religion, Schule und Kulms beginnt, und dann auf den in der Ueberschrist bezrichneten Gegenstand übergehet, Folgendes aus: „Dieser unheilvollen Zerrüttung kann nur durch ein Mittel gesteuert werden, und dieß ist eine Generalversammlung der Rabbiner. Nur in einer solchen Versammlung liegen jetzt die Gcwährschasten jedes religiösen und bürgerlichen Segens für die Israeliten. Durch sie allein kann das gesunkene Ansehen der Religion gehoben, die zerrissene Einigkeit wieder hergestellt, du schädlichen Jrrthümer gesetzlich vernichtet, die heilbringende Wahrheit geheiliget, die Einheit des Lehrbegriffs, mit Schärfe und Bestimmtheit festgestellt, und somit dem überhand nehmenden Unglauben, wie dem Aberglauben, alle Nahrung entzogen werden. Die jüdische Liturgie, welche durch die gehäuften Lieder einer finstern gräuelvollen Zeit mit einer Menge für unsere Generation unpassend gewordener Zuthaten überfüllt, zum Theil auch entstellt worden ist, möchte vor allem die Aufmerksamkeit einer solch erleuchteten Versammlung in Anspruch nehmen; denn das Gebet äußert den mächtigsten Einfluß auf die sittliche Veredlung des Menschen. Wie wäre es aber möglich, diese durch das Gebet zu erzielen, wenn der Mund wohl unverständliche Gebetsformelu herstammelt, das Herz aber, der Sitz der Empfindung und des Willens, öde und kalt, und der Geist, derlkch^kurchdasselbe seiner irdischen Fesseln entledigen, und sich zu dem Ewigwahren emporschwingen soll, unerquickt nnd unberührt bleibt? Auch diesem Uebelstand vermag einzig und allein eine allgemeine Versammlung der Rabbiner gehörig zu begegnen. Denn wenn auch hie und da einzelne Seelsorger das Uebel erkannten, und es durch Wort und That auszurotten bemühet waren, so ist ihre gute Absicht nur verkannt, ihr Wirken nur verketzert worden. Nur wem die Heilung allgemein und durchgreifend ist, wenn sie nämlich von der Gesammtheit auSgeht, können auch die Folgen allgemein erfreulicher Natur sepn. Es läßt sich aber die Veredlung nnd Befestigung des Judenthums nur dann erwarten, wenn die Ge, sammtheit der Rabbiner, mögen die einzelnen der alten oder neuen Schule angehören, von Einem Geiste beseelt, von Einer Idee durchdrungen ist, und, mit Hintansetzung aller Privatinteressen und Nebenrücksich« ten, dem Einen Ziele entgegenstrebt. Und dieser Geist, der alle beseelen soll, ist der Geist des Friedens, der Eintracht und der Liebe, und diese Idee, die alle durchdringen soll, ist die Idee der lautern, unverfälschten Wahrheit, und dieses Ziel, nach dem alle streben sollen, ist die durch zeitgemäße, aber nicht unstatthafte Reformen zu bewirkende Befestigung und Veredlung des Judenthums. Eine solche von einer gesetzlichen Autorität begründete Reorganisation der jüdischen Relkgionsverhältnisse muß nicht nur auf das religiöse und geistige Leben der Juden ihre heilsame Wirkung äußern; auch auf ihre bürgerliche Cristen; kann sie nicht ohne entschiedenen Einfluß bleiben. Denn wenn das Judenthum von schädlichen Schlacken geläutert, in seiner ursprünglichen Reinheit und Wahrheit seine Bekenner zu guten Menschen, wahrhaft gebildeten und brauchbaren Bürgern umgeschaffen hat/ so müssen die Feinde Israels verstummen, die schlecht Unterrichteten werden sich eines Bessern belehren, und unsere humanen und edlen Regierungen uns sicherlich die heißersehnte Bürger- Freiheit nicht mehr versagen, nach der wir schon so lange vergebens gerungen.» Ein Wort an die Reichen und Wohh habenden zur jetzigen Winterzeit. Ihr, meine Brüder, die ihr ruhig in euer« gewärmten Wohnungen sitzet, und bei Ueberfluß und Wohlhabenheit sorgenlos der rauhen Witterung und der Kälte spottet, die in ihrer ganzen Stärke sich zeiget, denket jetzt an die Armen und Dürftigen unter euer» Brüdern und Mitmenschen, welche die Pein der Armuth jetzt doppelt fühlen, md eilet ihnen als Wohlthäter, als Erbarmer zu Hülfe. — Möchte doch das Elend dieser Unglücklichen euch recht lebhaft vor Augm treten und euch, an. euere Pflicht, zu helfen, mahnen! — Schauet um euch her die Gegenständ«