Das Füllhorn
- Journal
- Das Füllhorn
- Volume
- II (1836)
- Issue
- 2 (8.1.1836)
- Date
- 1836-01-08
- Page
- Spalte 15-16 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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dt- Mitleides, die euch am Nächsten sind; schauet, wie hier ein armer Greis in zerrissenem Gewände, dort eine verlassene Wittwe, von Hunger und Kalte gedrückt, über die Strasse schleichen und der Gabe harren, die ihrem Elende eine Minute Linderung gewähren soll. Schauet in die armselige Hütte jenes dürftigen Familienvaters, dessen nackte Kleinen nächtlicher Frost verzehret; schauet den armen Kranken, um den sich durch die Kälte ein dreifaches Elend windet, und — denkt und handelt menschlich: eilet zur Hülfe. Der Winter macht die Wohlthätigkeit gegen die Armen/nothwendiger, da derselbe ihre Bedürftnsse vermehrt. Und erhalten nicht dadurch unsere Wohlthaten einen erhöhten Werth, wenn sie zur rechten Zeit, mitten unter den Bedürfnissen ausgetheilt werden? Sollten wir nicht, jemehr sich der Winter in seiner Strenge zeiget, auch desto williger seyn, den Dürftigen durch die Mittheilung von dem Ueberflusse, womit uns die Vorsehung segnete, zu erquicken? Nehmet euch also eurer Mitmenschen an, und lasset nicht länger eure Brüder elender, als die Thiere seyn. Euch kommt es zu, ihren Zustand zu verbessern. Die Vorsehung selbst laßt euch an dieser Ehre Theil nehmen. Erkennet euern Beruf,' den Armen zu speisen, zu kleiden, zu erwärmen, und ihn dem trostlosen Kummer, der Verzweiflung, der Verschmachtung und dem Tode zu entreissen. Fühlet daS süße Vergnügm eines edlen Herzens, die Bedürfnisse eurer unglücklichen Brüder gestillt, und ihnen die schwere Bürde der strengen Jahreszeit erleichtert zu haben. Wer wollte sich die Beruhigung und die Wollust, das Leiden eines Menschen getilgt zu haben, versagen? Und wie leicht können wir sie uns verschaffen! Ein geringer Abbruch von unserm Aufwand? in Kleidungen, Spei, sen und Getränken, eine kleine Einschränkung unseres Vergnügens reicht schon dazu hin. Und welches Opfer bringen wir nicht der Tugend, wenn unsere Wohlthätigkeit mit einem Sieg über unsere Leidenschaften verbunden ist: wenn wir einige Ausgaben der Eitelkeit, der Pracht und dem Stolze entziehen, um sie zum Besten der Armen zu verwenden! So will ich denn, möge jeder Wohlhabende bei sich sprechen, so viel an mir ist, das Elend meiner Mitmenschen in diesen Wintertagen zu lindem suchen. Ich will mir bei dem Genüsse so vieler Bequemlichkeiten die Noch derjenigen lebendig vorstellen, die beinahe alle Hülfsmittel entbehren müssen, wodurch die Bürde ihres Lebens erleichtert werden könnte. Diese Vorstellung wird den Erfolg haben, daß ich meine bessere Lage desto stärker und dankbarer fühlen, und desto herzlicher Gott preisen werde, der mich vor vielm Tausenden so glücklich werden ließ. Und wenn ich alsdann den unverdorbenen Trieben meines Herzens folge, so werde ich bereitwillig seyn, Andere wieder glücklich zu machen, zum wenigsten, ihnen ihre drückende Lage, so viel möglich ist, zu erleichtern. Ich werde gegen alle Hilfsbedürftige so handeln, wie ich glauben kann, daß sie mit weniger Bitterkeit ihr Leben zurücklegen werden. _ Bamberg. Am 12ten v. M. wurde auch in hiesiger Synagoge ein inbrünstiges Gebet für die glückliche Reise und scgenvolle Rückkehr Sr. Majestät des Königzum Vater im Himmel gesandt. Heil und Friede folge dm Schritten des erhabmm Retters und Beschützers der Gebeugtm! _ Auch im Lauft dieses Winters wurden, nach dem Beispiele früherer Jahre, Beiträge zum Holzankauft für. die armen Brüder dahier gesammelt. Die Gesammtgabm beliefen sich auf 45 fl. 48 kr. Dank dm braven Gebern! Don dieser Zeitschrift wird «schentlich 1j2 Logen,! und r«ar an jedem Donnerttag«, au«gegeden und versandt. — Man abvnnirt in Bamberg und der Umgegend in der untrrjeichnrten Buchdruckerei. im Aullaad« aber bei allen k. Postämtern halbjährig für 1 ff. 21 kr. oiclu,. der Transportkosten. — In der Rud. Lackmüller schen Buch - und Kunsthandlung dahier erscheint solche« in vierteljährige» Kesten mit schönem Umschläge »Ist. Zn diesem Blatt« »erden auch Anjeigen jeder >rt u» den Preis von 3 kr. für di« gespaltene Petitjrile, ausgenommen, «rlchr tranco einjusendr» sind. . Fr. Human n'sche Buchdruckerei. Redigirt von S. W. Rosenfeld, Stadt - und Distrikts-Rabbiner. — Gedruckt in der Fr. Humann'schen Buchdruckerei.